Kriminalität

Neuer Misshandlungsvorwurf gegen Haasenburg-Heim

Das brandenburgische Jugendministerium prüft neue Vorwürfe gegen die umstrittenen Haasenburg-Heime.

In der Einrichtung in Neuendorf am See (Landkreis Dahme-Spreewald) soll eine Ausreißerin am vergangenen Donnerstag von zwei Betreuern so misshandelt worden sein, dass sie anschließend mit einem Rettungswagen in eine Klinik gebracht werden musste. Das hatte der Landtagsabgeordnete Torsten Krause (Linke) berichtet. „Wir gehen diesen Vorwürfen nach“, sagte Ministeriumssprecher Stephan Breiding am Donnerstag. Vom Heimbetreiber war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Laut Krause hatte das zuständige Jugendamt im thüringischen Altenburg die Rückführung des Mädchens angeordnet, obwohl Brandenburgs Ministerin Martina Münch (SPD) am Tag zuvor wegen schwerer Missstände die Schließung der Haasenburg-Heime angekündigt hatte.

Das Landratsamt Altenburger Land wehrte sich am Donnerstag gegen die Kritik: Das Jugendamt habe keine Kenntnis von der bevorstehenden Schließung der Heime gehabt. In den Heimen haben Jugendämter aus ganz Deutschland schwer erziehbare Kinder und Jugendliche untergebracht.

Nach Angaben von Breiding hat das Ministerium nur einen Teil der Jugendämter, die Jugendliche in die Haasenburg-Heime geschickt hatten, über die bevorstehende Schließung informieren können. „Wir haben den Heimbetreiber aufgefordert, uns die betreffenden Ämter zu nennen – dem ist er aber nur zum Teil nachgekommen“, hieß es. Bis zum Nachmittag hatte das Ministerium auch noch keine weiteren Informationen zu dem neuerlichen Misshandlungsvorwurf.

Eine Untersuchungskommission hatte in den Heimen der Haasenburg GmbH schwere Missstände festgestellt. Der Vorsitzende der Kommission, Martin Hoffmann, sprach in der vergangenen Woche von „härtesten“ Erziehungsmethoden wie in den 1950er Jahren. Daraufhin hatte Münch am Mittwoch vergangener Woche die Schließung der Heime angekündigt. Der Betreiber will sich juristisch dagegen wehren.