Schifffahrt

Betrunkene Kapitäne, Jetski-Raser und falsche Liegeplätze

Bei jeder fünften Überprüfung stellt die Wasserschutzpolizei Verstöße gegen die Vorschriften fest. Oft ist Alkohol im Spiel

Dieser Sommer lässt sich am besten am Wasser, im Wasser oder auf dem Wasser genießen. „Wegen des schönen Wetters sind in diesem Sommer deutlich mehr Schiffe und Boote auf den märkischen Gewässern unterwegs als im ersten Halbjahr 2013“, sagte Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) am Mittwoch in Potsdam. Mehr Verkehr bedeutet auch mehr Arbeit für die Rettungskräfte und die Polizei. „Die Wasserschutzpolizei hat ihre Kontrollen um 30 Prozent verstärkt“, gab Holzschuher bekannt. Die 196 Beamten kontrollierten von Januar bis Ende Juni 11.493 Mal. Das war über 2700-mal mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei etwa jeder fünften Überprüfung wurden aufgrund von Verstößen Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten eingeleitet oder Verwarngelder verhängt. „Die Zahl der entdeckten Verstöße erhöhte sich um gut 36 Prozent auf 2426“, sagte Holzschuher.

Rücksichtslos unterwegs

Hauptgründe für das Einschreiten der Polizei waren rücksichtslose Fahrweise und unangemessene Geschwindigkeit. Vielfach fehlten Kennzeichen oder die nötigen Dokumente. Zudem wurde häufig gegen das Boots-Liegeverbot – die Boote dürfen nicht einfach irgendwo festmachen und liegen – und gegen Besatzungs- und Ausrüstungsvorschriften verstoßen. In 43 Fällen waren betrunkene Bootsführer unterwegs, die Polizei ertappte fünf weniger als im ersten Halbjahr 2013. Bei motorisierten Booten gelten für die Bootsführer die gleichen Grenzen bei Alkohol wie an Land. Wer betrunken am Ruder erwischt wird, kann auch seinen Autoführerschein verlieren.

„Die Bilanz unterstreicht, dass intensive Kontrollen auch auf dem Wasser erforderlich sind, um die Sicherheit in Brandenburg als Land mit einem starken Wassertourismus zu gewährleisten“, sagte der Innenminister. „Gegenseitige Rücksichtnahme und die Beachtung der Regeln und Vorschriften sind die entscheidenden Voraussetzungen für einen reibungslosen Verkehr.“

Im ersten Halbjahr hat es 74 Schiffsunfälle gegeben, vier weniger als im Vorjahr. „Dies ist auf einen Rückgang um gut ein Viertel in der Berufsschifffahrt zurückzuführen“, sagte Holzschuher. „Es handelte sich um 21 Fälle.“ In der Sportschifffahrt krachte es häufiger. Die Polizei registrierte mit 53 Unfällen vier mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei wurden zwei Menschen getötet und drei verletzt.

Der bislang schlimmste Unfall ereignete sich Ende Juni, als ein Segelboot auf dem Schlänitzsee in Potsdam-Marquardt mit einem Gütermotorschiff zusammenprallte. Das knapp 80 Meter lange Binnenschiff traf an der Einmündung des Sacrow-Paretzer Kanals das acht Meter lange Segelboot seitlich und versenkte es sofort. Die Frauen unter Deck hatten keine Chance. Eine 42-Jährige war nach dem Untergang des Bootes etwa 30 Minuten unter Wasser und dann aus dem Wrack befreit worden. Sie starb in der Klinik. Eine 62 Jahre alte Frau wurde tot in der Kajüte des Bootes gefunden, nachdem dieses vom Grund gehoben worden war. Der 60 Jahre alte Besitzer des Schiffes blieb unverletzt, sein 67 Jahre alter Freund erlitt eine Platzwunde am Kopf. Alle vier Bootsinsassen stammen aus Thüringen. Nach Polizeiangaben waren die „Kapitäne“ nicht alkoholisiert und hatten auch die erforderliche Erlaubnis. Ob das Schiff zu schnell war, ließ sich laut Polizei nicht mehr klären.

Seit vorigem Jahr dürfen Boote mit mehr als 15 PS-Motorleistung auf 470 Gewässer-Kilometern in Brandenburg unterwegs sein, auch wenn der Freizeitkapitän keinen Sportführerschein hat. Es gibt nur eine dreistündige Einweisung, danach wird eine Charterbescheinigung erteilt. „Die Befürchtung, dass es dadurch zu mehr Unfällen kommt, hat sich nicht bestätigt“, sagte der Innenminister. „Es gibt keinen signifikanten Anstieg.“ Die Freigabe habe sich bewährt, sie trage zum Wassertourismus bei. Tourismusexperten gehen davon aus, dass die Gäste auf dem Wasser jährlich weit über 100 Millionen Euro im Land lassen.

Die Polizei hat zunehmend mit dem Diebstahl von Bootsmotoren zu tun. 2013 wurden 195 Motoren als gestohlen gemeldet.

Jetskis sind ein Problem

Ein wachsendes Problem sind die Jetskis. „Die können bis zu 100 Stundenkilometer erreichen“, sagte der Leiter der Potsdamer Wasserschutzpolizei, Joachim Pötschke. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit betrage 25 Stundenkilometer. Im Prinzip dürften die Wasser-Motorräder in Brandenburg gar nicht fahren. „Wenn sie aber langsam auf gerader Strecke unterwegs sind, können wir nichts machen.“ Es gebe immer häufiger Beschwerden wegen des Lärms, den die Jetskis verursachen. Weniger Probleme bereitete ein anderer Trend: das Floßfahren. „Da fehlt zwar häufig der Sachverstand, es passiert aber nur selten was“, so Pötschke. Häufig bräuchten ungeübte Floßfahrer aber Hilfe – nämlich, wenn sie sich auf Sandbänken festgefahren hätten.