Studie

Offene Rechnungen bringen Betriebe in finanzielle Nöte

Schlechte Zahlungsmoral macht den Firmen in Brandenburg zu schaffen.

Nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten entstehen den Unternehmen jedes Jahr erhebliche finanzielle Einbußen, weil Kunden ihre Rechnungen nicht fristgerecht bezahlen. Dies betrifft sowohl Auftraggeber in der Wirtschaft wie auch der öffentlichen Hand.

Über das Problem von Zahlungsausfällen werde nicht gerne gesprochen, sagte Michael Thieme von der Handwerkskammer Ostbrandenburg in Frankfurt (Oder). „Aber das Problem existiert.“ Als Beispiel nannte Thieme ein Frankfurter Bauunternehmen, das jährlich bis zu 40.000 Euro Verluste wegen nicht oder verspätet bezahlter Rechnungen zu verkraften habe. Die Summe entspreche den Kosten eines Arbeitsplatzes.

Nach einer aktuellen Studie ist fast jedes fünfte Unternehmen in Deutschland im Zahlungsverzug. Im Frühjahr 2013 zahlten 18,8 Prozent der Firmen ihre Rechnungen verspätet, wie die Wirtschaftsauskunftei Bürgel und der Finanzdienstleister EOS herausfanden. Ausgewertet wurde das Zahlungsverhalten von knapp 463.000 Firmen aller Branchen. Als Grund für die verschlechterte Zahlungsmoral nannten die Dienstleister die lahmende Konjunktur.

Wie viele Unternehmen in Brandenburg verspätet ihre Rechnungen bezahlen, ist unklar. Die letzte Umfrage der Handwerkskammer dazu war 2005 – damals gaben von etwa 400 Betrieben 38Prozent an, durch Zahlungsverzögerungen oder -ausfall schon einmal in ihrer Existenz gefährdet gewesen zu sein. Aktuelle Zahlen lägen nicht vor, aber schlechte Zahlungsmoral sei ein „Dauerthema“, sagte Sprecherin Ute Maciejok. Die Inkasso-Stelle der Handwerkskammer habe jedenfalls weiter „genügend“ mit Zahlungsausfällen zu tun.