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Auf der Suche nach dem perfekten Duft

Ein Seelower Unternehmer stellt Papier her, das nach Spekulatius riecht – und forscht an anderen Aromen

In dem kleinen Büro von Klaus-Josef Oberbörsch denkt der Besucher sofort an Weihnachten. Dabei hat der Unternehmer nicht etwa für das bevorstehende Fest dekoriert. Schuld an dem Gefühl ist ein dezent-würziger Zimt-Apfel-Duft. „Genau genommen riecht es nach Spekulatius“, sagt der 55 Jahre alte Geschäftsführer der Firma innova-paper-form GmbH und zeigt auf eine Klappkarte aus festem Papier mit der Aufschrift „Fröhliche Weihnachten“.

Seit Jahren suchen er und seine drei Mitstreiter nach dem perfekten Duft, der je nach Zweck ein Wohlgefühl vermittelt – nach einem nagelneuen Auto, in dem man erstmals sitzt, nach einer Sommerwiese, die dem Betrachter aus einem Wellnessbuch entgegenströmt, nach frischem Holz beim Blättern in einem Möbelkatalog. Duftendes Papier für die unterschiedlichsten Werbezwecke wird in einem Raum der alten Seelower Käserei entwickelt, wo die Firma innova-paper seit einigen Jahren forscht und experimentiert. Dort duftet es wie in einer Parfümerie. Aufgereiht stehen dort mehr als ein Dutzend unterschiedliche Duftfläschchen. Diesen Duft konserviert der Papiertechnologe dann in Werbeflyern, Katalogen sowie Kalendern. „Unser Papier wird nicht beduftet, sondern der Duft wird schon bei der Papierherstellung molekular eingebunden“, erklärt er. Vorteil dabei: Der Duft entfaltet sich tatsächlich erst, wenn er mit Luft in Berührung kommt – ohne mühsames Reiben mit dem Finger oder ähnlicher Tricks.

Ruhe und Geborgenheit

Durch den Duft angeregt werden Gefühle und Emotionen, davon sind die Seelower Forscher überzeugt. Mit der Spekulatius-Weihnachtskarte hat Duft-Designerin Monica Flister erstmals ein Produkt entwickelt, das tatsächlich auf dem Markt ist. Es wird über die Firma „flyeralalarm“ im Internet vertrieben und soll neben der Vorfreude auf Weihnachten auch Ruhe und Geborgenheit vermitteln. Der Empfänger der Karte speichert laut Oberbörsch den Duft mit Hilfe seiner Rezeptoren, verbindet ihn mit dem Inhalt des Schreibens und erkennt ihn auch bei geringerer Duftstärke wieder.

„Der Duft im Papier darf nicht penetrant, sondern nur dezent sein, damit er dem Konsumenten nicht über wird“, sagt die Fachfrau und erklärt, dass bei der Papierveredlung ätherische Öle zugesetzt werden. Wie genau, das sei die Kunst. „In sogenannten Streichmaschinen wird das Papier beschreibbar und duftend gemacht, die Streichfarbe umfasst die unterschiedlichsten Komponenten“, ergänzt Oberbörsch, dessen Angaben nach innova paper dafür mit sechs Parfüm-Spezialisten zusammenarbeitet. „Einen geeigneten Duft zu entwickeln, ist eine langwierige Sache – zumal er in Papier wieder ganz anders riecht“, sagt der Unternehmer. Inzwischen habe seine Firma ein Verfahren entwickelt, mit dem feine, unterschwellige Gerüche in Papier gebunden werden und ihre Intensität steuerbar ist.

Oberbörsch kennt sich aus in Sachen Papier, hat eigenen Angaben nach jahrelang bei einem „Nobelpapierhersteller“ seines Heimatortes Bergisch-Gladbach gearbeitet, der auf Spezialanfertigungen ausgerichtet war. Bereits vor acht Jahren hat er sich selbstständig gemacht, war dazu nach Berlin umgezogen, um an Verfahren zur Veredlung von Papier zu forschen. Nach Seelow verschlug es den 55-Jährigen schließlich wegen der günstigen Konditionen für Büro und Labors.

„Im Berliner Speckgürtel sind solche Immobilien extrem teuer, die ehemalige Käserei bot mir bisher ideale Bedingungen“, sagt er. Eine eigene Produktionsstätte hatte innova paper bisher nicht. Die Spekulatius-Weihnachtskarte in Kooperation mit einer Fremdfirma ist nur der Anfang. Im nächsten Jahr wird mit eigenen Maschinen in Süddeutschland produziert, eine kleine Produktionsstätte zu Show- und Werbezwecken ist auch in Brandenburg geplant. Derzeit sucht die Firma nach dem geeigneten Standort.

„Wir kommunizieren in Papier“, sagt Oberbörsch, dessen Angaben nach er wöchentlich Anfragen interessierter Unternehmen erhält, die Duftpapier zu Werbezwecken einsetzen wollen. „Wir können dem Markt jeden Duft mit entsprechenden Wirkungskomponenten zur Verfügung stellen“, verspricht er. Um die Wirkungsweise von Düften zu untersuchen, hat er auf Messen beispielsweise bereits vier verschiedene Kaffeegerüche an Besuchern getestet. „Der Kaffeestand nebenan hat davon profitiert, die Leute bekamen Lust drauf.“

Duft-Designerin Flister arbeitet gerade an sogenannten Schlaf-Düften, also Gerüchen, die entspannend wirken und beim Einschlafen helfen sollen. Namhafte Hotels haben bereits ihr Interesse bekundet. „So ein Duftpapier liegt in Folie verpackt im Zimmer, der Hotelgast holt das Kärtchen beim Zubettgehen aus der Verpackung und stellt es auf“, beschreibt sie. Vorteil an dem Verfahren der Firma ist demnach, dass der Duft nicht sofort verfliegt. „Wir können bei der Herstellung die Dauer des Duftes steuern“, sagt Oberbörsch. Die Schlafkarte soll die ganze Nacht hindurch wirken. Der Spekulatius-Duft der Weihnachtskarte hält gar einige Wochen. Ein weiteres Projekt von innova paper sind Papier-Düfte, die Kindern beim Lernen helfen sollen und ihre Aufmerksamkeit fördern. Da ist die Firma allerdings noch in der Experimentierphase.