Filmhochschule

Managerin der großen Bilder

Susanne Stürmer ist die neue Präsidentin der Hochschule für Film „Konrad Wolf“

Raus aus dem „Wünsch-Dir-Was-Modus“ will Susanne Stürmer. Den lang gehegten Plan endlich umsetzen – und künftig nicht mehr der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (HFF), sondern der ersten Filmuniversität Deutschlands vorstehen. Die Chancen dafür, dass die HFF zur Universität wird, stünden nicht schlecht. So interpretiert die 49-Jährige zumindest die Signale aus dem Wissenschaftsministerium. „Das Spezifische, das eine Universität von einer Hochschule unterscheidet, müssen wir noch stärker herausarbeiten – und damit unterstreichen, welche Bedeutung dem Film in der Gesellschaft heute zukommt“, sagt sie. Nicht das einzige Thema, das die neue Präsidentin der HFF auf ihrer Liste der Dinge hat, die sie anpacken möchte.

Vor eineinhalb Monaten hat die gelernte Volkswirtin auf dem Chefsessel in der vierten Etage der Hochschule Platz genommen. Gelegenheit, durch die verglaste Innenwand auf die Köpfe der 447 Studierenden zu blicken, die im Beton-Stahl-Bau an der Marlene-Dietrich-Allee das Filmhandwerk erlernen, hat sie kaum. Die Vorstellungsrunden in den Abteilungen und den zwölf Studiengängen nehmen die Wahlberlinerin in Anspruch. Gespräche, die bei Stürmer Priorität genießen. Kennenlernen will sie die Institution, die ihr nicht absolut neu ist. Seit 2011 hat sie an der HFF die Professur für Neue Medien inne. „Die Freude, mit diesen klugen Köpfen zusammenzuarbeiten, war einer der Gründe, das Stellenangebot anzunehmen“, sagt Stürmer. Die Frau aus der Wirtschaft hatte es zunächst verworfen, nach einiger Bedenkzeit aber festgestellt, dass sie das Amt der Präsidentin doch reizen würde. Zur Freude des Senats der Hochschule, der einstimmig für die Wunschkandidatin votierte.

Seitdem sind die hellen Holzstühle, die zu den wenigen privaten Stücken gehören, die Stürmer in ihr kleines quadratisches Büro gestellt hat, ständig besetzt. „Intelligente Menschen wollen überzeugt werden. Dafür braucht es nicht nur gute Argumente, sondern vor allem Zeit für die Diskussion“, sagt Stürmer. Die so einige Veränderungen in der HFF im Sinn hat. Etwa die Reduzierung von drei auf zwei Fakultäten. „Um noch enger zusammenzurücken, noch effektiver miteinander kommunizieren zu können.“ Offene Türen habe sie mit diesem Wunsch eingerannt, was sie nicht erwartet hatte. Überhaupt, die Türen, die auf gemeinsame Flure führen. Verwaltung, Lehre und praktische künstlerische Produktion unter einem Dach.

„Ungewohnt, aber faszinierend“ für Stürmer, die ehemalige Geschäftsführerin der UFA Film & TV Produktion. „Dreharbeiten waren in unserem Bürogebäude nicht präsent“, sagt Stürmer, die den Vorteil der kurzen Wege jetzt zu schätzen weiß. Auf ihrem Schreibtisch stapelt sich Papier. Darunter die aktuelle HFF-Studie. Alle zwei Jahre sind die Studenten aufgefordert, ihre Hochschule zu bewerten. Kritik, die Stürmer wichtig ist. Studien- und Rahmenbedingungen will sie mittels der Studie analysieren – von den Öffnungszeiten der Bibliothek bis zum Mensaessen. Jede Anregung, jedes noch so kleine Detail will sie wissen. „Mehr als 92 Prozent unserer Studierenden haben angegeben, gern an der HFF zu studieren.“ Sich darauf ausruhen? Energisch schüttelt sie den Kopf, schiebt die Brille in Richtung Nasenwurzel. „Qualitätsmanagement“ ist ihr auch wichtig. Das will sie umsetzen, Stück für Stück. „Es muss schließlich auch das Alltagsgeschäft bewältigt werden.“

Das wird an der HFF aktuell noch von der Umwandlung früherer Diplom- in Bachelor- und Master- Studiengänge bestimmt. „Der Prozess ist im Großen und Ganzen gelungen. Jetzt geht es um die Feinjustierung“, sagt Stürmer. „Es gibt eine Menge Baustellen, aber vermutlich keine, die nicht in den Griff zu bekommen ist.“ Manches sei ihr sogar zugefallen, so wie der geplante, dringend notwendige Anbau. „Die Genehmigungen liegen vor. Im nächsten Jahr ist Baubeginn, die Fertigstellung für 2016 geplant.“ Auch die Kantine soll dort Platz finden. „Dort können wir selbst kochen.“ Ein Anreiz für Stürmer, dann nicht mehr wie üblich Nüsse kauend ohne Pause durchzuarbeiten. Wobei: „Die Stunde, die ich mittags einspare, muss ich abends nicht dranhängen.“ Stürmer denkt an ihre Kinder, 11 und 13 Jahre alt. „Die stehen für mich an erster Stelle“, sagt sie, ohne zu zögern. Obwohl sie derzeit mehr Zeit für den Beruf aufbringe als für die Familie.

Stürmer als die Frau am Steuerrad der HFF. So wird es verlangt und wahrgenommen. Gerade auch von außen. Die Repräsentationspflichten nehmen viel Zeit in Anspruch. Doch für sie ist das kein Grund zum Klagen. „Die HFF muss Gesicht zeigen, muss noch stärker in der Branche wahrgenommen werden.“ Mit neuen Kooperationen will Stürmer ansetzen. Vor allem mit Praktikern wie dem Potsdamer und Softwaremilliardär Hasso Plattner. Weitere Partner sollen folgen. Wichtig sei das nicht nur fürs Image der HFF auf nationaler wie internationaler Ebene. Den Nutzen sieht Stürmer vor allem für die Studenten. „Wir wollen den Fokus nicht nur aufs Kino richten, sondern uns intensiv mit Neuen Medien und auch dem Fernseh- oder Werbefilm auseinandersetzen.“

Das sei auch nötig, sagt sie als Kennerin des Marktes. „Gerade weil die Branche im Umbruch ist.“ Für Stürmer ist es das einzige Mal, dass sie die Arbeit an einer Hochschule als zweischneidiges Schwert bewertet: „Aktuell werden die Hochschulverträge für 2014 bis 2018 neu verhandelt.“ Die Finanzierung für die kommenden fünf Jahre werde festgelegt. „Einerseits hat die Planungssicherheit für diesen Zeitraum etwas Positives. Andererseits ist das eine extrem lange Zeit, wenn man den sich rasant wandelnden Markt betrachtet.“ Stürmer zuckt gelassen die Schultern. „Ich sehe es als Herausforderung.“