Kriminalität

Autohäuser im Visier

Polizei registriert 600 Diebstähle im Jahr. Betroffen sind Potsdam und Ostbrandenburg

Brandenburgs Polizei schlägt Alarm: Immer häufiger geraten Autohändler in der Region offenbar in den Fokus organisierter Banden. Nach Angaben von Polizeisprecher Rudi Sonntag wurden im vergangenen Jahr 600 Diebstähle aus Autohäusern gemeldet. Regionale Schwerpunkte seien Schwedt und Prenzlau in der Uckermark sowie Potsdam, Oranienburg, Eisenhüttenstadt und Händler im Landkreis Spree-Neiße. Gestohlen würden Reifen, hochwertige Radkappen aber auch Neuwagen gleich mit Papieren. Zudem hätten es die Diebe auf Sommerreifen und Airbags abgesehen. Für einige der betroffenen Geschäftsleute bedeuten die Diebstähle ein finanzielles Fiasko.

Gemessen an den landesweit etwa 83.000 Diebstählen haben die Fälle in Autohäusern mit 0,7 Prozent zwar nur einen geringen Anteil. „Doch einige werden dadurch massiv in der Existenz bedroht“, sagte der Präsident des Kraftfahrtzeuggewerbes Berlin-Brandenburg, Hans-Peter Lange. „Zehn Einbrüche von Dieben in einem Jahr sind kein Einzelfall“, sagte er.

„Für die Sicherung ihrer Geschäfte sind zunächst die jeweiligen Betreiber verantwortlich“, so Sonntag. „Kompletten Schutz kann es aber nicht geben“, sagte Verbandspräsident Lange. „Es ist auch immer eine Frage des Geldes.“ Zudem stiegen Beiträge für Versicherungen, wenn es ein Risiko gebe. Wer es sich leisten könne, installiere eine Videoanlage oder organisiere Wachschutz.

Häufig verschwinden Kennzeichen, Airbags, Navigationssysteme, Radios und Spiegel. Mit zuvor aus den Büros gestohlenen Originalschlüsseln und Fahrzeugpapieren werden dann aber auch die Autos gleich vom Hof gefahren. „Oft wird direkt auf Bestellung gestohlen“, so Experte Lange. Auf der Hitliste ganz oben stünden jedoch Reifen und Räder. „Einem Kollegen wurde im Herbst ein Container mit Winterreifen aufgebrochen“, sagte er. Derzeit sei das Interesse an Sommerreifen größer.

Festnahmen in der Grenzregion

In der Uckermark sind seit März zusätzlich vier Zivilfahnder im Kampf gegen grenzüberschreitende Kriminalität im Einsatz. Sie beraten nach Polizeiangaben Autohäuser und andere Betriebe. Zudem wurden die Polizeikontrollen in Grenznähe verstärkt.

Immer wieder werden gestohlene Fahrzeuge gestoppt, Diebe oder Kuriere festgenommen. Im März etwa entdeckte die Polizei auf einem Supermarktparkplatz in Gartz einen in Hamburg gestohlenen Kleintransporter, in dem sich Motorräder und Fahrräder befanden. Drei Tatverdächtige wurden festgenommen. Im Juni kontrollierten Fahnder in Angermünde einen Wagen, der erst in der Nacht zuvor gestohlen worden war.

Die Aufklärungsrate liegt bei 15 Prozent. Den Angaben zufolge geht die Hälfte der Diebstähle auf das Konto ausländischer Täter. Ein aufgeklärter Fall bedeute nicht zwangsläufig, dass auch das Diebesgut wiederentdeckt werde, so Polizeisprecher Sonntag. Ein Teil der gestohlenen Fahrzeuge lande in Osteuropa und werde dort weiter veräußert.

Generell ist die Zahl der Autodiebstähle in Brandenburg zurückgegangen. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 1696 Wagen gestohlen, wie das Innenministerium mitteilte. Im Vergleichszeitraum 2013 seien es 1896 gewesen. Das entspricht einem Rückgang von rund zehn Prozent. 349 Tatverdächtige wurden festgenommen – so viele wie im ersten Halbjahr 2013. Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) betonte, dass es sich bei den Zahlen um eine Momentaufnahme handele und keine Prognose für das Gesamtjahr abgegeben werden könne. Im gesamten Jahr 2013 hatte es 3522 Autodiebstähle gegeben.

Anders als im Umland sind Einbrüche in Autohäuser in Berlin kein besonderes Problem. Hier sehen sich die Händler eher einer politisch motivierten Zerstörungswut ausgesetzt. Dabei entstanden in der Vergangenheit erhebliche Schäden, sowohl an den ausgestellten Fahrzeugen wie auch an den Gebäuden. Erst vor einer Woche wurden innerhalb weniger Stunden Autohäuser an der Ollenhauerstraße in Tegel und an der Blankenburger Straße in Niederschönhausen angegriffen. Demoliert wurden große Glasscheiben der Ausstellungsräume und mehrere Fahrzeuge. In der Vergangenheit traf es Autohäuser in Weißensee, Niederschöneweide, Neukölln, Friedrichshain, Kreuzberg und Schöneberg. Allein bei einer Attacke auf einen Händler in Alt-Hohenschönhausen wurden 13 Fahrzeuge schwer beschädigt und zum Teil vollständig zerstört. In nahezu allen Fällen ermittelt der Staatsschutz.