Garnisonkirche

Ort der Versöhnung sorgt für Streit

Befürworter der Garnisonkirche ziehen ihre Lehren aus der Abstimmung

Am Tag nach der Abstimmung blieben die Gegner ihrer Linie unbeirrt treu. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens „Für ein Potsdam ohne Garnisonkirche“ forderten die Evangelische Kirche auf, den geplanten Wiederaufbau des Gotteshauses zu stoppen. Das Projekt sei politisch gescheitert, sagte Sprecher Simon Wohlfahrt. „Wie kann man einen Ort der Versöhnung schaffen wollen, gegen den es so viel Widerstand gibt?“

Zuvor hatte Potsdams Stadtverordnetenversammlung das Bürgerbegehren mit nur acht Stimmen bei großer Enthaltung angenommen – und so einen Bürgerentscheid verhindert. Es war eine taktische Wahl: Die sogenannte Rathaus-Kooperation aus SPD, CDU, Grünen, Potsdamer Demokraten und Freien Wählern unter Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) enthielt sich – obwohl sie eigentlich gegen das Bürgerbegehren war. Die Fraktion „Die Andere“ stimmte gegen ihr eigenes Projekt, um einen Bürgerentscheid zu ermöglichen. Nur die Linke, die die Kirchen-Gegner seit Langem unterstützt, blieb ihrer bisherigen Linie treu und stimmte für das Bürgerbegehren.

Das erfolgreiche Bürgerbegehren droht damit ins Leere zu laufen: Seine Forderung gilt als unrealistisch. Die weitere Marschroute ist klar: Jakobs muss, wie im Bürgerbegehren gefordert, prüfen, inwiefern alle rechtlichen Mittel genutzt werden können, um die Stiftung Garnisonkirche aufzulösen. „Der Ausgang der Abstimmung war nicht absehbar. Wir respektieren diese Entscheidung“, sagte Stiftungssprecherin Friederike Schuppan. Doch schon jetzt gibt es große Zweifel, ob eine Auflösung überhaupt möglich ist. „Das Kuratorium selbst müsste mit einer Dreiviertelmehrheit für die Auflösung stimmen“, so Schuppan. Dies sei nicht sehr wahrscheinlich. Dazu kommt: Die Stadt hat nur einen Sitz in dem elfköpfigen Gremium. „Rechtliche Zweifel gibt es ja“, sagte Jakobs. Er will den Hauptausschuss am 27. August über die Möglichkeiten einer Auflösung informieren

Die Gegner des Projekts sind derweil weiter überzeugt, dass die Kirche in Potsdam unerwünscht ist. Wohlfahrt bedauerte, dass es nicht zum Bürgervotum kommt. „Sie wollen die Bürger nicht beteiligen, weil sie vermuten, dass die Ablehnung sehr groß ist.“ Für das Bürgerbegehren hatte die Initiative 14.285 Stimmen gesammelt, was 10,7 Prozent der Potsdamer Bevölkerung entspricht. Lutz Boede, Fraktionsgeschäftsführer der linksalternativen Fraktion „Die Andere“ sprach von einem „schäbigen Trick“. Seiner Ansicht nach zeigt die Enthaltung der Rathaus-Kooperation, dass die Stadtverordneten keine Chance mehr sähen, bei den Potsdamern eine Mehrheit für das Projekt zu finden. „Das ist ein starkes Signal an die Spender“, so Boede. So sah es auch Wohlfahrt: Die deutlich gewordene Ablehnung halte potenzielle Spender ab, den Wiederaufbau der Kirche zu unterstützen. Damit sei ein wesentliches Ziel geschafft.

Davon geht die Stiftung nicht aus. Rund 100 Millionen Euro soll der Wiederaufbau kosten, für den Turm sind die Hälfte der nötigen 41 Millionen Euro bereits zusammen. „Wir wollen besser kommunizieren, was wir mit dem Wiederaufbau bezwecken“, sagte Schuppan. Das Ziel der Befürworter ist, aus der 1735 auf Befehl von Preußens Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. errichteten Kirche einen „Ort der Versöhnung zu machen“. Diese Botschaft soll den Potsdamern in Zukunft auch in Form von Flyern und Werbeanzeigen nähergebracht werden.

Jakobs kündigte unterdessen eine breitere Diskussion an: „Mir ist es besonders wichtig, dass wir in der Stadtgesellschaft die Diskussion über die Garnisonkirche noch einmal intensiv führen.“ Selbst eine Bürgerbefragung schloss er auf lange Sicht nicht aus. Stiftungsvorstand Peter Leinemann zeigte sich zum Dialog bereit: „Das haben wir bislang zu wenig gemacht“, räumte er ein. „Wir müssen die Potsdamer mitnehmen.“