Unfall

Zweiter Zusammenstoß

Erneut kollidieren Güterzüge am Bahnhof Hosena. In beiden Fällen suchen die Ermittler noch nach der Unfallursache

Nach dem zweiten schweren Zugunglück in Hosena (Oberspreewald-Lausitz) innerhalb von 16 Monaten haben Experten der Polizei und des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) am Dienstag die Ermittlungen zur Ursache des Unfalls fortgesetzt. Möglich seien ein technischer Defekt oder auch menschliches Versagen, sagte eine Sprecherin der Bundespolizeiinspektion Forst. EBA-Sprecherin Heike Schmidt bestätigte: „Wir ermitteln noch in alle Richtungen.“ Wertvolle Erkenntnisse erhoffen sich die Experten von der Auswertung des Fahrtenschreibers der Unfall-Lok. Fest steht aber bereits, dass sich zwei Züge zur selben Zeit auf einem Gleis befanden. „Zumindest einer der Züge hätte dort nicht sein dürfen“, sagte die Bundespolizei-Sprecherin.

Erst im Juli vergangenen Jahres hatte es nur etwa 200 Meter vom aktuellen Unfallort entfernt ein schweres Bahn-Unglück gegeben. Beim Zusammenstoß zweier Güterzüge war ein Bahnmitarbeiter getötet worden. Warum es ausgerechnet in Hosena in Südbrandenburg schon wieder zu einem solchen Unfall kommen konnte, diese Frage müssen die Ermittler nun beantworten.

Bei dem Unfall am Montagabend war ein leerer Güterzug der Bahntochter DB Schenker mit 39 Wagen auf der Fahrt von Königs Wusterhausen nach Spreewitz auf einen mit 3500 Tonnen Splitt beladenen Güterzug eines privaten Unternehmens aufgefahren. Nach ersten Erkenntnissen hatte der Splitt-Transport an einem Ausfahrtssignal gestanden. Die Lok und fünf Waggons des auffahrenden Zuges verkeilten sich und sprangen teilweise aus den Gleisen. Der 51-jährige DB-Lokführer wurde dabei leicht verletzt und vorsorglich zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Bisher konnte der Mann noch nicht befragt werden.

Der Lokführer des zweiten Zuges blieb unverletzt. An Gleisen und der Oberleitung entstand vermutlich erheblicher Sachschaden, wie eine Bahnsprecherin in Leipzig am Dienstag bestätigte. Ungeachtet dessen soll an diesem Mittwoch der Wiederaufbau des Stellwerks am Bahnhof Hosena beginnen.

Der Bau war bei dem weitaus folgenschwereren Unglück im Sommer 2012 völlig zerstört worden. Ein mit Schotter beladener Güterzug war im Bereich einer Weiche mit einem stehenden Güterzug kollidiert. Durch die Wucht waren mehr als 20 Waggons aus dem Gleisen gesprungen und zum Teil in das Stellwerksgebäude gekracht. Ein Weichenwärter konnte nur noch tot aus den Trümmern geborgen werden. Der Fall beschäftigt bis heute die Behörden und die Justiz.

Bergung hat begonnen

Seit dem Unglück wird der Verkehr an dem Bahnknoten nahe der Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen von mehreren benachbarten Stellwerken geregelt, wie die Bahnsprecherin bestätigte. Erst im kommenden Jahr soll der Ersatzbau für das zerstörte Stellwerk fertig sein. Ob das eine mögliche Ursache des Unfalls vom Montag sein könnte, dazu wollte sich die Deutsche Bahn nicht äußern. „Das sind reine Spekulationen. Daran beteiligen wir uns nicht“, sagte die Sprecherin.

Das EBA hatte bereits am Montagabend drei Experten nach Hosena geschickt. Die Staatsanwaltschaft Cottbus ließ die Unfallstelle als Tatort beschlagnahmen. Feuerwehr, Landespolizei, Bundespolizei, Technisches Hilfswerk und das Notfallmanagement der Deutschen Bahn AG waren im Einsatz. Ein Hubschrauber der Bundespolizei kreiste über der Unfallstelle, um die Situation nach dem Zusammenstoß zu dokumentieren. Spezialisten führten die kriminaltechnische Spurensicherung durch. Die elektronischen Fahrtenschreiber und Fahrtenbücher der beiden Züge wurden beschlagnahmt.

Auch am Dienstag war die Polizeiarbeit am Unglücksort zunächst noch nicht abgeschlossen. Erst am Nachmittag gaben die Ermittler grünes Licht für den Beginn der Bergungsarbeiten an der Lokomotive und den Waggons. Die Bahn hatte dafür bereits zwei Spezialkräne aus Fulda in Hessen nach Südbrandenburg überführt. Erst nach der Bergung können die Experten der Bahntochter DB Netz die genauen Schäden an der Infrastruktur, an Gleisen, Oberleitung und Sicherungsanlagen, begutachten. Noch ist deshalb offen, wann der Bahnverkehr wieder rollen kann. Die Regionalexpresslinien RE11 (Leipzig–Hoyerswerda) und RE15 (Dresden–Hoyerswerda) sind bis auf Weiteres unterbrochen. Zwischen Ruhland und Hoyerswerda fahren Ersatzbusse.