Ermittlungen

Ermittlungen: Per Dienstwagen ins Bordell

Untreue-Verdacht gegen Mitarbeiter des DRK

– Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt gegen zwei ehemalige Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Kreisverband Potsdam/Zauch-Belzig. Es besteht der Verdacht der Untreue. Im Detail sollen Spenden für die DRK-Rettungshundestaffel Havelland in einem Berliner Puff verprasst worden sein. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, Oberstaatsanwalt Christoph Lange, bestätigt nur, dass „zu Jahresbeginn eine Anzeige eingegangen ist. Es ist eine Anzeige von zwei Personen aus dem Verband heraus, nichts Anonymes“.

Im Visier der Ermittler sind der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, Wolfgang H., der zu Jahreswechsel aus gesundheitlichen Gründen den als Verein organisierten Verband verlassen hat, und der ehrenamtlich tätige Bereitschaftsleiter Dieter S., der im Februar seinen Rücktritt bekanntgab. Geschäftsführer Wolfgang H. soll S. gedeckt haben, so lautet der Vorwurf ehrenamtlicher Mitglieder.

Und nicht nur das. Angeblich soll Dieter S. Spenden in fünfstelliger Höhe veruntreut haben, mit dem Dienstwagen der Hundestaffel zu Kneipen-Touren aufgebrochen sein und bis nach Berlin gefahren, und sich in Charlottenburg in „Tinas Oase“ vergnügt haben. Herausgefunden haben das Mitglieder der Hundestaffel, indem sie ihrem Leiter S. auf seinen Abwegen folgten. „Ich habe davon erst nach S.s Rücktritt erfahren und wurde auch von der Anzeige überrascht“, sagt der DRK-Kreisverbands-Vorsitzende Peter Lehmann. Ihm war nur bekannt, dass es Querelen unter Mitgliedern der Hundestaffel gegeben habe. Lehmann hat nun schärfere Kontrollen der Fahrtenbücher angeordnet. Dabei wäre es aus Sicht eines Ermittlers egal, ob ein Angeklagter per Dienstfahrzeug seine Kinder in eine Kita bringt oder ein Bordell besucht. Entscheidend ist, was der Verein mit ihm zur Nutzung des Fahrzeugs vereinbart hat. Genau diese Regelungen müssen die Ermittler nun im DRK-Kreisverband und bei der Hundestaffel herausarbeiten. Durfte S. den Wagen gar nicht für private Zwecke einsetzen? Oder gab es trotz schriftlichen Ausschlusses eine Art interne Übung, etwa eine mündliche Vereinbarung, dass S. den Dienstbus nutzen darf? Was war konkret geregelt, was zusätzlich abgesprochen – all das seien Fragen, denen die Staatsanwaltschaft nachginge, so Lange.

Es wird also in zwei Komplexen ermittelt. Der erste ist die Nutzung des Geschäftsfahrzeugs für private Zwecke. Sollte dabei gegen Absprachen verstoßen worden sein, gilt es zu klären, welcher Vermögensnachteil dem Träger entstanden ist, etwa durch Abnutzung und Abrechnung von Kilometergeld. Zweitens geht es bei den Ermittlungen auch um die Frage, ob Spenden – für die die Hundestaffel zum Beispiel auf Facebook wirbt –, nicht für die Rettungshundestaffel verwendet, sondern zweckentfremdet wurden. Dabei müssen die Ermittler zum Beispiel herausfinden, ob von dem Geld nur Hunde gekauft werden durften oder ob zum Beispiel die Räume, in denen sich die Staffelführer treffen, ausgestattet werden duften. Sicher scheint aber schon jetzt: Für Freudenhäuser waren sie nicht gedacht.