Verschwendungsvorwürfe

Mehr als 500.000 Euro Schaden

Wirtschaftsprüfbericht zur IHK-Affäre belastet Ex-Präsident Victor Stimming

In der Protz-Affäre um den langjährigen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Potsdam, Victor Stimming, steht jetzt offenbar der materielle Schaden fest. Nach einem von der IHK in Auftrag gegebenen internen Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG soll dieser bei mehr als einer halben Million Euro liegen. Dies berichtete das rbb-Fernsehmagazin „Klartext“ unter Berufung auf Wirtschaftsprüfer. Die IHK hat nach Informationen der Berliner Morgenpost eine Rechtsanwaltskanzlei damit beauftragt, mögliche Schadenersatzansprüche zu prüfen.

Bei der Vollversammlung am nächsten Mittwoch soll der Bericht den Mitgliedern vorgestellt werden. Allein für die von der IHK für den ehrenamtlich tätigen Präsidenten gestellte Sekretärin, die zugleich auch in Stimmings Baufirma in Brandenburg/Havel tätig war, liefen laut „Klartext“ Kosten von 180.000 Euro auf. Für die Sanierung der denkmalgeschützten Villa Carlshagen in Potsdam soll Stimmings Büro ein Beraterhonorar von 70.000 Euro kassiert haben – ohne dass eine entsprechende Leistung nachgewiesen wurde. Die IHK hatte die Villa auf Stimmings Betreiben im Jahr 2012 für ein Schulungs- und Tagungszentrum gekauft. Es gibt Überlegungen, ob die Kammer das Haus wieder verkauft.

Der Präsident war im November vorigen Jahres nach Verschwendungsvorwürfen zurückgetreten. Er fuhr einen rund 70.000 Euro teuren Mercedes, während dem Berliner IHK-Präsidenten von der Kammer weder ein Dienstwagen noch eine Sekretärin zur Verfügung gestellt wird. Außerdem soll er eine Aufwandsentschädigung von mindestens 20.000 Euro pro Jahr erhalten haben. Sein Berliner Kollege lässt sich lediglich die Kosten für Dienstreisen erstatten. Die Potsdamer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Stimming wegen des Strafvorwurfs der Untreue. Bis Mitte des Jahres soll ein Nachfolger aus den Reihen der IHK-Vollversammlung gefunden sein. Die Industrie- und Handelskammer Potsdam vertritt rund 77.000 Brandenburger Betriebe. Victor Stimming hatte sie seit 1995 geleitet.

Mitte Januar ist auch der Geschäftsführer der IHK Potsdam, René Kohl, von seinem Posten zurückgetreten. Er war bereits im Dezember nach einem Beschluss der IHK-Vollversammlung von seinen Aufgaben entbunden worden. Ihm wird vorgeworfen, den zurückgetretenen IHK-Präsidenten Victor Stimming bei dessen kostspieliger Amtsführung unterstützt zu haben. Die derzeit amtierende Präsidentin der IHK Potsdam, Beate Fernengel, sprach damals von einem „zukunftsweisenden Schritt“.

Nach Recherchen der Berliner Morgenpost hat René Kohl inzwischen einen neuen Job gefunden – als neuer Geschäftsführer der Potsdamer Wachschutzfirma GSE Protect. Michael Goldschmidt, Geschäftsführender Gesellschafter von GSE Protect schreibt auf der Homepage des Unternehmens: „Mit seinem hohen Erfahrungsschatz und herausragender Kompetenz wird Herr Kohl nun die Geschäfte und Ergebnisse von GSE Protect in einer herausfordernden Zeit strategisch und mit unternehmerischem Weitblick sowie mit höchster Qualität ausbauen.“ René Kohl betont, er freue sich „auf die spannende und vielseitige Aufgabe“.