Schädlingsbekämpfung

Gift-Aktion gegen Raupen war erfolgreich

Eichenprozessionsspinner wurde mit Biozid bekämpft

Die Besucher in den Parks von Sanssouci und Babelsberg können getrost wieder Haut zeigen. Die Gefahr, mit den giftigen Raupenhaaren des Eichenprozessionsspinners in Kontakt zu geraten, ist gebannt. Der Einsatz des Gegenmittels Dipel ES sei „weitgehend erfolgreich“ gewesen, die massenhafte Vermehrung der Tiere gestoppt, sagte Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD). Nicht nur die Eichen in den Parks der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten mussten Blätter lassen. Seit 2004 sorgt die massenhafte Vermehrung des Spinners in Brandenburg für Probleme – für Hautreizungen und allergische Schocks beim Menschen, den Kahlfraß bei befallenen Eichen. Heimgesucht vom Giftfalter wurden vor allem Siedlungen, Alleen, Parks und Wälder in der Prignitz und dem Havelland, in Ostprignitz-Ruppin, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, den Städten Brandenburg und Potsdam und kleinen Flächen in Barnim und in Dahme-Spreewald. „Dieser Trend ist gebrochen“, sagt Vogelsänger.

Die Gefahr ist aber noch nicht gebannt: Für 2014 prognostizieren Experten einen extremen Zuwachs von Raupennestern in Ostbrandenburg. In Barnim und in Königs Wusterhausen sei bereits ein Befall registriert worden, erklärt Katrin Möller vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde. Vogelsänger will auch hier den Angriff mit dem Sprühnebel starten.

Nach einer Klageflut betroffener Anwohner im Vorjahr einigte man sich in Brandenburg auf den massiven Einsatz gegen die Raupe. 4,5 Millionen Euro haben Land und Kommunen zur Verfügung gestellt, um den Tieren mit dem Biozid Dipel ES den Garaus zu machen. „Auf 12.000 Hektar – davon 3000 Hektar Siedlungsflächen sowie 9000 Hektar Wald – wurde der Spinner im Mai aus der Luft oder vom Boden aus bekämpft“, sagte Birgit Korth, Referatsleiterin Wald und Forstwirtschaft im Infrastrukturministerium. „Dazu kommen mehr als 30.000 Einzelbäume und die Eichen auf 176 Kilometern entlang von Straßen.“ Korths Fazit: „Von Kahlfraß gibt es bei den behandelten Waldflächen keine Spur mehr, nur noch 17 Prozent weisen leichten Fraß auf.“ Anders beim öffentlichen Grün: „Der Erfolg lag dort nur bei 70 bis 80 Prozent.“

Der Einsatz des Mittels Dipel ES ist umstritten. Umweltschützer warnten vor dem Eingriff ins Ökosystem. „Natürliche Gegenspieler des Eichenprozessionsspinners wie die Schlupfwespe, aber auch Singvögel werden massiv geschädigt. Andere Schmetterlingsarten sterben“, sagt Werner Kratz vom NABU. Er spricht sich für mechanische Methoden aus wie das Absaugen oder Abpflücken. „Bei der Größe der betroffenen Fläche ist das unmöglich“, sagt Vogelsänger.

Positive Bilanz zieht auch Berlin. 8800 Bäume sind laut Senatsgesundheitsverwaltung erstmals mit einem Biozid – mit dem Wirkstoff Margosa-Extrakt – behandelt worden. „Ein Wiederbefall ist bei weniger als drei Prozent aufgetreten“, sagt Sprecherin Regina Kneiding. Vereinzelte Nester würden jetzt abgesaugt oder abgesammelt.