Wahlen

„Damit habe ich nicht gerechnet“

Die Linke Kornelia Wehlan gewinnt überraschend die Landratswahl in Luckenwalde

Nach dem Überraschungssieg der Linke-Politikerin Kornelia Wehlan, 52, bei der Landratswahl im Kreis Teltow-Fläming ist noch unklar, wann sie ihren neuen Posten antritt. Die Urkunde könne Wehlan erst nach einer Frist überreicht werden, sagte eine Sprecherin des Kreises am Dienstag. Nach gängiger Rechtsprechung müssten die unterlegenen Kandidaten Gelegenheit haben, vor dem Verwaltungsgericht gegen die Entscheidung vorzugehen, erklärte sie. Bis zur Ernennung der neuen Kreischefin amtiert die stellvertretende Landrätin Kirsten Gurske (parteilos).

Wehlan hatte sich am Montagabend im zweiten Wahlgang überraschend gegen den Senftenberger Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD), den SPD und CDU unterstützten, durchgesetzt. Für die Agraringenieurin und Landtagsabgeordnete hatten 27 der Kreistagsabgeordneten gestimmt. Auf Fredrich entfielen 25 Stimmen. „Ich habe wirklich nicht damit gerechnet“, sagte Kornelia Wehlan direkt nach der Bekanntgabe des Ergebnisses – während ihre Parteifreunde in Jubel ausbrachen. Sie hatten Wehlan vor dem Wahlgang als die „Kandidatin der Herzen“ bezeichnet.

SPD und CDU stellen zusammen 26 Abgeordnete, sodass mindestens einer der Wahlberechtigten seine Stimme der Linke-Politikerin gegeben haben muss. Entsprechend schockiert reagierten die Abgeordneten von CDU und SPD auf das Ergebnis.

Wahlkrimi im Kreishaus

Wehlans Freude trübte das nicht. Sie sei dankbar über die fraktionsübergreifende Unterstützung. „Ich habe Durchsetzungskraft und 23 Jahre Erfahrung in der kommunalen Arbeit“, sagte die designierte Landrätin nach der Wahl. Sie werde ihre Arbeit mit dem nötigen Optimismus in Angriff nehmen, so die 52-Jährige. FDP-Kandidat Hans-Peter Goetz gratulierte der Politikerin der Linkspartei zu ihrem Wahlsieg. Er kritisierte allerdings, dass die CDU sich zu schnell auf einen Kandidaten mit der SPD festgelegt habe. Somit habe man die Chance auf einen gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten verspielt.

Seit dem vergangenen Dezember war die Stelle des Landrats vakant. Peer Giesecke (SPD) war vom Kreistag abgewählt worden, weil gegen ihn ein Strafbefehl wegen Untreue und Vorteilsnahme erlassen worden war. Die beiden Direktwahlen im März und April gewann Kornelia Wehlan gegen den als Favoriten geltenden SPD-Bürgermeister von Ludwigsfelde, Frank Gerhard. Da die Wahlbeteiligung zu gering ausfiel, musste aber der Kreistag letztlich den Landrat wählen.

Der erste Wahlgang im Kreishaus lief noch fast wie erwartet ab. Fredrich, der Bürgermeister von Senftenberg, erhielt 23 Stimmen, Kornelia Wehlan 17 – und damit schon mehr, als ihre Fraktion Mitglieder hat. Der FDP-Landtagsabgeordnete Hans-Peter Goetz kam mit zwölf Stimmen nicht in die Stichwahl. Da niemand die im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit von 29 Stimmen erreichte, wurde ein zweiter Wahlgang erforderlich, bei dem die einfache Mehrheit ausreichte.

Frank Gerhard, auch Chef des SPD-Unterbezirks Teltow-Fläming, übernahm die politische Verantwortung für die Wahlschlappe seiner Partei. Gegen ihn waren ebenfalls Korruptionsvorwürfe laut geworden. Das habe die Landratswahl überlagert, sagte er.

Mit der überraschenden Wahl der Linke-Politikerin ist eine monatelange Leerstelle im Landkreis beendet. Die Stimmung im Kreistag habe sich wegen der langen Vakanz verschlechtert, dringende Entscheidungen seien nicht gefällt worden, heißt es dort. Auf die neue Landrätin wartet viel Arbeit, denn der einstige Vorzeigekreis Luckenwalde ist in den vergangenen Jahren in die roten Zahlen gerutscht. So hat der Kreis die Kosten des populären Fläming Skate und des Ausbaus der B 101 zu tragen.

Mit Kornelia Wehlans Wahl zur neuen Landrätin im Kreis Teltow-Fläming ist gleich eine doppelte Premiere gelungen: Sie ist in Brandenburg die erste Frau auf einem solchen Posten. Zudem hat erstmals die Linke ein solches Amt erobert. Wehlan, gelernte Agraringenieurin, hat während der beiden vergangenen Jahrzehnte politische Erfahrung sammeln können. In der Landtagsfraktion der Linken war sie zuletzt Sprecherin für Verkehrspolitik, Regionalplanung und Raumordnung, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Mitglied im Fraktionsvorstand. Seit 2009 ist sie Vorsitzende des Ausschusses für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landtages, dem sie seit 1999 angehört.

Die politische Karriere der gebürtigen Luckenwalderin begann allerdings schon vor dem Fall der Mauer. 1979, mit 18 Jahren, trat sie in die SED ein. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst in einer LPG, bevor sie 1987 in die SED-Kreisleitung Luckenwalde eintrat. Wehlan ist verheiratet und hat zwei Kinder.