Sicherheit

Trauriger Spitzenreiter

Brandenburg hat bundesweit die meisten Verkehrstoten. 170 Menschen starben im vergangenen Jahr an den Folgen eines Unfalls

Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall getötet zu werden, ist in Brandenburg größer als anderswo in Deutschland. Die Zahl der Verkehrstoten stieg im vergangenen Jahr erneut. 170Menschen verloren ihr Leben, vier mehr als 2012. „Mit 69 Verkehrstoten je einer Million Einwohner nimmt Brandenburg bundesweit den traurigen Spitzenplatz ein“, sagte Innenminister Ralf Holzschuher in Potsdam. Der SPD-Politiker stellte die Unfallbilanz 2013 am Mittwoch gemeinsam mit Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) vor.

Dauer-Problem Alleen

In der Negativ-Bilanz folgen Brandenburg als Spitzenreiter Sachsen-Anhalt mit 61 Toten pro einer Million Einwohner, Thüringen (56) und Bayern (54). Berlin zählte mit elf Toten pro einer Million Einwohner im vergangenen Jahr bundesweit die wenigsten Verkehrstoten. 37 Menschen starben im Berliner Verkehr, unter ihnen 14 Fußgänger, neun Radfahrer, neun Autofahrer und vier Motorradfahrer. „Die Gründe für die immer noch zu vielen Unfälle mit schwerwiegenden Folgen in Brandenburg liegen zum einen im hohen Verkehrsaufkommen als Transitland und zum anderen an den vielen Alleen im Land“, sagte Innenminister Holzschuher.

Mehr als ein Drittel der Getöteten war zuvor mit dem Fahrzeug gegen einen Baum geprallt. 29 Menschen starben auf den Autobahnen, elf bei Unfällen, an denen Lkws beteiligt waren. Unter den Fahrradfahrern gab es 16,7 Prozent mehr Tote als im Vorjahr: 21 Menschen starben, im Jahr zuvor waren es 18. „Hauptursache für die schweren Unfälle ist weiterhin die überhöhte Geschwindigkeit“, sagte Holzschuher. „Allein 63 der 170Verkehrstoten gingen auf das Konto von Rasern – acht mehr als 2012.“ Weitere Gründe: zu geringer Sicherheitsabstand, Missachtung der Vorfahrt und Alkohol. Über Jahrzehnte gesehen ist die Entwicklung aber rückläufig. 1992 wurden noch 876 Verkehrstote in Brandenburg registriert, etwa fünfmal mehr als 2013.

Die Zahl der Unfälle stieg im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2012 leicht – um 0,3 Prozent auf 81.082. Es wurden 10.267 Menschen verletzt, 60 weniger als im Vorjahr. „Damit liegt Brandenburg unter dem Durchschnitt der Bundesländer“, sagte der Innenminister. Gestiegen ist laut Statistik die Zahl der Verkehrsteilnehmer, die den Unfallort verließen, ohne sich um den angerichteten Schaden zu kümmern. Bei den 15.767 Fällen von Unfallflucht wurden 915 Menschen verletzt; zwei starben.

Als erfreulich bezeichnete Ralf Holzschuher den deutlichen Rückgang der Unfälle durch Verkehrsteilnehmer bis 24Jahre um 15 Prozent auf rund 7600. Auch wurden 60 Prozent weniger junge Erwachsene durch Unfälle getötet. „Unsere umfangreichen Präventionsmaßnahmen greifen hier offenbar“, sagte Vogelsänger. Der Führerschein ab 17 Jahren mit Begleitpflicht durch einen Erwachsenen beim Fahren habe sich bewährt. 2013 konnte der 50.000. Teilnehmer gezählt werden. Anders sehe es in der Gruppe „65Plus“ aus. Bei etwa 70 Prozent der etwa 14.300 Seniorenunfälle waren ältere Verkehrsteilnehmer selbst die Unfallverursacher. Es starben 53 Senioren, sechs mehr als 2012. 1.563 wurden verletzt.

Vogelsänger will die Aufklärung verstärken: „Es muss stärker auf den Einfluss von Medikamenten auf die Fahrtüchtigkeit hingewiesen werden.“ Zwangsüberprüfungen der Fahrtauglichkeit von Senioren soll es nicht geben. Polizeipräsident Arne Feuring kündigte an, weiter entschieden gegen Verkehrssünder vorzugehen. 2013 wurden 1,4 Millionen Verkehrsverstöße festgestellt, 210.000 mehr als 2012. Es gab mehr als 17.000 Fahrverbote. Mit Bußgeldern wurden etwa 42 Millionen Euro eingenommen, rund 3,6Millionen weniger als 2012. Das liege daran, dass weniger schwerwiegende Verstöße festgestellt wurden, sagte Feuring.

Die CDU-Landtagsfraktion fordert ein 50-Millionen-Euro-Sofortprogramm für den Straßenverkehr. „Die Landesregierung reagiert ohne erkennbaren Erfolg mit verschärften Tempolimits. So ist in vielen Alleen nur noch Tempo 70 erlaubt“, sagte Verkehrsexperte Rainer Genilke. Tempolimits müssten zurückgenommen und Straßen baulich sicherer gestaltet werden. Auch die Fahrradwege müssten noch besser ausgebaut werden.

Wie leichtsinnig sich Fahrradfahrer verhalten, zeigt ein Video auf Morgenpost-Online: www.morgenpost.de/radfahrer