Urteil

Drei Jahre und zehn Monate Haft für Totschlag an eigenem Baby

Junge Mutter aus Golzow war mit Lebenssituation überfordert

Sechs Monate lang hat Maika M. Tochter Maja nicht mehr gesehen. Die Dreieinhalbjährige lebt bei der Oma in Köln, seit M. Majas Bruder in der Nacht des 22. Oktober 2013 im Oderbruch-Dorf Golzow umgebracht hat. Der gesunde Junge lebte nur wenige Minuten. Zunächst versuchte die Mutter ihn zu ersticken, dann ihm die Kehle durchzuschneiden. Schließlich erstach sie ihr zweites Kind mit einem Küchenmesser und versteckte den Leichnam im Keller.

Wegen Totschlags in einem minderschweren Fall hat das Frankfurter Landgericht Maika M. am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. Der Haftbefehl gegen die 22-Jährige wurde aufgehoben – wegen ihrer enge Bindung zu Tochter Maja würde keine Fluchtgefahr bestehen, so das Gericht zur Begründung.

Die Tat wäre möglicherweise nie aufgeklärt worden, hätten starke Schmerzen nach der Entbindung die junge Mutter nicht veranlasst, einen Arzt aufzusuchen. Erst die Ärzte im Krankenhaus hatten am 23. Oktober entdeckt, dass M. gerade ein Kind zur Welt gebracht haben muss. Daraufhin begann eine fieberhafte Suche nach dem Baby, das schließlich von Polizisten tot unter Gerümpel versteckt im Keller entdeckt wurde. Vor dem Arztbesuch hatte M. alle verdächtigen Spuren der Gewalttat in ihrer Wohnung beseitigt.

Das Umfeld von Maika M. war ahnungslos, da die junge Frau eine erneute Schwangerschaft vehement leugnete. Zu viele schlechte Erfahrungen hatte sie wohl gemacht, als sie mit 18 Jahren schon einmal in anderen Umständen war. Auch die kleine Maja war damals nicht gewollt, sollte nach dem Willen ihrer Mutter nach der Geburt zur Adoption freigegeben werden. Weil ihre Familie Druck machte, behielt sie die Kleine, wurde ihr eine liebevolle Mutter, wie viele Zeugen im Prozess bestätigten.

Doch nach Auffassung des Gerichts kam Maika M. mit der Betreuung des Mädchens und ihrer gleichzeitigen Lehre zur Einzelhandelskauffrau immer wieder an ihre Grenzen. „Ein zweites Kind war in M.s Lebensplanung nicht vorgesehen“, urteilte der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs. Mit der erneuten Schwangerschaft muss die junge Frau sich dann komplett überfordert gefühlt haben. „Dieses Motiv ist nicht vorgeschoben, um die Tötung zu rechtfertigen, sondern sie hat sich tatsächlich so gefühlt und war in einer erheblichen Belastungssituation“, so Richter.

Dieser Umstand sei ein entscheidender Unterschied zum „normalen“ Totschlag. Das Gericht geht in seiner Urteilsbegründung von einer „verdrängten Schwangerschaft aus“, die nicht nur dazu führt, dass die werdende Mutter jeglichen Verdacht abstreitet, sondern auch eindeutige Symptome uminterpretiert und keinerlei Vorkehrungen für einen Familienzuwachs trifft. Fuchs sprach von einer „besonderen Ausnahmesituation“, die die Frau letztlich veranlasste, den Säugling nach der Geburt zu töten.