Alternative

Acht Neugeborene in Potsdamer Babyklappe gelegt

Brandenburg führt im Mai die „anonyme Geburt“ ein

In Brandenburgs einziger Babyklappe in Potsdam sind in den vergangenen Jahren acht Babys abgelegt worden. Alle Kinder seien an Adoptivfamilien vermittelt worden, teilte ein Sprecher der Stadtverwaltung mit. Keine der Mütter habe sich gemeldet und ihr Kind zurückhaben wollen. Ab Mai bekommen junge Mütter in einer Notsituation eine Alternative zur Babyklappe. Dann gibt es die Möglichkeit der „vertraulichen Geburt“, bei der sie zunächst anonym bleiben können. Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) betonte, dass ein vielfältiges Hilfsangebot für schwangere Frauen in extremen Notsituationen wichtig ist.

Die Babyklappe am St. Josefs-Krankenhaus Potsdam wurde 2003 eingerichtet. Das Krankenhaus wollte keine Angaben zur Klappe machen. Man wolle nicht dafür werben, hieß es zur Begründung. In der Stadtverwaltung ist das Jugendamt für die Vermittlung der Kinder zuständig. Die „vertrauliche Geburt“ soll es Schwangeren künftig ermöglichen, ihr Kind in einem Krankenhaus auf die Welt zu bringen und trotzdem vorerst anonym zu bleiben. Die Personendaten der Mutter werden zwar gespeichert, bleiben jedoch mindestens bis zum 16. Geburtstag des Kindes unter Verschluss. Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft soll die „vertrauliche Geburt“ in allen Häusern möglich sein. Es müssten aber noch Details geklärt werden. Die Kosten können demnach vom Krankenhausträger direkt gegenüber dem Bund geltend gemacht werden.

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 100 Kinder in Babyklappen abgelegt. Neben den oft fragwürdigen Umständen der Entbindung wird dabei vor allem bemängelt, dass die betroffenen Kinder keine Chance haben, nachträglich etwas über ihre Herkunft zu erfahren. Bei der „vertraulichen Geburt“ hingegen können sie Auskunft über die Identität ihrer Mutter verlangen. Ministerin Tack verwies auf andere Hilfsmöglichkeiten – etwa von der Stiftung „Hilfe für Familien in Not“. Diese hilft unter anderem Schwangeren in einer finanziellen Notlage, wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind.