Gemüse

Durchbruch der weißen Spitzen

Zum Start der Spargelsaison in der Region: 20 Höfe rund um Berlin

Als Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger 2013 zur Eröffnung der Spargelsaison nach Beelitz kam, waren die Spargelbauern froh, dass überhaupt schon ein paar Köpfe des edlen Gemüses aus dem Sandboden lugten. Die Sorgen müssen sie sich dieses Jahr nicht machen. Dank der milden Temperaturen der vergangenen Wochen hat die Ernte in Deutschlands größtem zusammenhängenden Spargelanbaugebiet längst begonnen.

Theoretisch hätte man schon Anfang April den Startschuss geben können. Doch der Beelitzer Spargelverein ging lieber auf Nummer sicher. „Ist die Saison erst eröffnet, verlockt das die Berliner, rauszufahren auf die Höfe“, sagt Andreas Jende, Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg. „Da soll kein Kunde enttäuscht werden, weil vielleicht doch noch nicht die gewünschten Mengen zur Verfügung stehen.“ So blieb es bei dem Termin, der schon vor Monaten festgelegt worden war: Kommenden Dienstag darf der Minister zum Anstich aufs Feld.

Gefeiert wird der Erntestart des Gemüses, das als erstes märkisches Feldprodukt zugleich den Beginn der Freilandsaison markiert, diesmal auf dem Spargelhof Hugo Simianer & Söhne in Busendorf. Mit einem Drei-Gänge-Spargelmenü will Geschäftsführer Gerald Simianer aufwarten. „Als Vorspeise gibt es Spargelpfannküchle mit Kräutern“, sagt er. Ein Gericht, das in der Region Seltenheitswert habe. Anders in Süddeutschland, woher die Familie Simianer stammt. Bevor Stephanie Bathe von der Delikatesse kosten kann, muss sie aber erst mal ihr Zepter schwingen: Die 24-Jährige, als Zeitsoldatin bei der Bundeswehr in Beelitz stationiert, ist Beelitzer Spargelkönigin 2014. Erst vor Kurzem wurde die gebürtige Rathenowerin aus Schleswig-Holstein in die Hans-Joachim-von-Zieten-Kaserne versetzt. Der Anstoß, sich ums königliche Amt zu bewerben, kam von ihrem Kompaniechef.

Um die 400 Tonnen des Stangengemüses will Simianer in dieser Saison von seinen Feldern holen. 20 bis 30 Tonnen davon sind grüner Spargel, den er erstmals wieder anbieten kann. „In den vergangenen drei Jahren hatten wir Probleme mit hohem Wasserstand, mussten einiges neu anpflanzen.“ Darunter auch das Edelgemüse in Grün. Das erfreue sich immer größerer Beliebtheit, sagt Gartenbauexperte Jende. „Auch verarbeitet im Omelett.“ Die Gastronomie auf den Brandenburger Spargelhöfen sei sehr experimentierfreudig, konstatiert er. „Da wird den Besuchern Vielfalt geboten.“ Bratspargel beispielsweise. Oder Spargelsalat. Wenngleich ein Drittel der Kunden immer noch das klassische Schnitzel zum Spargel mit Sauce Hollandaise verlange, sagt Antje Winkelmann vom Spargelhof Klaistow, einem der größten märkischen Spargelproduzenten. Mehr als 3000 Tonnen Spargel haben die Klaistower 2013 von ihrer 500 Hektar großen Anbaufläche geerntet – mehr als ein Drittel der gesamten brandenburgischen Spargelernte von 14.000 Tonnen. Obwohl auf ihrem Hof bereits seit drei Wochen Spargel verkauft wird: Wesentlich höher als im Vorjahr werde der Ertrag vermutlich nicht sein. „Irgendwann kommen nur noch dünne Stangen“, sagt Antje Winkelmann. Dann sei es an der Zeit, den Spargel ins Kraut schießen zu lassen. Denn das sorge für die Fotosynthese der Pflanze, dadurch sammle sie die Kraft für die nächste Saison. „Wird zu lange gestochen, gibt es zu wenig Kraut.“

Dass aber schon vor dem 24. Juni, dem letzten Erntetag, Schluss sein könnte mit dem Spargel, muss niemand befürchten. „Die Bauern werden versuchen, die Ernte zeitlich zu staffeln“, erklärt Jende. Möglich sei dies, da unterschiedliche Sorten zu verschiedenen Zeiten geerntet würden. Bis zu 15 Sorten werden in Brandenburg angebaut. Beeinflussbar sei die Erntezeit zudem durch Folien. „Schwarze Folien absorbieren die Wärme, der Spargel treibt schneller.“ Weiße Folie dagegen reflektiert die Sonnenstrahlen. „Eine Versorgung bis Johanni ist gewährleistet“, sagt Jende.

Insgesamt wird in Brandenburg auf 2800 Hektar Spargel angebaut, damit liegt die Mark bundesweit an dritter Stelle hinter Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Das Hauptanbaugebiet befindet sich um Beelitz – rund drei Viertel der märkischen Spargelernte kommen aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark. Die sandigen Böden dort böten „nahezu ideale Voraussetzungen für den Qualitätsbegriff Beelitzer Spargel“, heißt es im Agrarministerium. „Die Sandbüchse fördert schnelles Gedeihen – der Beelitzer Spargel hat gar keine Zeit, holzig zu werden“, sagt Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Der Qualität tut die frühe Ernte keinen Abbruch. „Die Sonne hat den Spargel nur früher gekitzelt“, sagt Carmen Runge von den Beelitzer Jakobs-Höfen.

Auch wenn die Arbeitsleistung der Erntehelfer üblicherweise nach Ertrag abgegolten würde, rechnet Verbandschef Jende mit leichten Preiserhöhungen beim Spargel. Zwar sei der Mindestlohn erst 2015 ein Thema, aber die Lohnerwartungen seien gestiegen. Die Zahl der heimischen Helfer sei deutlich zurückgegangen. „Zehn bis 15 Prozent der Spargelstecher stammen noch aus Deutschland, der Rest kommt aus Osteuropa.“ Vornehmlich aus Polen und Rumänien. „Auf den Höfen verdienen sie einen beträchtlichen Teil ihres Jahreseinkommens.“ Das Engagement rechne sich, zumal sie bei abnehmendem Spargelertrag in anderen Anbaukulturen eingesetzt würden – bei der Erdbeerernte oder beim Heidelbeerpflücken. Durch die lange Spargelsaison sind die Kosten für Verpflegung und Unterkunft der Helfer für die Bauern auch höher. Doch: „Dafür haben die Höfe die Kunden während der Spargelsaison öfter zu Gast.“ Und da in den Hofläden oft auch andere Produkte verkauft würden, mache der Erzeuger seinen Schnitt.

Einen Überblick über weitere Spargelhöfe in Brandenburg gibt es unter www.morgenpost.de/spargel