Kosten

Bäder kommen Kommunen teuer zu stehen

Viele Städte klagen über hohe Kosten und Gästemangel

Ein Hallenbad, in dem die Besucher zügig Bahn um Bahn schwimmen und dann nach Hause gehen – in Brandenburg ist das eher ein Auslaufmodell. In den vergangenen Jahren ist der sportliche Aspekt vielerorts in den Hintergrund gerückt. Wie eine Umfrage ergab, orientieren sich die Bäderbetreiber verstärkt an Freizeiteinrichtungen. „Gerade Familien kann man mit Schwimmen als Volkssport nicht mehr überzeugen“, sagte etwa Klaus-Dieter Kurrat, Geschäftsführer des „Wildorado“-Schwimmbades in Wildau (Dahme-Spreewald). Deshalb sei in seinem Bad schon 2007 eine Riesenrutsche installiert worden. Auch die Sauna und das Wasserfahrradfahren kämen bei den Besuchern gut an.

Neue Angebote reichen jedoch meist nicht aus, um genügend Gäste anzulocken. „Ein kostendeckender Betrieb ist kaum möglich“, betonte Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg. Unter dem Strich würden die Bäder eine hohe Belastung für die Kommunen bedeuten, vor allem die Betriebskosten würden heftig zu Buche schlagen. „Die übersteigen oftmals schon nach drei, vier Jahren die Investitionskosten“, erläuterte Böttcher. Zwar seien die Bäder wichtig für das Gemeinwohl, ihre Anzahl sei im Land aber deutlich zu hoch. „Ende der 1990er Jahre wurde intensiv gefördert, aber nicht darauf geachtet, welche Kosten folgen“, kritisierte er die Bäderplanung der Landesregierung.

Mängel und Investitionen

Nach Angaben des ehemals zuständigen brandenburgischen Bildungsministeriums gibt es 36 Hallenbäder im Land. Bis 2009 wurden mehr als 275 Millionen Euro in die Bäder investiert. Das Land stellte 170 Millionen Euro bereit, der größte Teil des Fördergelds stammt aus dem EU-Regionalfonds. Damit seien alle Bäder seit 1990 modernisiert oder sogar neu gebaut worden.

Trotzdem ist nicht jede märkische Schwimmhalle in einem makellosen Zustand. Gerade Besucher kleinerer Anlagen auf dem Land müssen oft mit Mängeln zurechtkommen – so auch im Freizeitzentrum in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin). Gerade erst wurden das neue Dach, die Fassadendämmung und das Foyer für insgesamt 460 000 Euro fertiggestellt. Zuvor waren bereits die Sanitäreinrichtungen und Umkleidebereiche für rund 450 000 Euro modernisiert worden – viel Geld für eine Kleinstadt.

„Wir bemühen uns ständig, neue Fördermittel zu sammeln“, berichtete Bürgermeister Jörg Gehrmann. Um Betriebskosten zu sparen, müsse künftig vor allem die 26 Jahre alte Schwimmbadtechnik erneuert werden. „Die Schwimmhalle soll auf jeden Fall erhalten bleiben“, sagte Gericke. Zu wichtig sei das 25 Meter lange Becken für den Schulschwimmunterricht und den Vereinssport in der Region. „Es ist kein Luxus, den sich die Stadt damit leistet. Es ist wichtig für die Lebensqualität.“

Auch in Brandenburg an der Havel wird am Marienbad festgehalten. Zwar wurde die Einrichtung im vergangenen Jahr rund 340 000 mal besucht, trotzdem musste die Stadt einen Zuschuss von 850 000 Euro zahlen. „Die neuen Bäder in Werder und Potsdam werden uns als künftige Mitbewerber aber viel größere Probleme bereiten“, warnte Werkleiter Fred Ostermann.

Bislang habe sich das Marienbad als sportlich ausgerichtetes Freizeitbad für Familien in der Region gut eingefügt. Die umliegenden Hallenbäder würden jeweils andere Zielgruppen ansprechen. Ohne Saunalandschaft, Fitnesskurse und besondere Veranstaltungen komme jedoch kein Schwimmbad mehr aus.

Am Brauhausberg in Potsdam schräg gegenüber des Hauptbahnhofs soll seit Jahren ein neues Stadtbad entstehen. Es ist unterhalb der derzeitigen Schwimmhalle geplant. 2014 soll mit dessen Bau begonnen werden, Ende 2016 soll es eröffnen. Nach der Jahrtausendwende war für die Realisierung der brasilianische Stararchitekt Oscar Niemayer im Gespräch. Aber der Entwurf des 2012 verstorbenen Baumeisters galt als zu teuer, es gab einen neuen Wettbewerb.