Bildung

„Meilenstein in der Geschichte der Wissenschaft“

Festakt für Jüdische Theologie an Uni Potsdam

Das erste Institut für jüdische Theologie an einer staatlichen Universität in Deutschland ist am Dienstag in Potsdam mit einem Festakt offiziell eröffnet worden. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die „School of Jewish Theology“ der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam in der Festschrift als „Meilenstein in der Wissenschaftsgeschichte“ und in der Geschichte des deutschen und europäischen Judentums. Die Gleichstellung der jüdischen, islamischen und christlichen Theologien in der Universitätswelt trage dazu bei, dass der interkulturelle Dialog zwischen den Religionen nun auch auf gleichberechtigter akademischer Basis geführt werden könne, betonte Gauck: „Hier entsteht etwas, was für unser ganzes Land, über die akademische Welt hinaus, Bedeutung hat.“

Zu der Feier im Auditorium Maximum der Universität Potsdam waren rund 400 Gäste geladen, darunter Bundeswissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU), Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) und der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman.

Die Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum, Margot Käßmann, sagte in ihrer Festrede, mit dem Institut für jüdische Theologie sei der Ausgangspunkt für eine Begegnung der Religionen auf Augenhöhe geschaffen worden. Religiöser Fundamentalismus gleich welcher Prägung „schätzt Bildung und Aufklärung nicht“, betonte Käßmann: „Gerade deshalb brauchen wir wissenschaftliche Theologie an öffentlichen Universitäten.“ Wissenschaftsministerin Kunst würdigte das Institut als weltweit einzigartigen Ort der gemeinsamen Ausbildung liberaler und konservativer Rabbiner. Damit entstehe auch ein „neuer und wertvoller Baustein in der brandenburgischen Wissenschaftslandschaft“.

„Für die Universität Potsdam und unser Land beginnt etwas vollkommen Neues“, sagte der Präsident der Hochschule, Oliver Günther. Er wünsche sich ein „weiteres Aufblühen jüdischen Lebens in Deutschland“. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einem historischen Moment. „Was es weltweit nur in Brandenburg gibt, ist die gemeinsame Ausbildung liberaler und konservativer Rabbinnerinnen und Rabbinner“, sagte der Regierungschef. „Europaweit entsteht hier der derzeit einzige Studiengang für Kantoren.“ Dafür musste der Landtag eigens das Hochschulgesetz ändern, damit bekenntnisgebundene Berufungen der Professoren möglich wurden.