15. Potsdamer Schlössernacht

Nacht der leuchtenden Schlösser

Veranstaltung im Park Sanssouci ist noch nicht ausverkauft. Karten gibt es auchan der Abendkasse

Erste Zeltwände stehen, Biergarnituren stapeln sich an den Kieswegen, Stromkabel schlängeln sich durchs kurze Gras, Containertoiletten versperren die Sicht auf sandsteingelbes Gemäuer. Herrschaftlich wirkt der Park Sanssouci derzeit nicht. Die Uhr tickt. Denn glanzvoll, üppig und romantisch soll sich das einstige Sommerparadies der preußischen Könige zur 15. Potsdamer Schlössernacht am 17. August präsentieren. 33.000 Besucher erwarten die Veranstalter, die Arbeitsgemeinschaft Schlössernacht und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), im illuminierten Park. Mehr als 450 Künstler bieten sie auf – von Musik über Tanz bis Schauspiel. Noch geht die Rechnung nicht auf. „Anders als in den Vorjahren ist die Schlössernacht bislang nicht ausverkauft“, sagt Organisator Rainer Wohlthat. 6000 Karten sind noch zu haben.

Käufer entscheiden kurzfristig

„Die Zeiten, in denen schon wenige Tage nach Verkaufsstart alle Karten vom Markt gefegt waren, sind vorbei“, ist der Organisator überzeugt. Die Käufer hätten ihr Verhalten geändert, würden sich vielfach erst kurzfristig entscheiden. Stiftung und Arbeitsgemeinschaft haben auf das Phänomen reagiert. „Erstmals wird eine Abendkasse im Park eingerichtet“, kündigt Wohlthat an.

Die soll reichlich klingeln. Denn: Rund 275.000 Euro des erwarteten Erlöses sollen in die Restaurierung der Wiesenwegbrücke westlich der Großen Fontäne fließen. Witterung und Souvenirjäger hätten der 1895 von einem Charlottenburger Kunstschmied gefertigten ornamentreichen Metallbrücke stark zugesetzt, sagt SPSG-Marketingchef Heinz Buri. Die Konstruktion aus sechs Stahlträgern habe gelitten, ebenso Beton und Sandsteinborde samt schmiedeeisernem Geländer. Ein halbes Jahr lang seien zwei Restauratoren mit der Aufarbeitung der Metallelemente beschäftigt. „Rost entfernen, konservieren, Schutzanstrich auftragen, abgebrochene Metallblätter ersetzen“, zählt Buri auf. Zwei der zehn Geländer sind bereits auf Vordermann gebracht. Während der Schlössernacht biete sich Gelegenheit, den Fachleuten im Schirrhof zuzuschauen, empfiehlt Buri das Vorzeigeprojekt.

Nicht das einzige im Park: Die Baugerüste und Planen, die seit Jahren die Kolonnade verborgen hatten, sind abgebaut. Konstruktionsfehler und Kriegsschäden hatten dem Natursteinbau die Tragfähigkeit genommen, eine Sanierung erforderlich gemacht. Die ist zwar erst im Herbst 2014 abgeschlossen. Dennoch soll mit der eindrucksvollen Optik gepunktet werden. „Die große Hauptbühne wird um 180 Grad gedreht und vor der Kolonnade stehen“, sagt Veranstaltungsmanager Reinhard Mann. Ein Effekt, der schon am Vorabend Eindruck machen soll, wenn die Wiener Symphoniker Beethoven und Mozart zum Besten geben. Jazzig wird’s zur Schlössernacht, wenn das „Berlin Jazz Orchestra“ mit Gaststar Jocelyn B. Smith Liebeslieder intoniert.

Dorfschule und Pferdeballett

Absperrbänder fehlen in diesem Jahr auch vor dem Gartensalon. Vormals nur einem Teil der Gäste vorbehalten, werden hier diesmal königliche Tafelfreuden für alle zelebriert. Aufgetischt wird geschmortes Lamm oder Barsch in Papierwickel nebst Käse. Nach Originalrezept. „Der Koch brauchte allein ein halbes Jahr, um die Zubereitung nachvollziehen zu können – und auch Kompromisse für unsere Gaumen zu finden“, erklärt Mann. „Gewürzt wurde damals anders.“

Neu sind Mitmachaktionen an Wegen und Spielplätzen. Gäste können im Paradiesgarten im Originalgestühl einer preußischen Landschule Platz nehmen und beim Dorfschullehrer parieren. „Der Rohrstock wird da sicher nicht fehlen“, will Mann das Schauspiel selbst nicht verpassen. Sein Geheimtipp für die Schlössernacht: die Tiere im Park. „Die Horus-Falknerei lässt in der Fasanerie ihre ausgebildeten Greifvögel fliegen, in der Lindenallee ist das Pferdeballett der Ostseequadrille in historischer Kostümierung zu erleben.“Wer nicht auf eigene Faust Römische Bäder, Meierei, Orangerie oder Neues Palais erkunden möchte, hat unter 17 Führungen die Auswahl.

Tickets gibt es unter www.potsdamer-schloessernacht.de, an den Vorverkaufskassen, unter 01806/4470000 sowie an der Abendkasse (ab 17 Uhr für 48 Euro an allen Haupteingängen).