Schifffahrt

Flusskreuzfahrten auf der Oder

Frankfurt (O.) will neue Touristen gewinnen und eine Marina für Sportboote bauen

Die Oder ist für ihre malerische, naturbelassene Flusslandschaft berühmt. Vor allem Touristen auf dem beliebten Oder-Neiße-Radwanderweg genießen die Stille, entdecken die wilde Natur und die vielen Tiere entlang der Oderufer. Vom Wasser aus haben jedoch nur wenige Gelegenheit, die Oderlandschaft zu erleben. Die Flusskreuzfahrten wurden von einer Reederei wieder eingestellt, weil die schwankenden Wasserstände keine regelmäßigen Touren zugelassen haben. Für Sportbootkapitäne ist die Oder noch unbekanntes, Respekt einflößendes Terrain – die starke Strömung, Stromschnellen und wandernde Sandbänke erfordern ein hohes nautisches Geschick.

Erst seit dem vergangenen Herbst sind wieder zwei Fahrgastschiffe zwischen dem polnischen Glogow im Süden und Küstrin im Norden auf 140 Oderkilometern unterwegs. Sie sind das Ergebnis des deutsch-polnischen EU-Projektes „Die Oder für Touristen 2014“ von zehn Anrainerkommunen. Frankfurts Beitrag soll eine Marina für Sportboote werden. Auf dem Gelände des sogenannten Winterhafens im Nordosten der Stadt sollen in diesem Jahr Wasserwanderer anlegen können. Ein 60 Meter langer Schwimmsteg für 20 Boote ist im April bereits installiert worden. Hinzu kommen Sanitäranlagen, Stromanschlüsse, Entsorgungsmöglichkeiten, eine Trinkwassertankstelle und ein Parkplatz für Caravans.

Betreiber bereits gefunden

Von diesen Plänen kündet ein großer Bauaufsteller am Ufer. Doch zunächst muss das Hafenbecken entschlammt werden, um auch in den Zeiten, in denen die Oder Niedrigwasser führt, befahrbar zu sein. Ein privater Betreiber für die Marina sei gefunden, sagt Jörg Friedemann von der Frankfurter Stadtverwaltung. Geplant ist außerdem eine Neugestaltung des seit Jahren brach liegenden Umfeldes und eine Modernisierung der Anlage zum Einsetzen von Booten.

„Die Frankfurter Oderpromenade endet ja vor dem Winterhafen. Wir werden die Zufahrt neu gestalten, Grünflächen neu anlegen und Altlasten beseitigen“, so Friedemann. Zum Frankfurter Projekt „Marina“ gehört auch ein Restaurantschiff, das allerdings nicht am Winterhafen, sondern an der Oder nahe dem Stadtzentrum am Holzmarkt vor Anker geht. Die Ausschreibung für den Bau dieses „deutsch-polnischen Traditionsschiffes“ läuft, ein Betreiber ist auch schon gefunden. „Wir planen touristisch mit unserer polnischen Partnerstadt Slubice, erstellen gerade ein neues grenzüberschreitendes Konzept, installieren unsere deutsch-polnische Tourismuszentrale bald direkt im Stadtzentrum“, sagt Frankfurts Oberbürgermeister Martin Wilke. Das Schiff soll unter anderem genutzt werden als deutsch-polnische Begegnungsstätte, beispielsweise zum Frankfurter Stadtfest.

Insgesamt knapp 2,3 Millionen Euro lässt sich die Oderstadt ihren Start in den Wassertourismus kosten – allein 85 Prozent der Summe sind Fördermittel der Europäischen Union. Veranschlagt waren laut den Vorplanungen ursprünglich 1,8 Millionen Euro. „Nach den Ausschreibungen ergaben sich allerdings höhere Ausgaben, hinzu kamen Umweltschutzauflagen sowie Vorgaben, was die Beseitigung der Kontaminierung des Winterhafens betrifft“, sagt der Oberbürgermeister.

Nach Ansicht Wilkes ist die touristische Erschließung der Oder jetzt „an der Zeit“. Dass seit dem EU-Beitritt Polens und dem Wegfall der Oder als Grenzgewässer bereits sieben Jahre vergangenen sind, sei normal. „Das war ein Prozess und nun bemerken wir ein größeres touristisches Interesse, weil Bootstouristen die Berliner und Brandenburger Gewässer mit ihrer gut ausgebauten Infrastruktur nun zur Genüge kennen und neue Ziele suchen“, glaubt er. Die Anrainerkommunen müssten nun reagieren, Angebot schaffen, damit auch eine Nachfrage entstehe. Immerhin wird die Oder im Brandenburger Landesentwicklungsplan als einer von sechs touristischen Hauptwasserwanderwegen genannt.

Bestärkt wird Frankfurt in seinen Plänen durch ein Gutachten für ein wassertouristisches Entwicklungs- und Vermarktungskonzept, das der Oder durchaus Potenziale bescheinigt. Mit einer rasanten Zunahme des Sportbootverkehrs auf dem ehemaligen Grenzfluss rechnen die Gutachter allerdings nicht.