Filmförderung

„Die Länder müssen noch eine Schaufel drauflegen“

Zehn Jahre nach seiner Gründung fordert das Medienboard mehr Unterstützung vom Staat, um konkurrenzfähig zu bleiben

Tom Hanks, Brad Pitt, Hugh Grant, George Clooney – sie alle standen schon in den legendären Studios in Babelsberg vor der Kamera. Ermöglicht hat dies auch die Filmfördergesellschaft Medienboard Berlin-Brandenburg. Aber zehn Jahre nach ihrer Gründung hat Chefin Kirsten Niehuus jetzt vor nachlassender Unterstützung durch die Politik gewarnt. „Wir haben es im Filmgeschäft an die Spitze geschafft. Wollen wir das Niveau halten und bundesweit als auch international konkurrenzfähig bleiben, brauchen wir stärkere Fördermöglichkeiten“, sagte Niehuus.

Länder sind gefordert

Wolle man die Größenordnung der Produktionen sichern, müssten die Länder Berlin und Brandenburg, die derzeit zu dem Gesamtbudget der Fördergesellschaft rund 21,7 Millionen Euro beisteuerten, „noch eine Schaufel drauflegen“, sagte Niehuus. Zwar würden nirgendwo in Deutschland so viele Filme produziert. Aber auch andere Medienstandorte rüsteten auf. So habe beispielsweise Bayern ein Spezialprogramm für internationale Coproduktionen aufgelegt, um auch mehr Großproduktionen zu akquirieren. Das verschärfe natürlich die Konkurrenz unter den Regionen, die alle große Produktionen haben wollten, um die in ihren Ländern ansässigen Filmgesellschaften zu fördern. Der Wettbewerb sei hart.

Um große internationale Projekte zu bekommen, müssten vor allem auch die Kappungsgrenzen des Deutschen Filmförderfonds (DFFF) wegfallen, forderte Niehuus. Solche Fördermittel hätten sich in den vergangen sieben Jahren grundsätzlich bewährt und enorme wirtschaftliche Effekte erzielt. Nun sei es „aber an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen“. Mit der bisherigen Fördergrenze von insgesamt zehn Millionen Euro wäre Deutschland schlechter gestellt als beispielsweise England, wo gerade die Mittel erhöht wurden.

Die Filmregion in und rund um die Hauptstadt hat eigentlich gute Karten in dem Spiel um große Player der Szene. 2013 galt zudem als ein wirklich außergewöhnliches Jahr für das Medienboard, auch, was die Mischung der geförderten Produktionen anlangte. Die Akquisiteure lockten auf der einen Seite große Produktionen wie „Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson und „Monuments Men“ von George Clooney ins Studio Babelsberg. Zugleich gab es auch so viele erfolgreiche deutsche Filme wie lange nicht mehr. Zu erwähnen sind dabei auch die künstlerischen Erfolge bei den Festivals. „Es ist ein Glück, so viele unterschiedliche Kategorien von Filmen gleichzeitig ins Schaufenster der Publikumsöffentlichkeit legen zu können. Das zeigt, welche Vielfalt von Filmemachen es hier in der Branche gibt“, sagte Niehuus.

Doch reichen die zurückliegenden Erfolge, um auch den Erfolg der Förderer in 2014 zu sichern? „Es ist toll, dass sowohl ,Grand Budapest Hotel’ als auch ,Monuments Men’ bei der Berlinale gezeigt werden. Das ist ein kurzer Weg vom Produktionsort bis zum roten Teppich“, resümierte Niehuus. Die Synergien, die hier geschaffen und dann einer Weltöffentlichkeit präsentiert würden, strahlten weit über Berlin hinaus.

Die Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH ist ein staatliches Unternehmen für Filmförderung und Standortmarketing der Länder Berlin und Brandenburg und Ansprechpartner für Film- und Medienschaffende in Deutschlands Hauptstadtregion. Die länderübergreifende GmbH wurde am 1. Januar 2004 mit dem Zusammenschluss von Filmboard und Medienbüro der beiden Länder gegründet und führte damit Filmförderung und Standortmarketing bundesweit erstmals in einem Haus zusammen. Gesellschafter sind je zur Hälfte die Investitionsbanken der Länder Berlin und Brandenburg. Zu den Filmen, die das Medienboard unter anderem förderte, gehören so bekannte Produktion wie Inglourious Basterds, Der Ghostwriter, Unknown Identity oder Til Schweigers Kassenerfolge Kokowääh, Keinohrhasen und Zweiohrküken. Das Filmboard habe eine rasante Entwicklung hinter sich, betonte Niehuus. Vor zehn Jahren sei dies so nicht absehbar gewesen. Die Studiosituation war damals schwierig. Es gab es kaum Publikumsfilme, die hier entstanden sind. Das könne man sich heute indes nicht mehr vorstellen, nachdem Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer in Berlin „sozusagen die Berlin-Komödie geprägt“ hätten. Es sei ein neuer Zeitgeist in die Kinos eingezogen, der vom Lifestyle der Stadt geprägt ist. Das Filmstudio Babelsberg habe darauf reagiert, „sich neu erfunden“ und locke zudem als neuer großer Player Hollywooddarsteller aus der ersten Riege wie Tom Hanks oder George Clooney an. Clooney hatte monatelang während der Dreharbeiten für Monuments Men – ein Film über Kunstfälscherfahnder im Zweiten Weltkrieg – im Soho House in Berlin gewohnt. Die Produktion ist nur einer von vielen Erfolgen der Förderer.

In den vergangenen zehn Jahren gab es deutlich mehr als 500 Auszeichnungen für Filme, die vom Medienboard gefördert wurden, darunter neun Oscars. Zu den internationalen Erfolgen gehörten auch Michael Hanekes mit viel Lob versehenes Werk „Das weiße Band“ und Wim Wenders „Pina“. Wenn man sich die Top Ten der deutschen Filme in diesem Jahr anschaue, sei das Filmboard sogar bei sieben von zehn Projekten vertreten, so Niehuus. Die Chefin der Filmfördergesellschaft stammt aus Hamburg, studierte Jura und startete ihre Karriere als Rechtsanwältin mit den Schwerpunkten Urheber- und Medienrecht. Ihr großes Hobby Film machte sie zum Beruf, als sie 1991 Justiziarin der überregionalen Filmförderungsanstalt (FFA) in Berlin wurde. 1995 wechselte sie für vier Jahre in die Privatwirtschaft zur Senator Film GmbH. Seit 1. November 2004 ist sie Geschäftsführerin des Medienboard Berlin-Brandenburg. In dieser Funktion ist sie seit August 2011 auch Mitglied der Gesellschafterversammlung von German Films.