Ermittlungen

Mit voller Wucht

Schon wieder sprengen Diebe einen Fahrkartenautomaten. Einzelteile fliegen bis zu zehn Meter weit

Innerhalb von nur vier Tagen haben unbekannte Täter drei Fahrscheinautomaten der Deutschen Bahn in die Luft gesprengt. Der jüngste Fall ereignete sich in der Nacht zu Montag. In den frühen Morgenstunden zerstörten die Täter mit einer Sprengung einen Fahrkartenautomaten auf dem Bahnsteig am Bahnhof Falkensee-Finkenkrug (Havelland) an der Karl-Marx-Straße.

„Anwohner haben gegen 2 Uhr nachts einen lauten Knall gehört und die Polizei informiert“, sagte Jana Birnbaum, Sprecherin der Polizeidirektion West der Landespolizei. „Wie die Täter vorgegangen sind, ist noch unklar.“ Der Automat sei vollständig zerstört worden, einzelne Teile des Automaten wurden bis zu zehn Meter weit geschleudert. Nach Angaben von Augenzeugen wurde eine angrenzende Glasscheibe ebenfalls durch die Wucht der Detonation zerstört. Der Bahnsteig sei mit Glassplittern übersät gewesen. Ob die Täter Beute machen konnten, ist noch unklar. Zur Absicherung des Tatortes und als „Hausherren“ auf dem Bahngelände waren kurz nach dem Vorfall Bundespolizisten im Einsatz. „Experten des Landeskriminalamtes haben den Tatort auf mögliche Spuren untersucht“, sagte Birnbaum. Die Ermittlungen werden vom Dezernat schwere Kriminalität der Kriminalpolizei der Polizeidirektion West geleitet.

Serientat ist nicht ausgeschlossen

Die weiteren Ermittlungen würden andauern – auch, was einen möglichen Zusammenhang mit den am 24. Januar in Nauen und am 26. Januar in Beelitz zerstörten Automaten angeht. „Ob es sich um eine Serie von Taten handelt, ist noch unklar, es ist aber nicht auszuschließen“, sagte die Sprecherin.

Erst in der Nacht zu Sonntag hatten Täter auf dem Bahnhof von Beelitz (Potsdam-Mittelmark) einen Fahrkartenautomaten auf noch unbekannte Weise vollständig zerstört. Auch in diesem Fall ist die Schadenshöhe noch nicht ermittelt.

Einem möglichen Täter waren die Ermittler am vergangenen Freitagmorgen schon auf der Spur. In Nauen (Havelland) an der Dammstraße haben Täter ebenfalls auf noch unbekannte Art und Weise einen Fahrkartenautomat gesprengt und eine Rolle Fahrkarten entwendet. „Ein eingesetzter Fährtenhund hat der Spur der Unbekannten auf eine Strecke von mehreren hundert Metern noch folgen können“, sagte die Sprecherin. „Die Täter konnten aber nicht mehr gefasst werden.“

Nach Angaben eines Bahnsprechers kostet die Anschaffung eines Fahrkartenautomaten ungefähr 30.000 Euro. „Der hohe Sachschaden, der durch die Zerstörung entsteht, übersteigt die mögliche Beute um ein Vielfaches“, sagte der Sprecher. Da viele Kunden ihre Fahrscheine mit ihrer EC-Karte bezahlen würden, sei die Summe des Bargeldes in den Automaten nicht besonders hoch. Auch mit der Rolle Blanko-Fahrscheine im Inneren des Automaten könnte man nichts anfangen. „Die Karten werden erst gedruckt, wenn ein Fahrgast einen Fahrschein kauft“, erklärt der Sprecher. Außerdem seien die Fahrkarten mit einer fortlaufenden Seriennummer versehen. „Bei den Fahrkartenkontrollen werden auch die Seriennummern überprüft.“

Über eine Videoüberwachung der Automaten auf den Bahnsteigen wollte sich der Sprecher nicht äußern. Auch sei die Auswertung möglicher Bilder Sache der Polizei und der Staatsanwaltschaft.

Zu der genauen Art und Weise, wie die einzelnen Automaten in die Luft gesprengt worden sind, sagt die Polizeisprecherin aus ermittlungstaktischen Gründen nichts. Aus Ermittlerkreisen war aber zu erfahren, dass überwiegend zwei Methoden verwendet werden. Bei der einen wird Gas in das Innere der Automaten geleitet und dann mit einer Fernzündung zur Explosion gebracht. In anderen Fällen wird das Schwarzpulver von illegalen Silvesterböllern aus dem Ausland genutzt. Damit würden die Täter eigene, wesentlich stärkere Sprengkörper bauen.

Länderübergreifende Polizeiarbeit

Schon im Oktober und November des vergangenen Jahres wurden binnen weniger Wochen drei Automaten auf drei verschiedenen Bahnhöfen in Brandenburg in die Luft gesprengt. Die unbekannten Täter suchten sich ihre Anschlagsziele in Falkensee, Nauen und in Brieselang. Seit einem Jahr kommt es in der Hauptstadtregion immer wieder zu solchen Übergriffen. In einer Vielzahl der Fälle gelangten die Täter nicht an das Geld – doch sie richteten immer große Schäden an.

Auch in Berlin haben die Täter vor einigen Tagen zugeschlagen. Im Bahnhof Albrechtshof in Spandau wurde ein Fahrkartenautomat durch eine Sprengung zerstört. Noch aber gibt es keine Zusammenarbeit der Landespolizei aus Berlin und Brandenburg. Das werde aber bestimmt kommen, sagte die Sprecherin der Polizeidirektion. „Eine übergreifende Zusammenarbeit wird angestrebt.“ Eine Sonderkommission, die sich mit gesprengten Fahrscheinautomaten beschäftigt, gibt es in Brandenburg derzeit noch nicht.