Statistik

Brandenburger unter 40 Jahren sind häufig krank

DAK-Bericht: Hohe Stressbelastung in Beruf und Familie

Die Brandenburger waren im vergangenen Jahr noch häufiger krank als 2012. Pro Kalendertag fehlten durchschnittlich fünf Prozent der Versicherten der Krankenkasse DAK-Gesundheit in Brandenburg deshalb bei der Arbeit. Das sind ein Prozent mehr als im Vorjahr. Dies gab der DAK-Regionalchef Ralf Seifert am Mittwoch in Potsdam bekannt.

Dabei liegen die Brandenburger mit ihren Krankmeldungen schon länger bundesweit an der Spitze. „Ein Erwerbstätiger aus Brandenburg fehlte im vergangenen Jahr im Schnitt 18,2 Tage im Job, im Bund waren es 14,6 Tage“, sagte Ralf Seifert. Für den aktuellen DAK-Gesundheitsreport Brandenburg wertete das Berliner IGES Institut Daten von landesweit 115.000 erwerbstätigen Versicherten der Krankenkasse aus. Zum Vergleich: Die Brandenburger Versicherten der Techniker Krankenkasse (TK) kamen auf durchschnittlich 18,1 Fehltage, die TK-Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern auf 18,4 Tage. Am seltensten krank geschrieben waren die Versicherten in Bayern und in Baden-Württemberg. Die häufigsten Gründe für Ausfalltage der Brandenburger DAK-Versicherten im vergangenen Jahr waren Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Sie waren der Grund für 21,5 Prozent der Krankheitstage. An zweiter Stelle standen Krankheiten der Atemwege mit etwa 18,5 Prozent. Sie stiegen um etwa ein Fünftel im Vergleich zu 2012 an. „2013 gab es eine starke Erkältungswelle“, erläuterte Susanne Hildebrandt vom IGES Instituts bei der Vorstellung des Gesundheitsreports.

An dritter Stelle der häufigsten Krankheiten folgen Verletzungen. „Die psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen machen ebenfalls knapp 13 Prozent der Fehltage aus“, sagte Hildebrandt. In der Langzeitanalyse zeige sich eine Verdoppelung der psychischen Erkrankungen in Brandenburg in den vergangenen 13 Jahren.

Frauen fehlten 5,5 Prozent der Tage im Jahr, Männer 4,5 Prozent. Dies sei auf Schwangerschaftskomplikationen zurückzuführen. Außerdem arbeiteten Frauen überdurchschnittlich viel mit Berufen mit hohen Krankheitsbeständen. Dazu zählt das Gesundheitswesen.

Der höchste Krankenstand aber war 2013 im öffentlichen Dienst mit 5,4 Prozent zu verzeichnen. Berufe wie Krankenschwester folgten mit 5,2 Prozent.

Auffallend: Im Vergleich zu ihren Altersgenossen im Bund fehlen laut DAK-Report 25- bis 39-jährige Brandenburger sehr häufig. Ihre Ausfalltage liegen ein Drittel über dem Durchschnitt. „Diese Altersgruppe verfügt zwar über gute Gesundheit, doch führen verlängerten Ausbildungszeiten, der spätere Berufseinstieg und der Trend zu immer späterer Elternschaft dazu, dass in dieser Lebensphase viele Aufgaben zu bewältigen sind“, sagte DAK-Regionalchef Seifert. „Sie stehen besonders unter Druck.“ Auch wenn sie im Vergleich zu den jüngeren und älteren Altersgruppen in Brandenburg sogar besonders gesund sind, dürfe dies nicht über die Probleme hinwegtäuschen. In der „Rushhour des Lebens“ würden in Brandenburg bereits vier von zehn Beschäftigten wegen Rückenproblemen behandelt.

Unter den 20 häufigsten Einzeldiagnosen bei Männern gibt es neben den akuten Beschwerden auch langfristige Beeinträchtigungen. „So ist fast jeder zehnte Mann schon in Behandlung wegen Bluthochdruck. Dieser steht häufig in Verbindung mit Stress und Bewegungsmangel“, so Seifert. Mehr als ein Viertel der 25- bis 39-Jährigen musste wegen eines psychischen Leidens zum Arzt. Die Untersuchung des Krankenstands der Mitglieder und eine bundesweite Befragung von 3000 Männern und Frauen von 25 und 40 Jahre habe ergeben, dass die Stress-Belastung von arbeitenden Eltern nicht höher ist als die von Kinderlosen. Jeweils rund 20 Prozent gaben an, sich gestresst zu fühlen. Erwerbstätige Eltern sähen sich kaum im Nachteil, so das Ergebnis des Reports. 55Prozent sagen, dass sie nicht genug Zeit für sich selbst haben. Von den kinderlosen Erwerbstätigen sagen das 47,7Prozent. Allerdings achten berufstätige Eltern weniger auf ihre Gesundheit. „Sport und Ernährung bleiben bei ihnen auf der Strecke“, stellt Seifert fest.

Unter den Müttern sieht aber die Hälfte ihr berufliches Fortkommen durch Kinder gehemmt. An Angeboten des Arbeitgebers wünschen sich 80,3Prozent der Befragten einen Betriebskindergarten, aber nur 15,3 Prozent bieten ihn an. Gleitende Arbeitszeiten wollen 79 Prozent der Eltern, in 35,8Prozent ist sie möglich. Eine Betriebskindergrippe bieten nur 8,8 Prozent der Firmen, aber 73 Prozent der Eltern würden sie sich wünschen. Damit sie bis zum 67. Lebensjahr produktiv bleiben, müssten die Arbeitgeber nachhaltiger in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren, appellierte Seifert.