Job

Dietmar Woidke sucht einen Ghostwriter

Ministerpräsident braucht einen neuen Redenschreiber

Redenschreiber treten selten ins Licht der Öffentlichkeit. Sie stehen meist abseits der Mikrofone und des Blitzlichtgewitters, das unter anderem ihren Worten gilt. Daher auch ihr englischer Name: „Ghostwriter“. Nun wird in Potsdam ein solch „unsichtbarer Schreiber“ gesucht. Dietmar Woidke (SPD), Matthias Platzecks Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten, müsste sich sonst ab Anfang nächsten Jahres seine Redetexte ganz allein ausdenken.

In der Anzeige der Staatskanzlei heißt es, die zum 1. Januar zu besetzende Stelle sei bis zum 31. Dezember 2015 befristet. „Üblicherweise wird die Stelle für eine Dauer von zwei Jahren besetzt“, sagt Regierungssprecher Thomas Braune. Da die Tätigkeit des jetzigen Redenschreibers jetzt ende, sei die Ausschreibung erforderlich gewesen. Bewerber müssen hohen Anforderungen gerecht werden: „Eine langjährige Berufserfahrung“ setzt die Staatskanzlei voraus. Auch wenn es keinen besonderen akademischen Ausbildungsgang dafür gibt: Ein Hochschulabschluss ist Voraussetzung. Die meisten Ghostwriter sind studierte Journalisten, Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler oder Ökonomen.

Wer für einen Politiker Reden formuliert, lebt nicht nur davon, Ansprachen zu schreiben. Natürlich sei es die Hauptaufgabe des Ghostwriters, „wörtlich ausformulierte Reden“ für den Regierungschef zu verfassen, so die Staatskanzlei Potsdam. Daneben gilt es aber auch, Aufsätze für Zeitungen und Klappentexte oder Vorworte für Broschüren und Bücher zu formulieren. Ist der Politiker, dem der Schreiber zuarbeitet, ein Ministerpräsident, sollten sich Bewerber auf die Stelle des Redenschreibers zudem gut in der Geschichte und mit der Kultur des jeweiligen Bundeslands auskennen. Selber aus Brandenburg zu kommen, wäre also ein Pluspunkt bei der Bewerbung auf die freie Stelle in Potsdam. Im Idealfall liefert ein Redenschreiber Manuskripte ab, die nicht nur inhaltlich und sprachlich überzeugen, sondern auch auf die Persönlichkeit und die Vortragsart des Politikers abgestimmt sind. Schreiber und Politiker müssen eng zusammenarbeiten.

Die Bewerbungsfrist in Potsdam endete am 10. September. Wie viele Bewerber es für den Job gab, wollte die Staatskanzlei nicht verraten.