Kulturprogramm

Schlössernacht: Barock-Rausch mit Festbeleuchtung

Theaterspiele, Konzerte Tanzvorführungen – 450 Künstler sorgen im Park Sanssouci für einen Abend der Überraschungen

Heute war einer ein bisschen unverschämt, aber Eva Krieger sitzt bei ihrem ersten Bier des Abends am Eingang von Schloss Sanssouci und kann schon wieder darüber lachen. „Sagt der doch zu mir: Das mit der Mallorca-Bräune ist aber nicht stilecht.“ Sie weiß ja selbst, dass der Adel im Barock stolz auf eine weiße Gesichtsfarbe war. „Junger Mann, das ist Müggelseebräune!“, sagte ich. Da habe er auch lachen müssen.

Eva Krieger und ihre fünf Freundinnen sind solche Kommentare gewöhnt. Wenn Schloss Sanssouci zur Schlössernacht einlädt, trifft sich Eva Krieger mit ihren Freundinnen in Köpenick schon am Nachmittag. Nach dem Begrüßungssekt ziehen sich alle ein Barockkleid an und aus der Gruppe von Krankenschwestern aus Berlin und Brandenburg werden „Gräfin Cosel“, „Madame Pompadour“ und „Mathilde von Dänemark“. Die sechs Freundinnen fahren dann gemeinsam mit der S-Bahn durch Berlin. Und dann kann es eben passieren, dass solche Kommentare kommen. „Aber die meisten wollen im Grunde nur ein Foto machen“, sagt „Gräfin Cosel“.

Doch auch diese sechs Damen mussten für ihren Freundinnen-Abend 42 Euro Eintritt zahlen. Dafür bekommen sie aber eine Menge geboten: Sie treffen nicht nur auf andere Barock-Fans, sondern werden von Alleinunterhaltern angesprochen, hören klassische Musik an fast jeder Ecke, sehen ein Showprogramm auf der Hauptbühne und am Abend ein riesiges Feuerwerk. Zum 15. Mal findet die Schlössernacht statt.

Wie in den vergangenen Jahren begegnen die Besucher allerorten im prächtig beleuchteten Garten rund um das Sommerschloss Friedrich des II. Statisten in historischen Kostümen. Mehr als 450 Akteure haben die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und die Arbeitsgemeinschaft Schlössernacht aufgeboten.

Tickets auf 33.000 beschränkt

Zwischen Orangerie und Chinesischem Teehaus, vom Neuen Palais bis zu den Römischen Bädern wurden bei sommerlichen Temperaturen Konzerte und Theaterspiele, Tanzvorführungen und Literaturlesungen geboten. Um die von Gartenarchitekt Peter Lenné gestalteten Anlagen zu schonen, war die Zahl der Tickets erneut auf 33.000 beschränkt.

Eines der liebevollen Highlights sind die sprechenden Bäume, an denen immer wieder Menschen stehen bleiben. „Baumgeister“ heißt die Aktion. Die Bäume erklären auf unterhaltsame Weise über Lautsprecher ihre Herkunft. Die Gledicie beispielsweise wurde nach Johann Gottlieb Gleditsch benannt, der in der Nähe von Potsdam lebte den Baum im 18. Jahrhundert aus den USA nach Potsdam einführte. Wenn man eine Weile vor dem Baum steht, kann man sehen, dass immer an der gleichen Stelle im Text die Menschen noch einmal lachen: der Baum erzählt, dass sein Namensgeber sich vor allem für die „Sexualität der Pflanzen“ interessierte – und ausgerechnet an dieser Stelle hängt die CD und braucht jedes Mal einen zweiten Anlauf, um weiterzukommen. Nur ein paar Meter weiter erzählt eine ältere Frau in Verkleidung lautstark eine Geschichte aus einem Krieg, der über 300 Jahre zurückliegt. Immer wieder gibt es einen Grund, im Park stehen zu bleiben.

Doch nicht alle sind darüber nur glücklich. Ursula und ihr Mann Winfried Kulas laufen beide auf einen Stock gestützt durch den Park. „Ich muss schon sagen“, sagt sie, „dass ein paar mehr Bänke für diesen Abend gut gewesen wären.“ Insgesamt aber sind sie sehr zufrieden. „Wir waren schon am Freitagabend hier“, sagt Winfried Kulas, „und waren wirklich restlos begeistert.“ Das Konzert mit den Wiener Symphonikern habe ihnen wirklich gefallen. „Dieser französische Harfenspieler“, ergänzt seine Frau Ursula, „wirklich klasse.“ Sie haben die Reise von ihren Kindern geschenkt bekommen, zum Jubiläum, das sie erst in einer Woche feiern werden. „Wir haben am 24. August unsere Goldene Hochzeit“, sagt der 72-jährige Winfried Kulas lachend. „Aber bis dahin halten wir auch noch durch.“

Vielleicht ist das eine Stimmung, die viele hier mitbringen: sie haben die Karten geschenkt bekommen oder dafür gespart und auch deshalb sind alle dabei, möglichst viel aus dieser Nacht herauszuholen. Da gibt es Gaukelspiele, bei denen Pärchen ihre gegenseitige Liebe beweisen können, es gibt romantische Durchgänge und kleine verwinkelte Gänge, überall leuchten Lampen in freundlichem Orange den Weg, und selbst die sonst so ruppigen Bier-Ausschank-Damen bedienen im freundlichstem Deutsch – und sogar auf Englisch.