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„Ort des Glücks“ am Scharmützelsee

In Bad Saarow entsteht ein buddhistisches Wohnprojekt. Kranke und Menschen in Lebenskrisen sollendort Ruhe finden

Vor einer Baugrube am Ufer des Scharmützelsees steht ein buddhistischer Gelehrter. Sogyal Rinpoche murmelt Gebete in fremder Sprache und schlägt dazu immer wieder eine kleine Glocke. Anschließend streut er gesegneten Reis in eine hölzerne Kiste mit tibetischen Schatzvasen. Sie enthalten heilige Schriften und Reliquien, die das umliegende Bauland befrieden sollen. Denn die hölzerne Kiste, die anschließend in der Baugrube versenkt wird, ist der Grundstein für das deutschlandweit erste „Spiritual Care Center“, ein buddhistisches Wohnprojekt in Bad Saarow.

Das Projekt besteht aus drei Säulen – der Betreuung und Pflege schwerstkranker Menschen bis zum Tod, der buddhistischen Lebensweise in acht Gästezimmern für Menschen in Lebenskrisen, die etwa unter Burnout leiden oder einen geliebten Menschen verloren haben, sowie der Fortbildung für medizinisches Personal. Sogyal Rinpoche, nach eigenen Angaben ein Schüler des Dalai Lama, gilt als geistiger Vater des sechs Millionen Euro teuren, aus Spenden finanzierten Modellprojektes, das nicht überzeugen oder belehren will, sondern nur Unterstützung anbietet. „Jeder Mensch, der älter wird oder krank ist, sollte die bestmögliche Versorgung bekommen – auf allen Ebenen“, sagt Rinpoche. Für diesen Ansatz wird er weltweit verehrt.

Nicht nur das Leben, sondern auch den Tod sollten die Menschen mit offenen Armen empfangen, empfiehlt er bei der Grundsteinlegung. 1992 schrieb Rinpoche den spirituellen Klassiker „Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“, der in 32 Sprachen übersetzt, rund drei Millionen Mal verkauft wurde und der auch von Pflegepersonal und Ärzten genutzt wird.

Keine Missionare

„Sukhavati“ nennt sich das buddhistische Wohnprojekt in Bad Saarow, der indische Name bedeutet „Ort des Wohlbefindens, der Zufriedenheit sowie des Glücks“ und ist auch so gemeint. Unterstützt wird der Gelehrte von der Tertön Sogyal Stiftung, die in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA aktiv und Träger des Modellprojektes am Scharmützelsee ist. Angesichts dieser hohen Verehrung für Rinpoche verwundert es nicht, dass es für sein „Sukhavati“ in Bad Saarow bereits die ersten Interessenten gibt. „Wir sind keine Missionare, vermitteln Geduld, Toleranz, Liebe und Mitgefühl auch an Menschen, die an nichts glauben“, sagt Ärztin Almut Göppert, die das „Spiritual Care Center“ leiten wird, wenn es im Herbst nächsten Jahres eröffnet. 30 buddhistische Mitarbeiter werden sich dann um Bewohner und zeitweilige Gäste kümmern. Die Kosten werden laut Göppelt nach dem Solidarprinzip berechnet – jeder zahlt angepasst an seine finanziellen Verhältnisse. „Für finanziell Minderbemittelte kommt das Sozialamt anteilig auf. Die Patienten und Gäste wohnen bei uns zur Miete, Kranken- und Pflegekassen übernehmen die Kosten je nach Pflegestufe“, sagt die gebürtige Münchnerin. Für Meditation und Ruhephasen gibt es Andachts- und Gebetsräume, zudem einen barrierefreien Steg am Scharmützelsee. Einheimischen werden Vorträge und Meditationskurse angeboten, Medizinern und Pflegepersonal aus der Nachbarschaft Fortbildungen. Denn das künftige spirituelle Zentrum liegt direkt zwischen der Saarow-Therme und dem Helios Klinikum – dem medizinischen Komplex mit Patienten aus ganz Deutschland.

Insofern, sagt Göppert, sei der Standort für „Sukhavati“ nicht zufällig gewählt. „Wir erhielten im Jahr 2008 eine großzügige Spende aus Deutschland, mit der Auflage, so ein Zentrum einzurichten“, erzählt sie. Nahe Berlin sollte es liegen und am Wasser, das nach buddhistischen Lehren den Geist anregt und zur Heilung bringt. Anderthalb Jahre lang haben Göppert und ihre Mitstreiter rings um Berlin gesucht, um schließlich an Deutschlands beliebtestem See fündig zu werden. Ein Glücksumstand, denn Grundstücke direkt am Scharmützelsee sind heiß begehrt. Das Bundesvermögensamt verkaufte der Stiftung das 8000 Quadratmeter große Seegrundstück in bester Lage.

Bauplatz am Wasser

Zu DDR-Zeiten befand sich dort der Club der NVA-Angehörigen, die im benachbarten Militärlazarett – dem heutigen Helios-Klinikum – arbeiteten. Nach dem Fall der Mauer stand das Gebäude lange leer, bis es die Stiftung schließlich abreißen ließ. Nun entsteht ein neuer Niedrigenergiehaus-Komplex mit 3500 Quadratmetern Nutzfläche nach den Entwürfen von Karl Hufnagel. Der Berliner Architekt hat bereits das Gebäude der Saarow-Therme geplant. „Ein wunderbarer Bauplatz, wir nutzen die natürlichen Ressourcen des Ortes“, schwärmt Hufnagel während der Grundsteinlegung. Die medizinische Infrastruktur sei für das Projekt sehr wichtig, so Göppert, der sich auf eine Kooperation mit dem Helios-Klinikum freut. Fortbildungsangebote im „Sukhavati“ zur Weisheit der tibetischen und buddhistischen Lehre würden seine Mitarbeiter gern nutzen, sagt der Bad Saarower Helios-Vizedirektor Stefan Koch. „Wir freuen uns über die Ergänzung hier im Ort – ebenso, was die Versorgungs- und Betreuungsangebote für Patienten, aber auch deren Angehörige betrifft.“

„Das Sukhavi wird ein Haus zum Leben und Sterben, das unseren Ort bereichert“, ist Bad Saarows neue Bürgermeisterin Anke Hirschmann überzeugt. Es passe zum Kurort mit seiner langen Gesundheitstradition, die 1911 begann. Anfangs habe es unter den Einwohnern durchaus Skepsis gegeben, auch Befürchtungen, hier könne eine Sekte einziehen, erinnert sie sich. „Aber die Stiftung hat diese Vorbehalte durch viele gut besuchte Infoveranstaltungen ausräumen können“, versichert Hirschmann. Das Projekt sei schon spannend und tatsächlich eine Bereicherung für die Region, meint auch Ellen Rußig, Chefin des Tourismusverbandes Seenland-Oder-Spree.