Bilanz

Tourismusrekord in 2013 – trotz des Hochwassers

Brandenburg zählt im vergangenen Jahr 11,5 Millionen Übernachtungen

Wander- und Radwege überflutet, Restaurants und Pensionen, die wegen Wasserschäden zeitweilig schließen mussten: Das dramatische Hochwasser an Havel und Elbe hat dem Tourismus in Brandenburg im vergangenen Jahr geschadet. Viele Hotels und Gaststätten konnten erst verspätet in die Sommersaison starten. Besonders bemerkbar machte sich, dass viele niederländische Touristen nicht nach Brandenburg kamen – im Gegensatz zu den Polen. „Die haben ähnliche Erfahrungen machen müssen und sich nicht abschrecken lassen“, sagt Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke). Besonders beliebt bei den östlichen Nachbarn sind Shopping-Touren ins A10-Center nach Wildau und Ausflüge in Erlebniswelten wie „Tropical Islands“. Doch Hochwasser hin, Flut her, unterm Strich ist Christoffers zufrieden mit dem Tourismusjahr 2013: „Die Infrastruktur hat sich als krisenfest erwiesen. Die Branche ist stabil.“ Dieter Hütte, Geschäftsführer der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB), spricht von einem neuen Rekordergebnis.

Bei Gästeunterkünften wie Übernachtungen konnte im Vergleich zu 2012 sogar ein leichtes Plus eingefahren werden. 4,2 Millionen Gäste kehrten im vergangenen Jahr in märkischen Beherbergungsbetrieben ein, buchten mehr als 11,5 Millionen Übernachtungen. „Bei den Gästeankünften eine Steigerung von 0,8 Prozent, bei den Übernachtungen von 0,3 Prozent.“ Touristen kämen schwerpunktmäßig aus Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Thüringen.

Anfang der 90er-Jahre habe man gerade einmal fünf Millionen Übernachtungen vorweisen können. 2006 seien es schon 8,8 Millionen gewesen, verweisen Christoffers und Hütte auf konstante Steigerungen – und sprechen von einer Erfolgsgeschichte. Die allerdings mit Blick auf die Magnetkraft über Deutschlands Grenzen hinaus verpufft: Gerade einmal 350.000 Urlauber aus dem Ausland schauten im Vorjahr in der Mark vorbei. Hinter Polen und Niederländern sind vornehmlich Schweizer und Dänen neugierig auf Brandenburgs Natur und Kultur. Eine Million Übernachtungen ausländischer Gäste hat sich Christoffers als Zielmarke gesetzt. „Mittelfristig“, wie er betont.

Seenland Oder-Spree beliebt

Im Wettbewerb um die meisten Besucher haben das Seenland Oder-Spree, der Spreewald, das Ruppiner Seenland und der Fläming die Nase vorn. Die Prignitz und das Elbe-Elster-Land bleiben – wie schon in den Vorjahren – Schlusslicht. Das könnte sich ändern, hofft Hütte. Und baut auf die von der TMB aufgelegte Kampagne „Kultur erleben“. Neben der Werbung fürs Unesco-Welterbe im Land sei dabei die erste brandenburgische Landesausstellung „Preußen und Sachsen – Szenen einer Nachbarschaft“ in Doberlug-Kirchhain wesentlicher Bestandteil. Anlass für die Schau vom 7. Juni bis 2. November im frisch restaurierten Renaissanceschloss Doberlug: der 200. Jahrestag des Wiener Kongresses, in dessen Folge Europa neu geordnet wurde. „Wenn es uns mit dieser Ausstellung gelingt, die Menschen in der Region stolz zu machen, wirkt sich das auch positiv auf den Tourismus aus“, ist Hütte überzeugt. Ein Mittel, das bereits bei der ersten Landesgartenschau in Luckau vor 20 Jahren gewirkt habe. Kulturtouristen will Brandenburg auch mit der Freiluft-Ausstellung „Paradiesapfel“ locken. Die von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten organisierte Schau im Park Sanssouci widmet sich vom 18. April bis 31. Oktober dem Zusammenspiel von Gartenkunst und Architektur.

In den Fokus rückt die TMB in diesem Jahr zudem das Thema Wasser – bei der Internationalen Tourismusbörse in den Messehallen unterm Berliner Funkturm (5. bis 9. März) ebenso wie bei einer Roadshow durch Nordrhein-Westfalen. Mit neuer wassertouristischer Revierkarte im Gepäck will man für die Lausitzer Seenlandschaft oder die Floßcharterstation in Brandenburg/Havel werben.

Neue Strategie der märkischen Tourismuswerber: „Erlebniswelten schaffen“. Die Erwartungen der Gäste seien komplexer geworden. „Nur Radfahren oder Wandern allein genügt nicht mehr. Touristen erwarten Erlebnisse“, sagt Christoffers. Da sei Umdenken angesagt. Zugleich wolle man die Bedürfnisse von Tagestouristen noch stärker in den Blick nehmen – die beispielsweise von Berlin aus zu einer Radtour ins Märkische aufbrechen. „Mit 18 Qualitätsradrouten steht Brandenburg deutschlandweit an der Spitze“, verweist der Minister auf den flächendeckenden Ausbau des Radwegenetzes. In der Freizeitszene seien Angebote wie die „Tour Brandenburg“ – mit 1111 Kilometern längster Radweg Deutschlands – oder die internationale Route von Berlin nach Kopenhagen längst eine Marke. „Jetzt geht es darum, die Infrastruktur in Schuss zu halten, die Qualität zu sichern und noch mehr Service zu bieten“, sagt Christoffers. Und denkt dabei an gastronomische Angebote am Wegesrand ebenso wie an den professionellen Reparaturdienst fürs Fahrrad.