Präparate

Weiße Haie, Fächerfische und Elefanten

Thomas Winkler hat sich auf das Präparieren afrikanischer Tiere spezialisiert

Thomas Winkler ist Afrika-Fan. Seit mehr als 20 Jahren fährt der 54-Jährige aus Trebus bei Fürstenwalde mindestens ein-, zweimal dorthin. Doch er macht nicht einfach Urlaub. Die Reisen haben vor allem mit seiner Arbeit als Tierpräparator zu tun. Davon zeugt nicht zuletzt die wetterbeständige Fiberglas-Beton-Nachbildung eines 3,30 Meter hohen Elefanten in Winklers Garten. Wie die Fauna der afrikanischen Savanne ansonsten so aussieht, davon bekommen Besucher einen Einblick im Ausstellungsraum des Präparators. Zebras, Löwen und Wasserbüffel wirken lebensecht, ebenso die Bewohner von „Afrika unter Wasser“. Riesige Schwertfische, furchteinflößende Haie, eine Meeresschildkröte und exotisch-bunte Exemplare scheinen gerade erst aus dem Meer gefischt worden zu sein.

Trocknung dauert drei Monate

Für Sportangler sei der Kontinent ein „wahres Mekka“ und das Präparieren großer, exotischer Fische die wirkliche Herausforderung, erzählt Winkler, der mit der Methode des Gefriertrocknung arbeitet. Drei Monate dauert es, die Außenhaut der ausgenommenen Tiere schonend zu trocknen, ohne dass sie ihre Form verliert. Abschließend wird sie über einen Hartschaumkörper gezogen. Inzwischen kombiniert er die Gefriertrocknung auch bei Reptilien und kleinen Säugetieren mit einer Methode, die derzeit vor allem an Universitäten und wissenschaftlichen Instituten praktiziert wird: Das in den Zellen der Tierkörper enthaltene Wasser wird durch Wachs ausgetauscht.

„Die Präparate bleiben formstabil und sie stinken nicht, denn das Wachs ist geruchlos“, erzählt Winkler. Zwar sei die Methode sehr zeitaufwändig, denn die Tiere müssten für die Wasser-Wachs-Osmose drei Monate im Vakuum-Gefriertrockner bleiben. Das Ergebnis allerdings sei überzeugend. „Details wie Nase, Pfoten oder eben die Barthaare musste ich bei den Nachbildungen bisher stets neu modellieren, was sehr knifflig war. So aber bleiben sie erhalten und auch quasi in Wachs konserviert.“

Aktuell arbeitet er an einem farbenfrohen Fächerfisch, den seine Frau beim jüngsten Afrika-Besuch gefangen hat. Das mehr als einen Meter lange und 50 Kilogramm schwere Tier mit dem markanten spitz zulaufenden „Schnabel“ ähnelt auf den ersten Blick einem Schwerfisch. Charakteristisch ist jedoch die segelartige türkisblaue Rückenflosse, die das Tier nach Belieben auf- und zuklappen kann. „Segel- oder Fächerfische sind spektakulär schön“, schwärmt Winkler. Sie dürfen auch ausgeführt werden, gelten als „Anglertrophäen“.

Präpariert hat der gelernte Baufacharbeiter und Fliesenleger schon Tiere aller Art – vom kleinen Zaunkönig oder einem winzigen Molch bis hin eben zum riesigen Elefanten. Deutschlandweit bekannt wurde er vor Jahren allerdings durch die Reproduktion eines weißen Hais, nach Angaben des Präparators des größten jemals gefangenen Tieres dieser Art. Winkler kam am Strand von Kenia zufällig dazu, wie einheimische Fischer das 6,30 Meter lange und zweieinhalb Tonnen schwere Tier an Land zogen. Geistesgegenwärtig machte der Trebuser einen Abdruck aus Silikon und gewann damit eine perfekte Form für die Reproduktion. Seine zähnefletschende, täuschend echt wirkende Kopie des weißen Hais aus Fiberglas, in Airbrush-Technik bemalt, verlieh Winkler zu Dekorationszwecken an Einkaufszentren, Fernsehproduktionen und für Messen.

Die Zeiten, in denen er mit dieser Nachbildung für Aufsehen sorgen konnte, sind lange vorbei. Winklers Afrika-Faszination hingegen wird immer größer. „Das tropische Klima, die Touren in die Savanne, wo man hautnah Tiere trifft, die man sonst nur aus dem Zoo oder dem Fernsehen kennt – einfach unbeschreiblich“, schwärmt der Ostbrandenburger, der auch andere daran teilhaben lässt. Er hält Vorträge, zeigt selbstgedrehte Videofilme und organisiert individuelle Reisen nach Kenia oder Tansania, die sich so in keinem Katalog finden lassen.

Mobiliar im Safari-Stil

Bei ihm zuhause sieht es nicht nur aufgrund der Präparate ein bisschen aus wie in Afrika. Vasen, Zeichnungen und vor allem Mobiliar im Safari-Stil dominieren die Winklersche Einrichtung. Auf den ersten Blick wirken Sofas und Sessel, als wären sie aus dickem, schweren Bambus-Gerüst gefertigt. „Die sind in Wahrheit aus Kunststoff und damit viel handlicher und auch preiswerter“, sagt er. Auf die Idee für diese Imitate ist Winkler durch seine eigentliche Arbeit als Präparator gekommen. „Inzwischen will keiner mehr seine Trophäe quasi nur noch als Kopf auf einem Holzbrett an die Wand hängen“, sagt er. Statt dessen würden Ganzkörper-Präparate mit gestaltetem Hintergrund gewünscht – künstliche Fels- oder Flusslandschaften, Savanne oder Bambuswälder.

Winkler hat diese Idee einfach weiterentwickelt. Hauptberuflicher Möbel-Designer will er dennoch nicht werden, träumt hingegen von der Reproduktion eines riesigen Wals. Das, so sagt er, wäre nach dem weißen Hai noch einmal eine echte Herausforderung für ihn als Präparator.