Kriminalität

„Die Situation bei den Rockern bleibt gefährlich“

Polizei: Junge Kriminelle werden Bandenmitglied

Razzien, Verbote, Auflösungen. Das Jahr 2013 war im Rockermilieu geprägt von Veränderungen. Die Polizei sieht Erfolge. Der Druck soll deshalb bleiben. Nach Einschätzung des Landeskriminalamtes (LKA) hat der Druck auf die Rocker für Unruhe in der Szene in Brandenburg gesorgt. „Es gab zahlreiche Auflösungen und wenig später Neugründungen, meist mit demselben Personenkreis“, sagte Frank Adelsberger vom LKA der Nachrichtenagentur dpa.

Frank Adelsberger, 46, hat seine Laufbahn 1991 im Bundeskriminalamt begonnen und dort bis zum Jahr 2007 gearbeitet. Seit vier Jahren ist er im LKA als Dezernatsleiter für die Bekämpfung der organisierten und schweren Kriminalität verantwortlich.

Herr Adelsberger, wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Das dürfte eine Reaktion auf den verstärkten staatlichen Verfolgungsdruck sein. Zum Teil haben sich Clubs aufgelöst, um Maßnahmen zu entgehen oder temporär aus dem Blickfeld der Polizei zu geraten. Aber natürlich gibt es weiterhin Rockergruppierungen. So löste sich im Juli 2013 der Red Devils MC East Border (RDMC) mit Sitz in Eberswalde auf. Bereits im August und September wurden jedoch insgesamt vier Charter des RDMC in Cottbus, Seelow, Templin und Schwedt gegründet. Die Angehörigen der drei letztgenannten Charter rekrutieren sich alle aus dem aufgelösten Charter. Im vergangenen November gründete sich zudem der Potsdamer Club der Hells Angels neu, der sich 2012 aufgelöst hatte. Insgesamt sind derzeit etwa 370 Rocker in Clubs der Hells Angel, Bandidos und des Gremium MC aktiv, wobei erstere die stärkste Gruppe darstellt.

Wie gefährlich ist die aktuelle Situation?

Es gab seit Dezember 2011 keine öffentlichkeitswirksamen Auseinandersetzungen mehr zwischen rivalisierenden Gruppierungen. Das ist aus meiner Sicht ein Erfolg, der auf den polizeilichen Druck sowie Verbote durch das Bundes- und das Brandenburger Innenministerium zurückzuführen ist. Die Anzahl der Strafverfahren, die Angehörigen von Rockern zuzuordnen ist, dürfte nach den bisherigen Prognosen in etwa der von 2012 entsprechen. Damals gab es 255 derartige Verfahren. Mehr als 32 Fälle gehörten zur unmittelbaren Rockerkriminalität. Davon sprechen wir, wenn Straftaten nicht nur im Interesse des einzelnen Mitglieds, sondern auch des jeweiligen Clubs begangen werden, beispielsweise bei Rauschgiftdelikten oder Schutzgelderpressung. Abschließende Zahlen für 2013 liegen mir aber noch nicht vor.

Hat sich damit die Situation inzwischen entspannt?

So lange die Rocker ihren Geschäften nachgehen, bleibt die Situation gefährlich. Sie werden weiterhin in allen Bereichen aktiv sein, wo sich Geld verdienen lässt. Nahezu klassisch sind die Bereiche Türsteher, Tattoo-Studio und Rauschgiftkriminalität. Personen, die sich selbst erpressbar machen, beispielsweise Rauschgiftdealer, können damit rechnen, Opfer von Schutzgelderpressung durch Rocker zu werden.

In Berlin oder beispielsweise auch in Nordrhein-Westfalen ist eine Veränderung der Mitglieder-Struktur bei den Rockern zu beobachten. Wie sieht das in Brandenburg aus?

Wir haben hier kaum Mitglieder mit Migrationshintergrund, die eine neue Rocker-Mentalität mit anderen Werten prägen. Hier gibt es noch mehr die Old-School-Rocker – vor allem im Raum Cottbus, wo sich nach der Wiedervereinigung das erste Charter der Hells Angels in Ostdeutschland gegründet hatte. Allerdings gibt es eine gewisse Einflussnahme von Rockern mit Migrationshintergrund aus Berlin. Aber natürlich gibt es auch hier eine gewisse Generationenveränderung. Wir beobachten, dass bei den jüngeren Mitgliedern Leute hinzustoßen, die sich ohnehin schon im kriminellen Milieu bewegen.