Interview

Narren außerhalb Berlins

4000 Jecken sind am Sonntag beim Umzug in Cottbus dabei. Und Berlins Karnevalsprinz feiert in Aachen

Bei strahlendem Sonnenschein jubelten Zehntausende von Narren am Sonntag in Cottbus dem „Zug der fröhlichen Leute“ zu. Mehr als 100 Wagen und Gruppen beteiligten sich an dem Karnevalsumzug, der als größter in Ostdeutschland gilt. Ganz vorne mit dabei: Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Der Regierungschef, selbst in der Lausitz heimisch, schmiss vom Wagen aus fröhlich Süßigkeiten und Bälle ins Volk. Insgesamt beteiligten sich laut Veranstalter knapp 4000 Jecken an der Parade durch die Lausitz-Stadt, darunter viele Narren aus Berlin. Dort wurde der Umzug aus Kostengründen und wegen Lärmschutz-Auflagen abgesagt.

Der Berliner Karnevalsprinz Eddi I., Edmund Braun, 67, und seine Prinzessin Katharina I. waren dagegen am Sonntag nach Aachen zum Karneval gefahren und am Nachmittag dort angekommen. Die Berliner Morgenpost sprach mit dem Prinzen in seinem „Karnevals-Asyl“ in Aachen.

Berliner Morgenpost:

Prinz Eddi I. warum haben Sie sich denn für Aachen zum Karneval-Feiern entschieden, und nicht für die Karnevals-Hochburg, das Rheinland?

Prinz Eddi I.:

Nachdem ja in Berlin aus den bekannten Gründen in diesem Jahr kein Karnevals-Umzug stattfindet, wurden wir nach Aachen eingeladen, da wir Kontakt dahin haben. Uns lagen von mehreren Karnevalsvereinen Einladungen und Angebote vor. Wenn Du möchtest, dann komm zu uns nach Aachen, hieß es immer wieder. Die Aachener kommen im November auch immer nach Berlin zu unseren Veranstaltungen. Ich komme ja ursprünglich auch aus Aachen. Ich bin seit Jahren mit dem ehemaligen Karnevalsprinzen von dort befreundet. Er hat mich und meinen gesamten Hofstaat eingeladen und uns sogar auch einen eigenen Festwagen für den Karnevalsumzug organisiert.

Ist Ihr Festwagen beim Rosenmontagszug nach einem bestimmten Motiv gestaltet?

Für einen richtigen Motivwagen fehlte die Zeit. An unserem Wagen wird an der Seite ein selbst gefertigtes Plakat angebracht. Darauf steht: Festkomitee Berliner Karneval – das Berliner Prinzenpaar Eddi I. und Katharina I. Dann wird auch noch unser Wappen vom Prinzenorden und unser Vereins-Logo zu sehen sein.

Welches Berliner Ereignis hätte denn als Vorlage für die Gestaltung des Festwagens dienen können, beziehungsweise unter welchem Motto wären Sie am Rosenmontagsumzug angetreten?

Darüber haben wir uns keine richtigen Gedanken gemacht. Man darf nicht vergessen, dass wir in Berlin Motive in dieser Form gar nicht haben. Im Rheinland werden ja die Motive ausgeschrieben und dann wird darüber abgestimmt. Das haben wir in Berlin nicht. In den ersten Jahren haben wir uns noch ein Motiv einfallen lassen. In diesem Jahr hatte der Verein das Motto ausgegeben, „Karneval schlägt Brücken“. Hätte ein Karnevalszug auf dem Kurfürstendamm in der Hauptstadt stattgefunden, sollte dieses Motto in die Veranstaltung mit eingebunden werden.

Ist der Flughafen Berlin Brandenburg für den Karneval noch ein Thema?

Der Hauptstadtflughafen ist für mich jedenfalls kein Thema mehr. Auf fast allen Veranstaltungen an denen wir seit dem 11. November teilgenommen haben, wurde der BER in irgendeinem Zusammenhang genannt. Langsam ist das breitgetreten und macht keinen Sinn mehr. Es ist traurig genug, dass es mit dem BER überhaupt so weit gekommen ist.

Was genau ist für die närrischen Tage in Aachen geplant?

Wir sind am Sonntag mit acht Personen in Aachen angekommen und werden später in einem großen Festzelt von den ganzen Karnevalisten empfangen. In der Stadt selber gibt es nur zwei große Veranstaltungen, da werden wir nur kurz bleiben, weil wir lieber durch die verschiedenen Kneipen ziehen und dort Karneval feiern wollen. Am Rosenmontag nehmen wir am großen Umzug teil. Am Dienstag dann sind wir in Mohnheim bei Köln zum „Kappe absetzen“, der Verabschiedung der Session. Da wird’s dann noch ein bis zwei Kölsch geben.

Wird es 2015 einen Umzug durch Berlin geben oder ist der Karneval hier gestorben?

Nein, der Karneval ist nicht gestorben. Wir haben ihn schon sehr viele Jahre, lange bevor es überhaupt einen Straßenumzug gab, gefeiert. Der Saalkarneval wird seit Jahrzehnten in Berlin gefeiert. Der Berliner Karneval wird bestehen bleiben. Aufgrund der Berichterstattung, dass in diesem Jahr der Karnevalszug ausfällt, haben wir enorm viel Zuspruch erhalten. Und ich bin mir sicher, dass es eine Lösung geben wird.