Tourismuspreis

Ausgezeichnetes im Spreewald

Land Brandenburg prämiert das gräfliche Schloss Lübbenau. Preise für Storchenclub und Tour „Adler trifft Zander“

Wäre es nach Lübbenaus damaligem Bürgermeister gegangen, würden dort, wo sich heute Urlauber auf seidenen Laken rekeln und mit Honig massieren lassen, Schlittenkufen Spuren in den Schnee ziehen. Das Schloss Lübbenau sollte gesprengt werden, um einer Rodelbahn zu weichen. So der Plan 1970. Lübbenauer Bürger durchkreuzten ihn. Zur selben Zeit zog das Rechenzentrum Binnenseehandel Berlin ins historische Gemäuer, um dort bis zum Mauerfall Mitarbeiter im EDV-Wesen zu schulen. Glück für die Familie Graf zu Lynar. Die erhielt zurück, was Hitler 1944 wegen der gräflichen Mittäterschaft am gescheiterten Führerattentat enteignet hatte: das herrschaftliche Anwesen, seit 1621 im Familienbesitz. Unter gräflicher Führung beherbergt das Schloss als Vier-Sterne-Haus seit 1992 Urlauber, die im Spreewald Entspannung suchen. Ein Geschäft, das mittlerweile Früchte trägt. Das lässt sich nicht nur an der Zahl der Gäste ablesen, die zumeist aus Hamburg, dem Raum Hannover oder Berlin kommen. Auch die Jury, die über den diesjährigen Tourismuspreis des Landes Brandenburg befand, zeigte sich beeindruckt. Und kürte das Schlosshotel am Freitag zum Sieger des Wettbewerbs.

Neben der „Authentizität der Inhaber und des Ortes“ und dem „individuellen Charakter des historischen Ensembles“ überzeugten insbesondere „die speziellen Winterangebote, die sowohl Tagesausflugs- als auch Übernachtungsgäste kombiniert buchen können“.

Hartnäckigkeit, Ideenreichtum und vor allem kritische Gäste, die auf gezielte Nachfrage der Betreiber über die Jahre Lob und Tadel verteilten, sieht Birgit Tanner, Leiterin der Hotelbetriebsgesellschaft, als Gründe für den Erfolg. Die gebürtige Lübbenauerin ist seit Gründung des Hotels mit dabei.

Millionen musste die Grafenfamilie in die Sanierung investieren, finanziert über hohe Kredite. Der Park war überwuchert, keine Sichtachsen mehr zu erkennen, Haus, Orangerie, Marstall waren über die Jahrzehnte heruntergewirtschaftet. „Stück für Stück hat die Familie Instandsetzung und Ausbau vorangetrieben“, sagt Tanner. Und das Gäste-Konzept weiterentwickelt. Stets eingebunden: die Menschen am Ort – vom Handwerker bis zum Zulieferer regionaler Produkte für das mit der Feinschmecker-Note ausgezeichnete Restaurant „Linari“. „Damit verschwand auch die anfängliche Skepsis der Ansässigen“, sagt Tanner.

Tanner beweist Kreativität. Sie hatte die Idee für die Teezeit, schon jetzt ein Klassiker. „An den Wochenenden können sich Besucher im Salon am Samowar besondere Teesorten zubereiten, ihn am Kaminfeuer beim Pianospiel genießen“, erzählt sie. Ein Renner seien auch die Lesungen mit Theaterspiel in den Wintermonaten, bei denen Schlossmitarbeiter und Grafenfamilie selbst in die Rollen schlüpfen. Ebenso beliebt: das mehrgängige Menü, das von November bis April im Schlossrestaurant serviert wird. Als Clou habe sich auch die Ausflugsmappe auf den Zimmern erwiesen. Bei den Tipps haben Tanner und ihre Crew nicht einfach aus Reiseführern geschöpft, sondern stattdessen nur das zusammengestellt, was sie und ihre Kollegen ohne zu zögern empfehlen können. „Wir haben alles selbst getestet – und dann natürlich auch die Urteile unserer Hotelgäste eingeholt.“ Das komme an.

Platz zwei beim Tourismuspreis sicherte sich der Storchenclub Rühstädt für seinen „Storchenfeierabend“. Bei einer zweistündigen Führung durch das Europäische Storchendorf Rühstädt kann ein einzigartiges Naturschauspiel beobachtet werden: der spätabendliche Einflug der Störche in die Nester der größten Storchenkolonie Mitteleuropas.

An den Tourismusverband Seenland Oder-Spree ging der dritte Preis für die Radtour „Adler trifft Zander“. Bei der 40 Kilometer langen Strecke entlang des Scharmützel- und des Storkower Sees werde „Brandenburg visuell und kulinarisch erlebbar“, hob die Jury hervor.