Kirche

Gottvater im neuen Goldgewand

Hölzerne Figuren in der Pfarrkirche „Zum heiligen Kreuz“ in Neuzelle werden restauriert

Normalerweise hängt die hölzerne Figurengruppe in neun Metern Höhe über dem Altar in der Neuzeller Pfarrkirche „Zum heiligen Kreuz“. Aktuell wird das zur ehemaligen Zisterzienser-Klosteranlage gehörende Gotteshaus umfassend restauriert. In diesem Zusammenhang bekommen auch der lebensgroße Gottvater, die drei Putten, mehrere Engelsköpfe und Wolken eine Schönheitskur. „Die Schnitzerei stammt aus der Entstehungszeit der Kirche um 1740. Die Figuren wurden noch nie restauriert und drohten jetzt, einfach herunterzufallen“, erklärt Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung, in deren Werkstatt die Holzteile seit Wochen behandelt werden, damit sie pünktlich zu Pfingsten wieder an ihrem angestammten Platz hängen.

Zunächst musste der Staub von Jahrhunderten beseitigt werden. Anschließend ging es an den Ersatz von Holz, wo Würmer ganze Arbeit geleistet hatten. Mehrere Zehen mussten beispielsweise ergänzt werden. Mürbe gewordenes Holz wurde in Kunstharz getränkt. Wo Risse entstanden, wurde Ersatzholz eingeleibt. „Der Holzwurm ist glücklicherweise nicht mehr aktiv.“ Dessen einzelne Löcher zu stopfen sei sehr aufwendig, sagt Schmidt-Breitung. Watte und Holzkitt werden mit einer Art Schaschlikstab verfüllt.

Zu guter Letzt soll das goldene Gewand des Gottvaters seinen Glanz zurückbekommen. „Dazu bringen wir hauchdünnes Blattgold auf die entsprechenden Stellen, bügeln es quasi mit einem Heizspachtel fest“, sagt Schmidt-Breitung, die einen Stab von Restauratoren leitet. „Eine sehr aufwendige Prozedur.“ Aus Linde geschnitzt wurden die teilweise massiven, teils auch hohlen Figuren ihren Angaben nach in der barocken Bildhauerwerkstatt der Neuzeller Familie Hennevogel, die aus Böhmen eingewandert war. „Sie sind einfach und naturgetreu gefertigt“, so die Restauratorin. Normalerweise machten sich Gläubige zu jener Zeit kein Bild von Gott. „Hier aber ist er als Weltenrichter sehr menschlich dargestellt – mit Zepter und Weltkugel“, erläutert sie.

So wie der obere Abschluss soll der komplette Altar bis zum Jahr 2016 restauriert werden. „Das ist hier das Muster für das Gesamtkunstwerk, zu dem neben zwei lebensgroßen Leidensengeln auch der gekreuzigte Jesus, Johannes, Maria, der heilige Bernhard, ein Bischof und Maria Magdalena gehören“, sagt die Restauratorin. Und alle diese Figuren haben Wurmstiche, Risse und kaum noch Farbe. Die seit dem Jahr 2012 andauernden Arbeiten an der Kreuzkirche – einem Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung – sind inzwischen deutlich sichtbar. Der Sakralbau ist mit der Kuppel und neuer Bekrönung sowie dank frischer Fassade und neuem Kupferdach ein Blickfang.

Die Apostel strahlen

Ihre besondere Schönheit offenbart die evangelische Pfarrkirche erst in ihrem Inneren. Nach dem Vorbild der Jesuitenkirche in Rom ab 1728 erbaut, besticht sie vor allem durch die charakteristische Kuppel über dem Chorraum, die von innen mit einem dekorativen Fresko verziert ist. Der Erzengel Michael und die Apostel strahlen, nachdem fünf Restauratoren das Kunstwerk reinigten, ausbesserten und neu konservierten. Auch der Altarraum ist fertig, das Langhaus zumindest bereits eingerüstet. Die beiden markanten Doppeltürme warten mit schmutzig grauen Fassaden noch auf ihre Schönheitskur. Noch keine Lösung gibt es für die Sonnenorgel auf der Westempore. Fachleute halten eine Restaurierung des mehrfach umgebauten Instruments für wenig sinnvoll. Ein Neubau würde rund 300.000 Euro kosten, Geld das derzeit nicht zur Verfügung steht. Die evangelische Kirche, stets als kleine Schwester der barocken Klosterkirche von Neuzelle bezeichnet, ist eine von vier Großbaustellen auf dem Gelände, das jährlich rund 100.000 Besucher anzieht. Insgesamt 23 Millionen Euro aus EU-, Bundes- und Landesfördermitteln stehen für die vier Projekte zur Verfügung. An der Gestaltung der Außenanlagen inklusive Stiftshof wird bis zum Herbst noch gearbeitet. Für einen weiteren Teil des fünf Hektar umfassenden barocken Klostergartens müssen die letzten Kleingärten in Richtung Oder weichen. Die Restaurierung des ehemaligen dreiflügeligen Kloster-Klausurgebäudes wird bis August abgeschlossen. „Für das private deutsch-polnische Gymnasium als Mieter und seine rund 500 Schüler haben wir das Haus angepasst an den laufenden Schulbetrieb umgebaut“, sagt Walter Ederer von der Stiftung Stift Neuzelle.

23 Internatsplätze

Fertig saniert ist das ehemalige Kutschstallgebäude, ein langgezogenes zweistöckiges Gebäude mit tiefen Gauben, das den Stiftshof säumt. Der Klosterpfarrer fand hier Wohn- und Arbeitsräume, im Dachgeschoss entstanden 23 Internatsplätze für Schüler des Gymnasiums. Zentraler Teil ist jedoch der Empfangsbereich für ein sich anschließendes unterirdischen Museum. Es entsteht als Betonklotz mit acht Meter hohen Decken im früheren Scheibenberg. Gezeigt werden sollen ab Anfang nächsten Jahres auf 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Passionsdarstellungen vom „Heiligen Grab“. Dabei handelt es sich um ein monumentales, barockes Kulissentheater aus dem 18. Jahrhundert, das aus 242 bemalten Holz- und Leinwandteilen besteht und in seiner Vollständigkeit europaweit einmalig ist.