Museen

Raum für Kunst

In einer Gewerbehalle gibt es einen ersten Einblick ins künftige Museum Barberini

Ein Bernhard Heisig hängt schon an der grau gestrichenen Wand. Auch ein Hartwig Ebersbach und ein Harald Metzkes. „Das Licht ist noch nicht perfekt eingestellt“, sagt Peter Joch, „die Alarmanlage funktioniert aber schon.“ Als er sich einem Bild nähert, ertönt das Warnsignal. Der Gründungsdirektor der künftigen, von Software-Milliardär Hasso Plattner gestifteten Kunsthalle in Potsdam ist sichtlich zufrieden mit dem Gang der Dinge. „Alles läuft bislang nach Plan.“ Der Plan ist, dass sich das neue Kunstmuseum in Potsdam mit den berühmten großen Häusern in aller Welt messen kann.

17 Ausstellungsräume geplant

Allerdings gibt es die Kunsthalle im Palais Barberini noch gar nicht. Bislang ist nur die Baugrube ausgehoben, bald wird das Fundament gelegt. Der nach historischem Vorbild geplante Bau an der Alten Fahrt in Potsdams historischer Mitte soll frühestens Ende 2016 fertiggestellt sein. Im Frühjahr 2017 könnte Eröffnung gefeiert werden. In Wirklichkeit steht Peter Joch an diesem Donnerstag im Juni 2014 in einer Gewerbehalle, versteckt in einem Stahnsdorfer Hinterhof. „Wir haben einen der 17 Ausstellungsräume des Museums eins zu eins als Kulisse aufgebaut“, sagt Joch. Nicht nur zu Demonstrationszwecken. „Es wird hier der Gesamteindruck überprüft und das komplexe Licht- und Alarmsystem getestet.“ Die Bilder an den Wänden des zehn mal zehn Meter großen und viereinhalb Meter hohen Raums sind nur Kopien, dafür ist das Eichenparkett echt. Drei Monate soll die Kulisse in Stahnsdorf stehen bleiben. In Potsdam gehen indessen die Bauarbeiten weiter. Im Sommer wird mit dem Rohbau begonnen, Anfang 2015 folgt der Innenausbau, die Fassaden werden danach errichtet.

Das von Hasso Plattner gestiftete Museum Barberini wird durch seine Lage am Alten Markt buchstäblich mittendrin sein“, betont Peter Joch. „Diese Rolle soll das Haus auch im kulturellen Leben der Landeshauptstadt Potsdam spielen.“ Monatelang hat der frühere Direktor der Kunsthalle Darmstadt an dem künstlerischen Konzept gefeilt. Das Museum Barberini wird die Sammlung ostdeutscher Kunst Hasso Plattners beherbergen und sich verschiedenen Kunstepochen widmen. So sollen zum Beispiel Querschnitte hochkarätiger privater und musealer Sammlungen aus der ganzen Welt präsentiert werden. „Wir werden aufsehenerregende berühmte Wegbereiter der Kunst zeigen, aber auch eine Fülle von spannenden Neuentdeckungen“, kündigt Joch an. Herausragende Kunstwerke aus Museen in aller Welt würden für Sonderschauen geholt. „Ich bin derzeit mit mehreren Häusern im Gespräch.“ Das Museum werde mit Sammlern aus Europa, Russland und Asien zusammenarbeiten. „Vorgesehen ist nach den derzeitigen Plänen keine Dauerausstellung“, sagt Joch. Die Werke aus der Hasso-Plattner-Sammlung sollen je nach Thema in die drei- bis viermal im Jahr wechselnden Ausstellungen eingefügt werden.

Der „Spielplan“ werde vielfältig sein und mit Überraschungen aufwarten. „Damit versuchen wir möglichst viele Bevölkerungsgruppen als Besucher zu gewinnen. Starten soll das Museum mit kunsthistorischen Entdeckungsreisen durch die Epochen. Aller Wahrscheinlichkeit wird die Premiere im Museum Barberini den Impressionismus als künstlerische Weltsprache präsentieren“, so Joch. Sie wird der Frage gewidmet sein, wie die Stilrichtung in verschiedenen Ländern umgesetzt wurde. Neben Stars wie Pierre-Auguste Renoir, Claude Monet oder Max Liebermann würden auch weniger populäre Künstler aus verschiedenen Kulturkreisen gezeigt. „Die Impressionisten-Ausstellung steht für unsere zentrale Leitidee, die Aktualität von Kunst der Vergangenheit herauszuarbeiten. Umgekehrt wollen wir Erfahrungen der Gegenwart nutzen, um die Künstler der Historie zu verstehen.“ Die Impressionisten sind für Peter Joch die „ersten dezidierten Vertreter globalen Denkens“. Sie untersuchten die Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung schlechthin. Regelmäßig sollen im Museum auch Schülerworkshops stattfinden. In dem Veranstaltungsraum mit 199 Plätzen sind Vorträge zu den Themenausstellungen geplant. Mit 2200 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf drei Etagen wird das Museum Barberini doppelt so groß sein wie die Neue Nationalgalerie in Berlin.

Keine öffentliche Förderung

„Das Palais Barberini wird außen möglichst originalgetreu wieder aufgebaut, innen aber modern gestaltet“, sagt Willy Athenstädt, der den Bauherrn vertritt. Der Berliner Investor Abris Lelbach ist inzwischen als Projektentwickler und Geschäftsführer der Museum Barberini gGmbH ausgeschieden. Alleiniger Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft ist jetzt Rouven Westphal. „Das Museum bekommt keinerlei öffentliche Zuschüsse“, betont die kaufmännische Leiterin Anja Lange. „Es wird allein von der Hasso Plattner-Förderstiftung gGmbH getragen.“

Das barrierefreie Museum wird auch einen Museumsshop und ein Café mit 50 Plätzen haben. Der Potsdam-Liebhaber Hasso Plattner wollte die Kunsthalle ursprünglich an der Stelle des 17-stöckigen „Mercure“ errichten. Doch es gab massiven Widerstand gegen den Abriss des Hotels.