Dauerausstellung

Zurück im Marstall

Schlösserdirektor übergibt die Schlüssel für das Filmmuseum. Eröffnung ist im Oktober

Das Filmmuseum Potsdam kehrt nach fast eineinhalb Jahren in den Marstall des ehemaligen Stadtschlosses an der Breiten Straße zurück. Der Chef der „Stiftung Preußische Schlösser und Gärten“, Hartmut Dorgerloh, hat am Donnerstag den Schlüssel an Heide Naderer, Kanzlerin der „Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf“ übergeben. Die bisherige Hochschule betreibt das Museum seit 2011. „Die Sanierungsarbeiten sind abgeschlossen“, sagte Dorgerloh. „Das Haus kann von heute an in neuer Form wieder betriebsfähig gemacht werden.“ Für die Besucher ist das Filmmuseum allerdings erst ab 25. Oktober geöffnet. Das nach der Sanierung von 70 auf 130 Quadratmeter erweiterte Café macht noch ein halbes Jahr später auf. Der Vertrag mit einem neuen Pächter ist laut Stiftung aber unterschrieben.

Die Bauarbeiten dauerten länger als erwartet – und kosteten auch mehr als ursprünglich geplant. „Es ist ein historischer Bau, da gibt es immer wieder Überraschungen“, sagte Schlösserchef Dorgerloh. Die Wiedereröffnung des Museums verschob sich mehrmals, um etwa acht Monate. Statt der zunächst geplanten 1,5 Millionen Euro steckte die Schlösserstiftung rund 2,5 Millionen Euro in die Sanierung. „Das Geld stammt aus dem Masterplan des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg zur Rettung der bedeutenden Denkmäler der Schlösserlandschaft“, sagte Dorgerloh.

Massive Brandschutz-Mängel

Die Sanierung des einst königlichen Marstalls war notwendig geworden, weil der Brandschutz nicht den Anforderungen entsprach. Die Ordnungsbehörden drohten bereits mit der Schließung. „Es wurden massive Defizite beim Brandschutz festgestellt“, sagte Dorgerloh. Nicht nur die Brandmeldeanlage, auch die Sicherheitsbeleuchtung sowie die Blitzschutz- und Entrauchungsanlagen sind nun erneuert. Im Kinosaal wurde die textile Wandverkleidung durch schwer entflammbares Material ersetzt. Die hölzernen Wandpaneele erhielten einen Brandschutzanstrich. Nach Beginn der Bauarbeiten traten laut Dorgerloh „nicht vorhersehbare weitere Baumängel zu Tage.“ So bestanden alle verlegten Grundleitungen aus einem nicht zugelassenen Material. „Bei den Arbeiten im Dachgeschoss stellte sich heraus, dass der gesamte Dachstuhl stark mit dem Insektenvernichtungsmittel DDT belastet war. Eine krebserregende Substanz“, schilderte der Potsdamer Architekt Dirk Bopst eine weitere unangenehme Überraschung. In das Haus wurde eine moderne Wärmerückgewinnungsanlage eingebaut, die Wärmedämmung verbessert. Erstmals ist das Gebäude auch barrierefrei – über einen Zugang von der Schlossstraße.

Die meisten Neuerungen sind im Foyer sichtbar: In strahlendem Weiß empfängt es den Besucher. Das Glasdach über dem Eingangsbereich ist komplett erneuert. Bei einem Sturm hatte es durch das alte Dach ins Foyer geregnet. Um die Umgestaltung gibt es Streit mit dem Berliner Architekten Georg Kohlmaier. Unter ihm war 1993 das älteste Gebäude Potsdams umgebaut worden. Kohlmaier wirft der Stiftung vor, mit den jüngsten Eingriffen das Urheberrecht verletzt zu haben. Denn prägende gestalterische Elemente wie das Decken-Oval und die Glaswand am Eingang seien verschwunden. Schlösserdirektor Dorgerloh verteidigt die Veränderungen: „Die Umbauten waren aufgrund der Brandschutzmängel dringend notwendig.“ Die bislang vorhandene Glaswand habe nicht die Brandschutzanforderungen erfüllt. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und im Museum ein frisches Konzept umgesetzt“, sagte Architekt Dirk Bopst. „Der Eingangsbereich war zu unruhig gestaltet.“

Die während der Sanierung eingelagerten Ausstellungsstücke kehren ab Anfang August nach und nach aus dem Depot an der Pappelallee zurück. Dazu gehört auch das berühmte Bett von Paul und Paula aus einem der erfolgreichsten Defa-Spielfilme.

Neue Familienausstellung

Das aufgefrischte Museum wird im Oktober mit der Ausstellung „60 Jahre Filmhochschule Konrad Wolf“ eröffnen, gab Museumssprecherin Christine Handke bekannt. Außerdem zieht die ständige Ausstellung „Traumfabrik. 100 Jahre Film in Babelsberg“ ein. Zudem gibt es eine neue Familienausstellung. „Die Abenteuer des jungen Marco Polo“ knüpft an die TV-Serie an. Mit dem Neubeginn soll auch eine Retrospektive zur Geschichte des 3-D-Films starten. Denn das alte Kino im Filmmuseum ist nun mit neuester 3-D-Projektionstechnik ausgestattet.