Sanierung

Bald nicht mehr grottig

Günther Jauch spendet eine Million Euro für Sanierung eines Kleinods im Park Sanssouci

Ein passenderes Geschenk zum 302. Geburtstag des Alten Fritz am Freitag hätte sich Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), für den Hohenzollern nicht wünschen können: Eine Million Euro hat Fernsehmoderator und Wahl-Potsdamer Günther Jauch spendiert. Gedacht, um die extrem beschädigte, mehr als 250 Jahre alte Neptungrotte im östlichen Teil im Schlosspark von Sanssouci wieder auf Vordermann zu bringen.

Prunkstück aus dem Jahr 1757

Für die Sanierung des von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff zwischen 1751 und 1757 errichteten Prunkstücks im Barockgarten Friedrichs veranschlagen Fachleute der Stiftung mindestens 3,5 Millionen Euro. „Jauchs Million ist eine Anschubfinanzierung“, sagt Dorgerloh. Und setzt auf weitere sprudelnde Geldquellen. Eine ist bereits angezapft: Auch Gerhard Elsner steuert einen sechsstelligen Betrag zum Wiederaufbau bei. Der Mäzen ist der Stiftung kein Unbekannter. Seit Jahren sorgt Elsner mit seinem Geld dafür, dass Marodes im Park – wie der Normannische Turm oder aktuell der Monopteros auf dem Ruinenberg – wieder instandgesetzt werden kann. Den Rest der benötigten Summe erhofft sich Dorgerloh von den Potsdamern. „Jeder, der sich eine Eintrittskarte für die Potsdamer Schlössernacht kauft, trägt zum Gelingen des Projekts bei.“

Hintergrund: Seit 2004 finanziert die Arbeitsgemeinschaft „Potsdamer Schlössernacht“ aus dem Ticketverkauf alljährlich Restaurierungsvorhaben im Park Sanssouci. „Für zehn Objekte haben wir insgesamt schon rund zwei Millionen Euro eingebracht“, rechnet Reinhard Mann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, auf. „Im Fall der Neptungrotte werden wir unser Engagement auch über einen längeren Zeitraum fortsetzen. Bis 2016“, sagt er. „Das Projekt ist uns eine Herzensangelegenheit. Damit wir die Grotte endlich wieder präsentieren können.“ Abgeschlagener Marmor, darunter roter Ziegelstein, Risse in der Fassade, handtellergroße Löcher an der muschelbesetzten Wand. Nichts, was vorzeigbar wäre. „Deswegen haben wir die Grotte bei jeder Schlössernacht im Dunkeln versteckt.“ Damit soll Schluss sein.

Das wünscht sich auch Stiftungschef Dorgerloh, der in der Neptungrotte mehr als nur ein weiteres Objekt auf seiner Reparaturliste sieht. „Der Standort dieses Schmuckstücks direkt am Obeliskportal ist von entscheidender Bedeutung“, sagt er. Was weithin unbekannt sei: „Hier handelt es sich um den historischen zentralen Eingang und nicht, wie viele vielleicht fälschlicherweise meinen, der an der Historischen Mühle.“ Den Zugang und dessen Umfeld wieder in seinen ursprünglichen herrschaftlichen Zustand zu versetzen, stehe ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Doch noch muss sich Dorgerloh gedulden: Frühestens Ende 2017 sollen die Arbeiten an der Grotte abgeschlossen werden.

Die könnten es aber in sich haben, fürchtet Dirk Dorsemagen, bei der Stiftung Experte für Baudenkmalpflege. Gerade in punkto Statik. Mehrere Beschädigungen hätten dem Bau über die Jahrhunderte empfindlich zugesetzt. Natur und Mensch hätten ihre vernichtenden Spuren an Muscheln, Carrara- und Kauffunger Marmor hinterlassen. Über die Jahrhunderte habe die Grotte Wasser gezogen. „Das Gebäude müsste in einem eigenem Schutzbau untergebracht werden“, sagt Dorsemagen. Denn die Folgen der Witterung, gepaart mit der Mangelwirtschaft in der DDR, sei die Ursache für den verheerenden Zustand der Neptungrotte.

„Restaurateure wollten zu Beginn der 1960er-Jahre das löchrige Kupferdach flicken. Aus Mangel an Kupfer trugen sie die kupferne Originalabdeckung ab, legten stattdessen Bitumenpappe auf“, sagt Dorsemagen. Das Provisorium sei nicht gepflegt worden, Regen sei eingedrungen, das Mauerwerk komplett feucht. Das Ausmaß wurde 1996 deutlich, als die Grotte erstmals umfangreich untersucht wurde und speziell die Marmorelemente unter die Lupe genommen wurden. Ultraschalluntersuchungen der Fachhochschule Potsdam, für die in diesem Sommer die Grotte kurzzeitig eingerüstet wird, sollen weiteren Aufschluss über die tatsächliche Zahl der Schäden geben. „Erst dann können wir wirklich planen“, sagt Dorsemagen. Er befürchtet: „Das Kuppelgewölbe könnte wegen der Nässe instabil sein. Das für eine Sanierung abzunehmen, zugleich aber die Grotte in sicherem Stand zu halten, ist eine Herausforderung.“

Neptun kommt zum Schluss

Fachleute der Stiftung und ein Team aus Freiberuflern stehen bereit. „Interdisziplinär arbeiten“ lautet die Losung bei der umfassenden Schönheitsoperation. Aufatmen will Dorsemagen erst, wenn Neptun aus dem Depot befreit werden kann. Der Marmormann, der mit seinem Dreizack satte 3,4 Tonnen wiegt, wurde neben weiteren Skulpturen beim Neueindecken des Dachs mit Kupfer abgenommen. Konserviert und restauriert soll Neptun zum Abschluss wieder auf das Portal gehoben werden. „Ich will die Wasserspiele wieder in Betrieb sehen“, sagt Dorgerloh.

Die Seitenpfeiler der Grotte sind mit je vier untereinander stehenden muschelförmigen Marmorbecken geschmückt. In diese solle sich aus den Krügen der von Georg Franz Ebenhech geschaffenen marmornen Najaden auf der Plinte des Portals Wasser ergießen und dann kaskadenartig in die unteren Becken hinabfallen. Eine Idee, die zu Lebzeiten Friedrich II. nicht umgesetzt werden konnte. Erst der Einsatz der Dampfkraft hat 1842 die Voraussetzungen für den Betrieb der Wasserspiele im Park Sanssouci ermöglicht.