Tiere

Familie Kaubisch lebt Tür an Tür mit 100 Fledermäusen

Tiere belegen Dachboden des Hauses in Südbrandenburg

Es gibt Momente, in denen sich Anne Kaubisch in ihrem eigenen Haus gruselt – wenn sie die kleine Holzluke zum Dachboden öffnet. Sie kann nicht abschätzen, was dann passiert. Die Apothekerin und ihre beiden Kinder leben mit rund 100 Fledermäusen unter einem Dach. Die Tiere kommen jedes Jahr im Frühjahr in das Haus in Großkmehlen (Oberspreewald-Lausitz) zur Aufzucht ihres Nachwuchses.

Vor einigen Tagen hatte Kaubisch wieder einen dieser Gruselmomente. Als sie den Tierkot vom Dachboden entfernen wollte, kam ihr beim Öffnen der Luke eine Fledermaus entgegen. „Ich bin ganz schnell von der Leiter gesprungen, runtergerannt, hab alle Fenster geöffnet und mich auf die Terrasse gesetzt – und ganz lange gewartet.“ Vor sieben Jahren waren die Kaubischs aufs Land gezogen – ohne zu ahnen, dass sie jedes Jahr etwa ab April eine Menge Untermieter bekommen würden. „Wir dachten zunächst, dass abends jemand da oben rumläuft – oder dass es ein Waschbär ist“, sagt Kaubisch. Wenn es abends in dem kleinen Ort nahe der Grenze zu Sachsen ruhig wird, drehen die Fledermäuse auf: „Sie fiepen, kratzen und flattern.“

Einige Fledermausarten, wie etwa die Breitflügelfledermäuse der Kaubischs, kommen zur Aufzucht ihrer Jungen in Gebäude. Das Landesumweltamt bedauert, dass Fledermäusen wegen Hausdachsanierungen Lebensraum genommen wird. „Die renovierten Dächer sind dann für die Tiere hermetisch abgeriegelt“, sagt Diplom-Biologe Jens Teubner vom Landesumweltamt. Die Artenschutzexpertin des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), Christiane Schröder sieht aber auch Fortschritte. Es gebe nach und nach mehr Sensibilität bei Architekturbüros und Wohnungsbaugesellschaften. Auf Fledermäuse werde bei der Sanierung stärker Rücksicht genommen. Anne Kaubisch ist ein Beispiel. Sie hätte bei einer Dachrenovierung riskiert, dass die Fledermäuse nicht mehr wiederkommen, berichtet sie. Deshalb habe sie sich dagegen entschieden. Dafür ist die 38-Jährige kürzlich ausgezeichnet worden – mit der Plakette „Wir geben der Fledermaus ein Haus“.

Nach Angaben des Landesumweltamts erholen sich einige der 18 in Brandenburg vorkommenden Fledermausarten langsam wieder. Das Nabu-Fledermausmuseum Julianenhof im Naturpark Märkische Schweiz meldete für Juni 808 Tiere auf Dachböden, 2006 seien es nur 238 gewesen. Dass im Haus über viele Wochen im Jahr Halligalli angesagt ist, hat für Anne Kaubisch auch eine praktische Seite: „Der Fledermauskot ist ein super Dünger für meinen Garten.“