Krise

Keine Sau braucht die FDP – oder vielleicht doch?

Kampagnen-Start zur Wahl schockt die Bundespartei

Fünf Wochen vor der Landtagswahl in Brandenburg am 14. September ist es der totgesagten Brandenburger FDP gelungen, mit einer selbstironischen Kampagne auf sich aufmerksam zu machen. Zumindest kurzfristig. Seit Anfang dieser Woche ist der Satz „Keine Sau braucht die FDP“ mit großen blauen Buchstaben auf Gelb auf einem halben Dutzend Großplakaten in Potsdam zu lesen. Der gleiche Spruch auch auf der Homepage und auf dem Anrufbeantworter. Die Brandenburger sind tatsächlich der Meinung, dass die FDP überflüssig ist. Nach der jüngsten repräsentativen Umfrage wollten die Meinungsforscher von Infratest dimap für die brandenburgischen Liberalen nicht einmal eine Prozentzahl nennen. Die Zustimmung sei nicht messbar, lautete das für die Partei niederschmetternde Ergebnis.

Am Donnerstag lösten Landeschef Gregor Beyer und Spitzenkandidat Andreas Büttner nun das Rätsel auf, weshalb sie sich sogar schon selbst für erledigt erklären. „Den Satz, die FDP braucht doch keine Sau, hören wir im Land leider immer wieder“, sagte Beyer. „Den nehmen wir auch ernst.“ Verübeln könne er ihn den Bürgern nicht. „Das hat was mit der Politik der Bundespartei in der Zeit zwischen 2009 und 2013 zu tun.“ Die FDP habe die Bundestagswahl verdient verloren. In Brandenburg hätten die Liberalen seit ihrem Einzug in den Landtag 2009 aber „richtig gute Arbeit“ geleistet. Deshalb werde auf die Plakate nun neu geklebt: „Jeder Arbeitslose braucht die FDP, damit neue Jobs kommen“ oder: „Jede Lesbe braucht die FDP, damit Toleranz in der Gesellschaft herrscht.“

Lindner: „Den Atem angehalten“

Die Bundespartei sei über die „Sau“-Kampagne informiert worden, so Beyer. „Sie mussten sich erst einmal etwas daran gewöhnen.“ FDP-Bundeschef Christian Lindner äußerte Verständnis für seine Parteikollegen in Brandenburg. Zwar habe er bei dem Slogan „Keine Sau braucht die FDP“ auch „erst einmal den Atem angehalten“, sagte Lindner am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Er habe aber verstanden, dass die Kollegen mit der „ironischen, pointierten und provokanten Zuspitzung“ nach Möglichkeiten suchten, in die Öffentlichkeit zu kommen. Nur so könnten sie für ihre Argumente werben. Auch innerhalb des FDP-Landesverbandes ist die Aktion umstritten. Auf Facebook wird seit Tagen rauf und runter diskutiert. Die politischen Mitbewerber sprechen von einem „puren Verzweiflungswahlkampf“.