Aufarbeitung

Der tiefe Fall von Bürgermeister Scholl jetzt als Buch

Juristisch ist der Fall abgeschlossen: Wegen Mordes an seiner Frau verbüßt der Ex-Bürgermeister von Ludwigsfelde (Teltow-Fläming), Heinrich Scholl, eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Der 71-Jährige beteuert noch immer seine Unschuld, arrangiert sich aber mit dem Haftalltag in Brandenburg/Havel. Im Sommer hat er sich um die Blumen im Hof gekümmert, inzwischen schreibt er für die Gefangenenzeitung, malt wieder und hat sich mit Rockern angefreundet, berichtet die Berliner Journalistin Anja Reich.

Am 11. April 2014 erscheint ihr Buch „Der Fall Scholl – Das tödliche Ende einer Ehe“ (Verlag Ullstein extra, 14,99 Euro). Schon im Vorfeld entfacht es erneut die Diskussion um Schuld oder Unschuld in der 24.000-Einwohner-Stadt am Südrand Berlins. Eine Lesung am 28. April 2014 in der Aula der Gottlieb-Daimler-Schule in Ludwigsfelde sei nahezu ausverkauft, sagt Veranstalterin Sabine Marx. „Die Leute sind immer noch sehr bewegt und spielen alle möglichen Varianten durch“, sagt sie.

Justitia hat keine Zweifel: Seit Anfang Februar ist Heinrich Scholl rechtskräftig verurteilt. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat seine Revision gegen das Urteil des Landgerichts Potsdam von Mai 2013 als unbegründet verworfen. Damit ist der tiefe Fall des einstigen Machers von Ludwigsfelde, den Fotos mit Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) oder Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigen, besiegelt: Der 71-Jährige verbringt seinen Ruhestand hinter Gittern.

„Er lacht, er weint, in einem Moment ist er verbittert wie ein alter Mann und im nächsten übermütig wie ein Junge“, schreibt Buchautorin Reich. Im monatelangen Indizienprozess hat der einst erfolgreiche SPD-Kommunalpolitiker geschwiegen – mit ihr hat er gesprochen. Die leitende Redakteurin bei der „Berliner Zeitung“ besuchte ihn mehrfach in der Haft. „Er hat mir sein ganzes Leben erzählt und es parallel aufgeschrieben. Ich glaube, das hat ihm selbst auch gutgetan“, sagte die Autorin.