Sanierung

Am Landtag wird es schick

In Potsdams Stadtzentrum geht es voran. Nun wird der Obelisk saniert

Eine Zitterpartie. So hat Horst Müller-Zinsius, Geschäftsführer des Sanierungsträgers Potsdam, das zurückliegende halbe Jahr empfunden. Die südlich am Schloss-Neubau vorbeiführende Route für Radfahrer und Fußgänger war gesperrt. Das Umfeld des Landtags sollte im Auftrag des Trägers schick gemacht werden. Abenteuerliche Varianten wählten in dieser Zeit diejenigen, die sich aus Bequemlichkeit über das Verbot hinwegsetzten. Wie die ältere Potsdamerin, die der Straßenbahn Konkurrenz machte und sich, auf ihren Rollator stützend, auf den Schienen entlangschob. Unfälle habe es glücklicherweise nicht gegeben, nur ab und an eine Beschwerde-Mail, so Müller-Zinsius. Aufatmen auch bei Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). „Wir sind ohne große Störungen durch diese Phase gekommen.“ Teile der neuen Humboldtstraße und des Steubenplatzes sind seit Montag offiziell für die Öffentlichkeit freigegeben.

Nur noch Restarbeiten

Längst flitzen Radfahrer seither an der rosa Fassade der frisch gemalerten Stadtschlosshülle vorbei. Seit heute steigen an der Straßenbahnhaltestelle Alter Markt auch Fahrgäste ein und aus. Mit Blick auf grüne Baucontainer und Männer auf Knien, die mit dem Hammer in der Hand Mosaikpflaster verlegen. „Restarbeiten“, wie Jakobs erklärt. Wie die von Metallgittern umfassten vier Sandlöcher, in die vier Linden gehoben werden sollen. „Spätestens zu Weihnachten ist alles erledigt. Zumindest im Großen und Ganzen.“ 3,1 Millionen Euro sind in die Neugestaltung des Landtagsumfeldes geflossen. 7500 Quadratmeter Platten wurden in den vergangenen anderthalb Jahren verlegt, allein auf rund 2200 Quadratmetern säumen Granitplatten den neuen Landtag. Basierend auf zehn Jahre alten Plänen. Der Realisierungswettbewerb für den Alten Markt sei 2003/04 ins Leben gerufen worden.

Ein Projekt, das laut Müller-Zinsius für einige Meinungsverschiedenheiten zwischen Finanzministerium und Kommune gesorgt habe. „Zunächst haperte es an der Abstimmung. Wir haben uns gegenseitig bedrängt.“ Klärende Gespräche hätten schließlich die Lösung gebracht. Müller-Zinsius drückt sich diplomatisch aus, spricht von anfänglichen „Nickeligkeiten“. Letztlich habe man „eine zielorientierte Kooperation realisiert“. Sticheleien, auf die sich Kathrin Schneider, Staatssekretärin im Infrastrukturministerium, nicht einlässt. „40 Millionen Euro sind in den vergangenen 22 Jahren an Fördermitteln in den Potsdamer Wohnungsbau und die Stadtentwicklung geflossen.“ Gut angelegtes Geld, wie die Staatssekretärin mit dem Hinweis auf die wachsende Zahl der Neu-Potsdamer kommentiert. 160.000 Einwohner kann Potsdam seit diesem Jahr aufweisen. Für Schneider ist das ein Ergebnis der Förderpolitik.

Im Landtag zeigt sich währenddessen – obwohl der Betrieb hier erst im Januar aufgenommen wird – schon Leben, etliche Fenster stehen zum Lüften weit offen. „So schnell sind die Arbeiten doch noch nicht abgeschlossen“, sagt Müller-Zinsisus. Der Bauzaun um den Obelisken auf dem Alten Markt liegt schon bereit. In den nächsten Tagen soll die mit den steinernen Köpfen bekannter Baumeister verzierte Säule ummantelt werden. „Der Obelisk ist seit Jahren mehr als baufällig“, sagt Müller-Zinsius. Aufmerksame Beobachter hätten schon seit 2005 die Unkrautschlingen bemerkt, die sich aus den Ritzen und Spalten des geborstenen Gesteins schlängeln. Die Erschütterungen, bedingt durch die aktuellen Bauarbeiten, hätten ein Übriges getan. „Mindestens 200.000 Euro, vermutlich mehr, werden für den Komplettaufbau notwendig“, schätzt der Geschäftsführer. Im Juni 2014 soll die Säule wieder in alter Pracht glänzen. „Peanuts“ im Vergleich zum bröckelnden Baukörper, in dem derzeit noch die Fachhochschule Potsdam untergebracht ist. „Wann der Komplex zwischen modernem Wissensspeicher und neuem Stadtschloss abgerissen wird, ist offen“, sagt Susanne Engelbrecht von der Stabsstelle Potsdam. Das Land sorge für Verzögerungen, wolle erst 2018 handeln, ärgert sich die Stadtplanerin. Potsdam dagegen drängt. „Unser Wunschtermin liegt bei 2016.“ Gespräche zwischen Kommune und Land würden in diesen Tagen aufgenommen.

Kolonnaden verfallen

Ausgewiesene Potsdam-Kenner haben die Archive bemüht, favorisieren die Fotos, in denen die Kolonnaden Marstall und Landtag verbinden. Die verfallen derzeit am Rande des Lustgartens in Sichtweite von „Neptuns Triumph“. „Keiner fühlte sich zuständig. Schließlich haben wir die Fragmente in unseren Depots untergebracht“, erinnert sich Müller-Zinsius. Wann das Kolonnadenstück wieder aus dem Lustgarten zum Landtag geholt werden kann, ist offen. Ein Luxusproblem, wie Müller-Zinsius befindet. Und deutet auf das im Plattenbaustil gehaltene „Mercure“-Hotel. „Das dürfte die Stadtverordneten eher beschäftigen.“