Stimmabgabe

Super-Wahltag wird zur Herausforderung

Die Brandenburger bestimmen am Sonntag auch Kreistage und Kommunalvertreter bis hin zu den Ortsbeiräten

Für die Brandenburger wird der Super-Wahltag am kommenden Sonntag zur Herausforderung: Sie haben nicht nur ein Kreuzchen auf den Wahlzettel zur Europawahl zu setzen. Am Sonntag werden in mehr als 400 Gemeinden und Städten die Gemeindevertretungen und Stadtverordnetenversammlungen sowie die Kreistage gewählt. So sind zudem jeweils drei Stimmen für die drei politischen Gremien und, je nach Wohnort, auch noch drei Kreuze für die Ortsbeiräte zu vergeben.

Jeder Wähler kann seine drei Stimmen einem einzigen Kandidaten geben, egal ob dieser auf der Liste einer Partei, politischen Vereinigung oder Wählergruppe steht oder als Einzelbewerber antritt. Dies nennt man kumulieren. Die drei Stimmen können aber auch auf verschiedene Kandidaten verteilt werden („panaschieren“).

Ob Parteien, Feuerwehr oder diverse Bündnisse - die Liste der zur Wahl stehenden Gruppierungen ist lang. In Hinzdorf in der Prignitz etwa gibt es fünf bis 75 Zentimeter lange Wahlzettel. Zur Wahl stehen fast so viele Namen wie der Ort Einwohner hat. In Kleinmachnow, südwestlich von Berlin, ist der Wahlzettel für die Kommunalwahl 65 mal 55 Zentimeter groß. Nur ein schwacher Trost, dass der Stimmzettel für die Europawahl mit 75 Zentimetern kürzer ist als im Jahr 2009. Landeswahlleiter Bruno Küpper sagt zu diesem Wahlmarathon: „Es wird nicht einfach, aber es ist machbar.“

Wahlzettel vorab anschauen

Er wählt selbst auch – in der Gemeinde Schwielowsee (Potsdam-Mittelmark). „Ich werde mit der Europawahl beginnen, dann zur Kreistagswahl übergehen und dann zur Gemeindevertretung“, sagt Küpper. Zum Schluss nehme er sich die Ortsteil-Wahl vor. Sein Vorschlag: „Die Wahlzettel nicht erst in der Wahlkabine abschauen, sie hängen in allen Wahllokalen aus. Dann kann ich mich schon darauf vorbereiten, wo ich meine Kreuzchen machen möchte.“ Der Vorschlag ist zugleich eine Bitte. Denn die Wahlleiter in den Kommunen befürchten dieses Mal offenbar ein Wahl-Chaos. „Mit den vorläufigen Ergebnissen der Kommunalwahl wird erst nach Mitternacht gerechnet“, sagt die Sprecherin des Landeswahlleiters, Bettina Cain. „Zuerst werden die Ergebnisse der Europawahl ausgezählt, danach erst kommt die Kommunalwahl dran.“

Neben den Mandatsträgern in den vier kreisfreien Städten Potsdam, Brandenburg/Havel, Cottbus und Frankfurt/Oder haben die Brandenburger in 265 Gemeinden auch noch ehrenamtliche Bürgermeister zu wählen. In fünf Orten fallen die Wahlen aus, weil sich kein Bewerber gefunden hat. Ein Kandidat starb. In Michendorf in Potsdam-Mittelmark und in der Gemeinde Heiligengrabe (Ostprignitz-Ruppin) mussten die Wahlen wegen einer Panne abgesagt werden. In beiden Kommunen fehlten Bewerber auf den Stimmzetteln. Die Kreistags- und Europawahlen finden aber statt. Die Michendorfer müssen nun dreimal abstimmen: Die Gemeindevertreter-Wahl soll am 6. Juli nachgeholt werden. In Heiligengrabe soll am Tag der Landtagswahl am 14. September gewählt werden.

An der Europawahl können dieses Mal 2,11 Millionen Brandenburger teilnehmen, darunter 14.000 EU-Bürger.

Über die kommunalen Vertreter dürfen rund 2,15 Brandenburger entscheiden, darunter erstmals 38.000 Jungwähler ab 16 Jahre. Mehr als 5600 Kandidaten treten für die 740 Sitze in den 14 Kreistagen und knapp 200 Plätzen in den vier Stadtverordnetenversammlungen an. Das sind laut Landeswahlleiter rund 1000 Kandidaten weniger als 2008.

SPD siegte 2008

Die SPD schickt mit 1059 Kandidaten die meisten ins Rennen, gefolgt von den Linken mit 779. Die CDU setzt auf 887 Kandidaten. In Potsdam ist die Union zudem eine Listenvereinigung CDU/Aktionsbündnis eingegangen. Die Grünen haben 429 Kandidaten und weitere für die Listenvereinigung Grüne/B90 & BI Stadtentwicklung in Frankfurt/Oder benannt. Die FDP tritt nicht in allen Wahlkreisen an, auch nicht die AfD und die Piraten. Die rechtsextreme NPD und die DSU stellten ebenfalls Bewerber auf.

Bei den Wahlen zu den Kreistagen und Stadtverordnetenversammlungen hatte die auch auf Landesebene führende SPD vor sechs Jahren mit 25,8 Prozent knapp gesiegt. Die CDU hingegen verlor ein Drittel ihrer Wähler. Sie landete mit 19,8 Prozent auf dem dritten Platz, weit hinter den Linken (24,7 Prozent). Die FDP holte 7,3 Prozent, die Bündnisgrünen kamen auf 4,6 Prozent.

Stimmabgabe im Wahllokal: Die Wahllokale sind am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Die Anschrift Ihres zuständigen Wahllokals befindet sich auf Ihrer Wahlbenachrichtigungskarte. Für die Stimmenabgabe im Wahllokal nehmen Sie bitte die Wahlbenachrichtigungskarte mit und halten Sie Ihren Personalausweis oder Reisepass bereit

Jeweils drei Stimmen: Nach der Prüfung Ihrer Wahlberechtigung erhalten Sie die amtlichen Stimmzettel und gehen zur Stimmabgabe in die Wahlkabine. Sie haben für die Wahl der Stadtverordneten (rosa Stimmzettel) und gegebenenfalls des Ortsbeirates (grüner Stimmzettel) jeweils drei Stimmen

Kumulieren und panaschieren: Jeder Wähler kann seine drei Stimmen einem einzigen Kandidaten geben, egal ob dieser auf der Liste einer Partei, politischen Vereinigung oder Wählergruppe steht oder als Einzelbewerber antritt. Dies nennt man kumulieren. Die drei Stimmen können aber auch auf verschiedene Kandidaten verteilt werden (panaschieren)