Tatverdacht

Neue Bilder vom „Maskenmann“

Polizei zeigt Fotos des mutmaßlichen Entführers von Storkow und bittet um Hinweise

Entführung, Erpressung und Mordanschläge: Bereits mehr als sechs Wochen sitzt Mario K. nun in Untersuchungshaft. Ermittelt wird gegen den Berliner wegen dreifachen versuchten Totschlags und erpresserischen Menschenraubes. Aus Sorge vor einer erneuten Entführung hatten Spezialeinsatzkräfte der Polizei den 46-Jährigen Mitte September im Berliner Stadtteil Köpenick festgenommen. Die Polizei ist sich sicher, damit den Entführer des Berliner Investmentbankers Stefan T. gefasst zu haben, der im Oktober 2012 vor den Augen seiner Frau aus seiner Villa in Storkow (Kreis Oder-Spree) mit Waffengewalt verschleppt worden war. Der Gekidnappte war vom Täter auf einer Schilfinsel versteckt gehalten worden. Er hatte sich nach zwei Tagen selbst befreien können, bevor es zu einer Lösegeldübergabe kommen konnte.

Indizien begründen Tatverdacht

Der unter dringendem Tatverdacht stehende Mann, der im August und Oktober 2011 auch zwei Anschläge auf die Berliner Millionärsfamilie Pepper in Bad Saarow verübt haben soll, schweigt beharrlich. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt (O.) ließ der Beschuldigte lediglich durchblicken, dass er „für die Taten nicht verantwortlich und unschuldig“ sei. Die Kriminalpolizei hat indes zahlreiche Indizien gesammelt, die den dringenden Tatverdacht begründen. So konnte ein Gutachten des Bundeskriminalamtes nachweisen, dass in Storkow und in Bad Saarow jeweils die gleiche Waffe benutzt wurde. Doch trotz aller Anstrengungen der bis zu 60 Beamte zählenden „Soko Imker“ konnte die von Mario K. in allen Fällen benutzte Pistole bislang nicht aufgefunden werden.

Um weitere Erkenntnisse zum Verhalten des Beschuldigten zu erhalten, haben Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt neue Bilder veröffentlicht. Die Ermittler bitten vor allem die Brandenburger Bevölkerung um Hinweise. Denn der untergetauchte mutmaßliche Erpresser hatte sich in verschiedenen Waldgebieten im östlichen Brandenburg verborgen gehalten. Die von dem mehrfach vorbestraften Mario K. benutzten schwer zugänglichen Lagerplätze befanden sich laut Polizei in den Ortschaften Dahlwitz-Hoppegarten, Schöneiche, Rüdersdorf und im Bereich Erkner/Fangschleuse, also alle östlich von Berlin und jeweils nicht weit von der Bundesstraße B1/B5 entfernt. Die Fotos sind während der Observierung des Tatverdächtigen vom März dieses Jahres an bis zu seiner Festnahme am 17. September entstanden. Sie zeigen Mario K., der sein Aussehen in diesem Zeitraum mehrfach verändert hatte. Mal war der 46-Jährige glatt rasiert, mal trug er einen Bart, mal benutzte er eine Brille, an anderen Tagen trug er eine Art Anglerhut.

Immer wieder zu sehen ist indes ein silberfarbenes Rennrad der Marke Canyon, mit dem Mario K. stets unterwegs war. Auf dem Gepäckträger hatte er größere Gepäckstücke transportiert, wobei es sich um eine Kiste oder eine Reisetasche handeln soll.

Darüber hinaus wurde durch die monatelange Überwachung festgestellt, dass sich Mario K. in Supermärkten mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs versorgt hatte und dabei immer bar zahlte. Hoffnungen auf neue Hinweise macht der Polizei die Tatsache, dass der 46-Jährige auch dabei beobachtet wurde, wie er Frauen auf der Straße angesprochen hatte, um mit ihnen in Kontakt zu kommen und Treffen zu vereinbaren. Dabei soll Mario K. auch versucht haben, mit diesen Frauen Telefonnummern auszutauschen. Zudem hoffen die Ermittler auf Tipps von Waldspaziergängern, Jägern und Förstern, die sich bislang noch nicht gemeldet haben und denen in den Wäldern rings um Storkow und Bad Saarow Lagerplätze aufgefallen sein könnten, die Mario K. vor oder nach seinen Taten benutzt haben könnte. Gefragt sind auch Hinweise von Angestellten und Kunden von Supermärkten unweit der Tatorte, etwa in den Ortschaften Diensdorf-Radlow und Reichenwalde (Sommer/Herbst 2011) sowie Wendisch-Rietz (2012). Hinweise nimmt die Polizei in Potsdam unter der Rufnummer 0331-283 31 15 an. Auch jede andere Dienststelle nimmt Hinweise entgegen.

Die Polizei wirft Mario K. versuchten Totschlag in zwei Fällen vor. Im August 2011 war die Ehefrau des Immobilienunternehmers Christian Pepper vor deren Landhaus am Scharmützelsee niedergeprügelt und schwer verletzt worden. Im Oktober 2012 schoss der Maskenmann in Bad Saarow auf der Pferdekoppel des Anwesens auf Peppers Tochter Louisa. Die junge Frau blieb unverletzt, weil sich ein Wachmann vor sie geworfen hatte. Der Personenschützer ist seitdem querschnittsgelähmt. Ein Jahr später verübte der Maskenmann die Entführung in Storkow.

Bis zur Festnahme von Mario K. am 17. September hatte die Polizei mehr als 1000 kriminalistische Spuren verfolgt und war 529 Hinweisen nachgegangen.