Kriminalität

Mutmaßlicher Täter streitet sexuellen Missbrauch ab

Ermittler erwarten weit mehr Fälle als bislang bekannt

Die Ermittlungen wegen des mutmaßlichen Missbrauchs eines geistig behinderten Jungen laufen weiter sehr intensiv. Der 14-Jährige war vier Wochen lang vermisst worden und hatte sich während dieser Zeit ständig bei seinem mutmaßlichen Peiniger aufgehalten. Der festgenommene 52 Jahre alte Tatverdächtige habe in seinen Vernehmungen bislang jedoch jeglichen sexuellen Missbrauch bestritten, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Cottbus, Petra Hertwig, am Montag.

Darüber hinaus ist die Polizei im Zuge der Ermittlungen nach dem Verschwinden von Justin D. Ende Juni auf vier weitere Missbrauchsopfer des 52-Jährigen gestoßen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Cottbus sollen einige der Übergriffe bis ins Jahr 1994 zurückreichen. Wie berichtet, war Justin D. am Freitag vergangener Woche in der Wohnung des Verdächtigen an der Richard-Wagner-Straße entdeckt worden. Der Taxifahrer Thomas W. wurde festgenommen und befindet sich seit Sonnabend in Untersuchungshaft.

Die Strafverfolgungsbehörde wirft dem Mann allein 176 Taten des sexuellen Missbrauchs von Justin D. ohne Gewalteinwirkung seit dem vergangenen Jahr vor. Außerdem umfasst der Haftbeschluss die Kindesentziehung von Minderjährigen im besonders schweren Fall sowie weitere 24 Sexualstraftaten, die der 52-Jährige an einem zweiten Minderjährigen begangen haben soll. Dabei gehe es laut Hertwig um den Missbrauchs eines heute 19 Jahre alten Mannes, der mutmaßlich in drei Fällen unter Anwendung von Gewalt und in 21 Fällen ohne Gewalteinwirkung sexuell missbraucht wurde. Darüber hinaus laufen Ermittlungen, die sich auf drei andere Minderjährige beziehen. Auch am Montag fanden Befragungen von mindestens einem der Missbrauchsopfer statt.

Der Beschuldigte Thomas W. ist selbst Vater eines 13 Jahre alten Mädchens. Das Kind, der behinderte Justin D., sowie dessen Zwillingsbruder waren seit Langem Spielgefährten. Justin D. hielt sich nach Morgenpost-Informationen nahezu täglich in der Wohnung von Thomas W. auf, obwohl dessen Eltern ihm dies untersagt hatten. Während der Suche nach dem vermissten Jungen hatte sich Justin hinter Schränken versteckt – auch als Thomas W. von Polizisten befragt wurde.