Expansion

Absahnen mit Vanilleeis

Die Eis-Manufaktur „Ice Guerilla“ will von Beeskow aus die Supermärkte der Republik erobern

– Das beste Vanilleeis Deutschlands kommt aus Beeskow. 2012 wurde die Kreation von Ralf Schulze und seinem Team von der Eis-Manufaktur „Ice Guerilla“ auf der Fach-Messe „Intergastra“ mit dem Titel „Bestes Eis“ ausgezeichnet. Doch damit nicht genug: Jetzt will „Ice Guerilla“ auch die Supermärkte der Republik erobern.

Drei Monate lange haben Schulze und seine Mitarbeiter das Eis in den Gefriertruhen von Supermärkten getestet. „Bei industriell hergestelltem Eis ist viel Schlechtes im Umlauf“, meint der 40-jährige Schulze selbstbewusst. Von rund 300 Sorten, die Schulze und sein Team kosteten, wurden lediglich vier als „ebenbürtig“ zu seinem eigenen Vanilleeis eingestuft. Den Test machten die Beeskower nicht ohne Grund. Die Kreationen der „Ice Guerilla“, die bisher in einer kleinen Haus-Manufaktur entstehen, sollen nicht mehr nur in 35 Eis-Cafés und Restaurants zu bekommen sein, sondern spätestens in zwei Jahren deutschlandweit im Supermarkt. „Wir gehen in die industrielle Fertigung, bauen eine Eisfabrik in Beeskow, weil die Nachfrage so groß ist und Handelsketten von uns beliefert werden wollen“, erklärt Schulze. 30 Tonnen Eis pro Tag sollen dort produziert werden – in Bechern, Ein-Liter-Familienpackungen, als Waffelhörnchen oder Sandwich-Eis.

Zeit ist die wichtigste Zutat

Längst wird in Beeskow nicht nur Vanilleeis hergestellt, sondern auch Schoko, Erdbeer, Stracciatella, Haselnuss, Karamell und Mango – laut Schulze die beliebtesten Sorten der Deutschen. Dass der Eis-Spezialist vor Herausforderungen nicht zurückschreckt, hat er in der Vergangenheit bereits bewiesen. Der gebürtige Beeskower hatte seinen krisensicheren Beamten-Job bei der Bundeswehr an den Nagel gehängt, um das stillgelegte Kino seiner Heimatstadt wiederzubeleben. „Es ärgerte mich einfach“, erinnert sich der gelernte Kfz-Mechaniker. Schulze blieb hartnäckig, auch nachdem ihm keine Bank einen Kredit für den Umbau des alten Lichtspieltheaters geben wollte. Tenor: Das rechnet sich in einer 8000-Einwohner-Stadt nicht.

Schließlich konnte er aber doch die Kommune überzeugen, ihm ein zinsloses Darlehen zu gewähren, und so schuf er sein „Schukurama“ mit drei Sälen und einer Eis-Lounge – als Alternative für den Sommer, wenn Leute nicht unbedingt ins Kino gehen. „Aber wenn wir schon Eis verkaufen, dann selbstgemachtes“, sagte er sich. Das war die Geburtsstunde von „Ice-Guerilla“, symbolisch benannt, nach dem Untergrund-Kampf, den Schulze gegen die Eis-Übermacht der Italiener führt. 39.000 Besucher zählte das „Schukurama“ im vergangenen Jahr, weitere „Schukurama“-Cafes gibt es inzwischen in Eisenhüttenstadt und Fürstenwalde.

Insgesamt 200 Sorten entstehen in der Beeskower Eis-Manufaktur. Doch zahlreiche Kunden kommen gezielt wegen des Vanilleeis, und sie sollen auch weiter hausgemachtes Eis bekommen. „Für sie fertigen wir weiter in unserer kleinen Manufaktur.“ Auch nach Kundenwunsch ausgefallene Kreationen – Sahnegrieß etwa oder Käsekuchen-Eis mit Erdbeeren. Der Firmenchef selbst schwört auf Erdbeereis mit Basilikum.

Das Geheimnis guten Eises, ist laut Schulze Zeit. Die wird gebraucht, um Milch mit Bindemittel und Zucker zu einer homogenen Masse zu verarbeiten. „Unter ständigem Rühren sind das bei uns 24 Stunden.“ Das soll auch in der neuen Eisfabrik nicht anders sein.

Auf 20.000 Quadratmetern wird ab Oktober in einem Beeskower Gewerbegebiet gebaut – die Fertigstellung und Inbetriebnahme plant der „Ice Guerilla“-Chef für den Sommer. Insgesamt 30 neue Vollzeit-Jobs will Schulze schaffen, 3,3 Millionen Euro investiert er. Obwohl Beeskow keine direkte Autobahnanbindung hat, entschied sich Schulze für seine Heimat als Standort – nachdem die Stadt ein Wirtschaftsförderprogramm aufgelegt hat: Jeder Investor wird mit 5000 Euro je neuem Arbeitsplatz unterstützt. Dass manche seine Plänen skeptisch sehen, schreckt ihn nicht. „Wo wären wir denn, wenn es nicht Leute mit Mut zum Risiko gäbe?“ Zumal er es als seine Verpflichtung ansieht, Arbeitsplätze zu schaffen, damit es in der Region „nicht weiter bergab“ gehe.