Stadtplanung

Heimathafen Teltow

Stadt plant den Bau einer Marina für 6,5 Millionen Euro. Kritiker sprechen von „elitärem Projekt“

Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) steht zwischen Nelson Mandela und Willy Brandt und zeigt in Richtung Teltowkanal. Dort unten, am Wasser, will die Stadt ab Ende 2014 ihr größtes Projekt nach dem S-Bahn-Anschluss von 2005 verwirklichen: den Bau eines Hafens, einer kleinen Marina mit 39 Bootsliegeplätzen. „Teltow wird dann mit dem Schiff, der Bahn, dem Auto und dem Fahrrad erreichbar sein“, sagt Schmidt. „Nur einen Flugplatz bauen wir nicht.“ Derzeit stehen auf dem künftigen 10.321 Quadratmeter großen Hafen-Gelände noch 130 Teile der Berliner Mauer. Zum größten Teil sind sie bemalt. Die Kunstwerke müssen in etwa einem Jahr anderswo einen Platz finden. Auch Nelson Mandela und Willy Brandt, falls sie bis dahin noch nicht verkauft sind.

Die beiden Idole hat der Künstler Victor Landeta auf den geschichtsträchtigen Beton gebannt. Ein paar Meter weiter leuchten Bürgermeister Schmidt in der milden Wintersonne die dicklippigen Figuren des Mauerkünstlers Thierry Noir entgegen. Seine Werke kennen viele von der East Side Gallery.

Eidechsen werden umgesiedelt

Eine Baustofffirma hatte die Mauerstücke Anfang der 90er-Jahre aus der Konkursmasse der Nationalen Volksarmee aufgekauft, um sie als Boxen für Schüttgut zu verwenden. „Bei einem Glas Wein“, erzählt Elmar Prost, der Geschäftsführer der Baustoffwerke Klösters, „ist die Idee entstanden, die Mauerteile von Künstlern bemalen zu lassen.“ Mittlerweile kann jeder Interessierte einen Nutzungsvertrag abschließen, immer für ein halbes Jahr. So mancher hat seine Werke anschließend verkauft. Der Baustofffirma steht stets ein Drittel des Erlöses zu. Vier Segmente waren Anfang Oktober nach Südkorea verschifft worden. Als Symbol für die deutsche Wiedervereinigung. Prosts Unternehmen hat für die Hafenpläne 12.000 des 73.000 Quadratmeter großen Firmenareals an die Stadt verkauft. Zu welchem Preis, wollen weder er noch die Stadt sagen.

Von dem künftigen Hafen träumt Bürgermeister Schmidt seit Jahren. Es gab ihn schon mal an dieser Stelle. Allerdings als Industriehafen, bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals wurde vor allem Kohle umgeschlagen. „Wir wollen zwischen dem Tempelhofer Hafen und Potsdam ein neuer Anlaufpunkt für Freizeitkapitäne werden“, sagt Schmidt. Die Bootsbesitzer werden nach den derzeitigen Plänen 20 Gastliegeplätze und 19 Dauerliegeplätze im 4619 Quadratmeter großen Hafenbecken vorfinden. Auch ein gastronomisches Angebot wird es geben. Einen kleinen Biergarten etwa. Die Gastronomie ist östlich des Hafenbeckens vorgesehen. Außerdem geplant sind ein Hafenmeisterbüro und ein Sanitärgebäude. „Der Hafen soll für die Öffentlichkeit erlebbar sein“, sagt der Bürgermeister.

Die Marina, an die sich maritimes Gewerbe anschließen soll, will die Stadt selbst bauen. Geplante Kosten: rund 6,5 Millionen Euro. „Die Investitionsbank des Landes fördert das Vorhaben mit über einer Million Euro“, erläutert Bürgermeister Schmidt. Die Kommune muss also etwa 5,4 Millionen Euro selbst aufbringen. Die ersten Skizzen fertigte das Teltower Ingenieurbüro für Stadtplanung, Wieferig&Suntrop, an. Der Hafen soll privat betrieben werden. Das Projekt ist europaweit auszuschreiben.

Die Stadtverordneten haben der Investition mehrheitlich zugestimmt. Mit den Stimmen von SPD, CDU und FDP. Die Grünen sind dagegen, Teile der Linken auch. Das Projekt verschlinge zu viel Geld, so die Kritiker. Dem hält Bürgermeister Schmidt entgegen, dass „Teltow finanziell gut dasteht und keine wichtigen Aufgaben vernachlässigt hat“. Die Stadt habe in den vergangenen zehn Jahren 24 Millionen Euro in die Infrastruktur gesteckt. Die Pro-Kopf-Verschuldung betrage 18 Euro und liege unter dem Landesdurchschnitt. Das sei einer sparsamen Haushaltspolitik und den Gewerbesteuereinnahmen zu verdanken. So arbeiten allein auf dem größten zusammenhängenden innerstädtischen Gewerbegebiet Brandenburgs, dem „Techno Terrain Teltow“, wieder 7000 Menschen in mehr als 200 Unternehmen.

Der Bau der Marina stößt bei einigen Stadtverordneten auch deshalb auf Vorbehalte, weil von dem Hafen womöglich nur ein elitärer Kreis profitieren könnte. „Ich kann keinem Projekt zustimmen, bei dem sich die Teltower Bürger die Nase an der Scheibe platt drücken“, soll ein Kommunalpolitiker der Linken/Umweltaktive in einer Stadtverordnetensitzung erklärt haben. Das weist der SPD-Wahlkreisabgeordnete und wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Sören Kosanke, zurück. „Die Marina wird nicht nur für die Bootsbesitzer, sondern auch für andere Gäste – darunter die Teltower – zum Anziehungspunkt.“

Vor allem die Bündnisgrünen sind gegen den Hafenbau. „Es kann auf keinen Fall sein, dass wir als Geschäftsbesorger wohlhabender Investoren gegen die Bürger handeln und dabei auch noch Millionen Steuergeld verschwenden“, sagt der Grünen-Stadtverordnete Eberhard Adenstedt. „Offensichtlich ist man inzwischen gewillt, einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz in Kauf zu nehmen, um den viel zu engen Zeitplan halten zu können“, kritisiert Adenstedt. Dabei würden streng geschützte Arten in größerem Umfang vernichtet. Dies beträfe unter anderem die Zauneidechse. Der Bürgermeister hingegen verweist auf die geplante Umsiedlung der Eidechsen. Sie sei in Absprache mit dem Landesumweltamt für nächstes Jahr geplant.

Nicht nur die Zauneidechsen, auch die Mauerteile sollen einen neuen Platz finden. „Sobald der Bau des Hafens beginnt, werden wir die Segmente erst einmal auf unser Grundstück Richtung Betonwerk umsetzen“ , sagt ihr Besitzer Elmar Prost. Was später mit ihnen passiert, das stehe noch nicht fest.