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Schwarzes Küken: Sensation auf der Straußenfarm

Fred Wenzlaff züchtet die Vögel in Seelow, gerbt ihre Haut und fertigt daraus Mode

Struppige schwarze Federn, kurzer Hals, kurze Beine. Das Straußenküken ist erst am vergangenen Dienstag geschlüpft. Es ist schwarz – das ist weltweit etwas ganz Besonderes. „Normalerweise sind die Küken grau“, sagt der Züchter Fred Wenzlaff. Mit eineinhalb Jahren erst werden die Hähne schwarz, die Hennen bleiben grau. Wenzlaffs Farm liegt im brandenburgischen Seelow. Seit 1998 hält er die langbeinigen Vögel.

„Ich war der Erste in Brandenburg, der mit der Straußenzucht angefangen hat“, sagt Wenzlaff. Er habe sich zuvor monatelang in Süd- und Westafrika mit der Straußenzucht und mit der Vermarktung beschäftigt. „Damals war alles neu für mich.“ Man müsse einiges wissen, damit man mit der Straußenzucht Erfolg hat, sagt Wenzlaff. Gerade bei den Küken sei viel zu beachten. „Man darf kein gemähtes Gras herumliegen lassen, oder kurz gehäckseltes Stroh, sonst können sie eine Verstopfung bekommen.“ Auf Beton sollte man die großen Tiere auch nicht halten, denn darauf könnten sie ausrutschen und sich die Beine brechen. Sand als Untergrund sei besser geeignet.

Wache in der Balzzeit

Strauße seien ansonsten unproblematisch in der Haltung. „Sie bleiben im Gehege, gehen nicht über den Zaun, probieren das auch nicht aus.“ Einzäunen müsse man sie, so erzählt der Züchter, „um zu verhindern, dass andere Tiere hereinkommen“. Wenn die Balzzeit beginnt und die Hennen Eier legen, „dann bewacht der Hahn seine Frauen“. Man sehe es von Weitem.

Schwarze Küken hatte Züchter Wenzlaff schon einmal, im Jahr 2008. Nun wieder. Gleich drei kleine Strauße sind in den vergangenen Tagen geschlüpft. Einer allerdings lebt nicht mehr. „Die Henne hat es versehentlich tot getreten“, erzählt der 55-Jährige.

Viel Sorgfalt wird auf seinem Hof darauf verwendet, dass die Küken gesund bleiben und groß werden. Verhindert werden muss beispielsweise, dass sie auf glattem Boden ausrutschen und stürzen. Deshalb liegen Matten mit Rippen aus. Das Futter ist sorgsam ausgewählt. In den ersten vier Lebenstagen bekommen die Küken noch nichts zu fressen, weil sie sich vom Rest des Dottersacks ernähren sollen. Danach stehen auf der Straußkinder-Speisekarte Haferflocken, die auf den schwarzen Matten gestreut werden und gut sichtbar sind. Das Straußenfutter lässt der Züchter nach genauen Vorgaben in einem Werk produzieren. Proteinreich soll es sein, mit Soja und Luzerne. Selen dürfe auf keinen Fall im Getreide enthalten sein, erklärt Wenzlaff, „das lassen wir kontrollieren“. Denn dieses Metall schade den Straußen.

Die Straußeltern teilen sich das Brüten. „Die Henne macht es am Tage und der Hahn nachts.“ Um 19 Uhr sei Schichtwechsel. „Dann setzt sich der Hahn drauf. Wenn die Küken in der Nacht schlüpfen, bleiben sie bei ihm.“

Fred Wenzlaff beschäftigt sich mit den Tieren aber nicht, um Haustiere zu halten wie andere Hund oder Katze. Die Vögel sind für ihn ein Unternehmen – oder vielmehr ihre Haut. Der Brandenburger Züchter hat ein eigenes Modelabel, „Fredini“, das er auch auf der Berliner Fashion Week präsentiert. Im Jahr 2000 habe er mit der Gerbung der Straußenhaut begonnen, erzählt er. Denn es sei das „beste und strapazierfähigste Leder“. Außerdem ist es atmungsaktiv und sehr weich.

Eineinhalb Jahre alt werden die meisten Tiere, bis sie geschlachtet werden. Dann haben sie ein Gewicht von etwa 100 Kilo. Er halte Schwarzhals- und Blauhals-Strauße, erzählt Wenzlaff, der ursprünglich Heizungsinstallateur ist und als Fahrlehrer arbeitete – und dann auf Straußenzucht umsattelte. „Der Schwarzhals-Strauß legt mehr Eier, etwa 60 bis 65 in der Saison. Auch die Haut eignet sich besser zur Verarbeitung.“ Diese Verarbeitung macht Wenzlaff mit seinem Unternehmen selbst. „Vom Hut bis zu Schuhen stellen wir alles her. Es gibt Jacken, Westen, Kleider, Hosen, Gürtel.“ Meist arbeitet Wenzlaff nach Maß – Aufträge kommen über das Internet, ebenso liefert er in Geschäfte von Nobelhotels. Der Blauhals-Strauß habe etwas mehr Fleisch, die Haut sei für Möbelleder geeignet. „Sessel und Hocker kann man damit beziehen.“

Mehrere Hundert Strauße hält der Züchter auf seiner Farm. Sie haben Auslauf auf großen Flächen. „Es gibt Richtlinien in Deutschland, die wir einhalten müssen“, sagt Wenzlaff. Er habe an der Entwicklung dieser Richtlinien mitgearbeitet und sei auch als Berater für Behörden tätig, erzählt der Brandenburger. Naturschutz- und Gesundheitsämter seien bei der Straußenzucht involviert. „Jeder, der die Tiere halten will, muss eine Sachkundeprüfung ablegen.“

Informationen auf den Facebook-Seiten von Fredini Luxusmode oder Straussen Shop unter www.facebook.com .