Baumblütenfest

Weinselig in Werder

In der Havelstadt welkt der Frühlingsschmuck auf den Bäumen schon. Gefeiert wird trotzdem, auch an anderen Orten in Brandenburg

Auch in diesem Jahr erwartet Werder an der Havel wieder mehrere hunderttausend Besucher beim Baumblütenfest, das alljährlich feier- und trinkfreudige Gäste in die Inselstadt lockt. Vom 26. April bis zum 4. Mai findet zum 135. Mal die von Obstzüchter Wilhelm Wills 1879 ins Leben gerufene Feier statt. Sie zählt zu den größten Volksfesten Deutschlands. Im vergangenen Jahr nahm knapp eine halbe Million Menschen teil.

Traditionell begrüßt Werder mit dem Fest die Blüten der Bäume. Aufgrund der milden Temperaturen stehen die Bäume bereits jetzt, zwei Wochen vor dem Termin, in voller Blüte. „Die Kirsche blüht schon, das wird sie zum Fest dann wohl nicht mehr tun“, sagt Anja Marx, Sprecherin des Festes. Schon jetzt zeigen sich die Straßenzüge bunt. „Wegen des warmen Frühlings ist manches einfach schon vorgeblüht.“ Ganz ohne den Baumschmuck müsse das beliebte Fest aber nicht auskommen.

Zentrales Element des Festes ist seit jeher der bekannte Werdersche Obstwein. Um die 450 Stände erwarten die Besucher, an etwa 60 bieten die Obstbauern der Umgebung Most aus Erdbeeren, Kirschen, Rhabarber und Äpfeln feil. Die Veranstalter mahnen schon vorab, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Die Feier beginnt am Sonnabend um 13 Uhr mit einem Festumzug. Mehr als 1000 Teilnehmer aus Werderaner Vereinen, Kitas, Schulen und anderen Gruppen verdeutlichen die Tradition des Obstanbaus in Werder. Im Anschluss eröffnet Bürgermeister Werner Große (CDU) feierlich das Fest, gemeinsam mit der frisch gekürten Baumblütenkönigin. Diese stellt sich bereits am Vorabend auf dem Baumblütenball vor, wo für 74 Euro Kartenpreis gegessen und getanzt werden kann. Am Sonntag ist eine 800 Meter lange Strecke des Stadtwaldes für den Baumblütenlauf präpariert. Im Rahmenprogramm des Baumblütenfestes gibt es Fahrgeschäfte und Attraktionen wie einen Hahnenkrähwettbewerb, auf einer Showbühne präsentieren sich Laienkünstler jeden Alters.

Besuch auf den Plantagen

Naturverbundene Festbesucher können mit dem Havelbus oder bei Blütenrundfahrten auf die Obstplantagen fahren oder in einem der Werderschen Gärten spazierengehen. Die Rundfahrten starten zwischen 10 und 16 Uhr immer im Anschluss an den Regionalzug RE1 aus Berlin jede Stunde vom Bahnhof Werder zu den Obstplantagen, am Wochenende sogar alle 30 Minuten.

Nicht nur wegen des Weinkonsums sollten Festbesucher auf Bus und Bahn zurückgreifen. Auch stehen in Zentrumsnähe nur sehr begrenzt Parkplätze zur Verfügung. Neben Sonderfahrten der Schifffahrtsgesellschaften gibt es einen verdichteten Bahn- und Busfahrplan. Die Bahn setzt an den Wochenenden zusätzliche Züge des RE1 zwischen Berlin und Werder ein. Der Havelbus verkehrt verstärkt zwischen Potsdam und Werder, die Linie 631 im 20-Minuten-Takt. Doch nicht nur das Baumblütenfest lockt am Osterwochenende nach Brandenburg. „Die Buchungsstände sind sehr gut“, sagt Birgit Kunkel von der TMB Tourismus Marketing Brandenburg GmbH. Vor allem Ferienwohnungen und -häuser in Spreewald, Prignitz und Fläming seien über Ostern gefragt. Auch in der Uckermark stünden nur noch wenige freie Betten zur Verfügung. „Doch für spontane Ausflüge ist durchaus noch Kapazität“, so Kunkel. Hotels und Gaststätten blicken dementsprechend erwartungsfroh auf das Osterfest. „Die Buchungsstände sind sehr gut“, bestätigt der Präsident des Brandenburger Hotel- und Gaststättenverbandes, Olaf Schöpe. Angesichts der milden Temperaturen sei die Branche schon mittendrin in der Saison. Schöpe ist Chef eines Hotels im Spreewald. „Gerade bei uns sind schon viele Menschen unterwegs“, sagt er. „Die Generalprobe für Ostern haben wir schon hinter uns.“ Spezielle Angebote wie etwa ein Osterbrunch seien sehr gefragt. Die Feiertage eignen sich für eine Radtour zur Schäferei-Erlebniswelt nach Beeskow, für einen Besuch im Storchendorf Rühstädt oder einen Osterspaziergang durch den Park Sanssouci. Auch Kanu- und Schiffsausflüge auf den Gewässern des Landes sind beliebt.

Lampionumzug und Wildtiershow

Vor allem Familien kommen bei zahlreichen Veranstaltungen auf ihre Kosten. So gibt es im Wildpark Schorfheide mit rund 250 Tieren zu den abendlichen Tierfütterungen einen Lampionumzug. Am Ostersonntag gilt es, das goldene Ei zu finden. In der Landeshauptstadt Potsdam präsentiert der Filmpark Babelsberg märchenhafte Gäste in der Filmtiershow, unter anderem mit der Kröte „Walküre“ aus „Hänsel und Gretel“ und Rabe „Corax“ aus „Frau Holle“.

Bei einer Osterwerkstatt in Burg im Spreewald können Besucher Wissenswertes über das sorbische-wendische Osterbrauchtum erfahren. In Spremberg lädt das Niederlausitzer Heidemuseum zum traditionellen Ostereiermarkt. Bereits ausverkauft ist die beliebte Faust-Aufführung an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt.