Justiz

„Maskenmann“-Prozess: Zeuge erkennt Angeklagten wieder

Nebenklage wehrt sich gegen Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Entführungsopfer Stefan T.

Gelangt man trockenen Fußes und unverletzt durch ein unwegsames Sumpfgelände sowie über einen rutschigen Knüppeldamm zurück in die Zivilisation? Mit dieser Frage muss sich derzeit das Frankfurter Landgericht im „Maskenmann“-Prozess auseinandersetzen. Das mutmaßliche Entführungsopfer Stefan T. hatte so seinen Weg am 7. Oktober 2012 von einer Insel im Storkower See beschrieben, auf der er sich zuvor zwei Tage lang in der Gewalt des „Maskenmanns“ befunden haben soll.

Unglaublich und abenteuerlich klang die angeblich so ausgegangene Flucht bereits, als der 53-jährige Berliner diese vor Gericht schilderte. Doch Gerichtsmediziner Harald Voß ließ zu Wochenbeginn erhebliche Zweifel an dessen Version aufkommen. Nach Analyse des Gutachters, der mit dem vermeintlichen Entführungsopfer allerdings erst drei Monate nach dem Vorfall sprechen konnte, hätte T. Verletzungen sowie Anzeichen schwerster Unterkühlungen aufweisen müssen. Derartige Symptome wurden von einem Notarzt, der bereits vor Gericht als Zeuge aussagte, am 7. Oktober 2012 jedoch nicht festgestellt. Fazit von Gutachter Voß: „Es gibt nur geringe Anzeichen für den von T. geschilderten Tatablauf.“

Die Nebenklage übte am Donnerstag scharfe Kritik an dieser Auffassung. Der Gutachter habe falsche Tatsachen zugrunde gelegt, andere Faktoren unberücksichtigt gelassen und offensichtliche Widersprüche in seiner Expertise nicht aufgeklärt, hieß es in Erklärungen der Anwälte von Unternehmergattin Petra P. und dem mutmaßlichen Entführungsopfer Stefan T. Das Gutachten sei „zweifelhaft“ und „fragwürdig“, urteilten sie.

Die Bedingungen auf der Flucht sind ein Streitpunkt in dem Indizien-Prozess. Richter Matthias Fuchs beauftragte die Kriminalpolizei nunmehr mit der Erstellung eines Videodokuments zur Beschaffenheit des angeblichen Fluchtwegs von T., der am Morgen des 7. Oktober schließlich bei einem Ehepaar in Wendisch Rietz geklingelt und um Hilfe gebeten hatte. Fuchs erwägt zudem einen Ortstermin für alle Prozessbeteiligten. Der Angeklagte Mario K., dem vorgeworfen wird, 2011 zwei Überfälle auf die Unternehmerfamilie P. in Bad Saarow verübt und ein Jahr später den Investmentmanager T. entführt zu haben, überraschte am Donnerstag mit einem völlig neuen Erscheinungsbild. Statt des dunklen Vollbarts, den der 46-Jährige bisher trug, erschien er erstmals im Gesicht komplett rasiert. Er wirkte dadurch deutlich jünger und weniger unheimlich.

Trotz oder möglicherweise auch wegen dieser optischen Veränderung will ihn jetzt ein Zeuge wiedererkannt haben. Monate vor der angeblichen Entführung von T. hatte Heinz K. aus Rauen bei einem Spaziergang am Springsee in der Nähe von Storkow zunächst das bunte Kunststoff-Kanu im Schilf bemerkt. Mit diesem Boot soll er Entführungsopfer T. über den Storkower See gebracht haben. Auf einem Campingplatz am Springsee will Zeuge K. zudem einem dunkelhaarigen, sportlichen Mann mit Fahrrad begegnet sein. „Der sah aus wie der Angeklagte“, sagte der 76-Jährige. Der Prozess wird am Montag mit weiteren Zeugen fortgesetzt.