Polizeieinsatz

Autoschieberbande ausgehoben

Polizei stellt bei Razzia Autos und Teile im Wert von einer halben Million Euro sicher

Mit einer Razzia am Dienstagmorgen haben Polizisten die Mitarbeiter einer Lagerhalle in Dannenwalde (Oberhavel) rund 70 Kilometer nördlich von Berlin überrascht. Der Verdacht: Diebstahl und gewerbsmäßige Bandenhehlerei. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Neuruppin haben Beamte des Landeskriminalamtes mit Unterstützung von Einsatzkräften der Polizeidirektion Nord und der Bereitschaftspolizei 29 Objekte durchsucht – überwiegend in der Region Gransee/Zehdenick im Landkreis Oberhavel in Brandenburg, in Mecklenburg-Vorpommern und in Nordrhein-Westfalen. In Berlin wurde in Pankow die Wohnung eines Verdächtigen durchsucht.

Als mutmaßliche Köpfe der Bande nahmen die Beamten bei den Durchsuchungen zwei Männer im Alter von 31 und 35 Jahren in Menz und Zehdenick (Oberhavel) fest. Für die Polizei steht fest: „Das ist einer der größten Funde im Land Brandenburg in jüngerer Vergangenheit.“ Die gefundene Beute – meist Autos und Motorräder – habe einen Wert von rund einer halben Million Euro, sagte ein Sprecher. Bei den Durchsuchungen am Dienstag wurden 15 Pkw gefunden, darunter sieben Audi, davon drei RS4, fünf Mercedes-Benz, teilweise in AMG-Ausführung, sowie ein VW Golf und zwei Renault. Die Einsatzkräfte fanden auch zwei Motorräder (Yamaha und Aprilia) und einen Campinganhänger. Darüber hinaus entdeckten die Einsatzkräfte von Staatsanwaltschaft und Polizei auch zahlreiche Fahrzeugteile, vorwiegend Motoren, Getriebe, Achsen und Karosserien sowie Spezialwerkzeuge zur Manipulation der Identifizierungsmerkmale der Fahrzeuge. Die Beamten stellten auch einen Fahrzeuganhänger mit montiertem Stromaggregat fest. Für den Anhänger sei die Herkunft noch ungeklärt, sagte ein Ermittler. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern, die keiner regulären Erwerbstätigkeit nachgehen, gewerbs- und bandenmäßige Diebstähle und Hehlerei von beziehungsweise mit Kraftfahrzeugen und Fahrzeugteilen vor.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten bislang mindestens 21 Einzeltaten aus den Jahren 2012 und 2013 vor. „Nach den heutigen Durchsuchungen ist von einer deutlich höheren Zahl von Straftaten dieser Bande auszugehen“, so die Staatsanwaltschaft.Die Ermittler vermuten jedoch, dass noch mehr Täter an den Diebstählen und Hehlereien beteiligt sind. „Wir gehen davon aus, dass die Bande größer sein wird“, sagte der Polizeisprecher.

Derzeit liefen aber keine Fahndungen. „Die beiden Männer werden vernommen“, sagt Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper in Neuruppin. Haftanträge seien gestellt worden. Die beiden Männer sollen am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden sie beschuldigt, gezielt hochwertige Pkws stehlen gelassen zu haben, um sie dann gewinnbringend zu veräußern. Für diese kriminellen Vorhaben wurden gleichzeitig Schrottfahrzeuge gleichen Typs und gleicher Ausführungen aufgekauft und die gestohlenen Fahrzeuge mit den Identitäten der Schrottwagen versehen. Rund 200 Beamte waren in den vier Bundesländern im Einsatz und durchsuchten Garagen, Wohnungen und Hallen. Die meisten der 29 Objekte durchforsteten die Beamten in Nordbrandenburg um Gransee und Zehdenick (Oberhavel). Je ein Einsatz wurde für Berlin, Münster (Nordrhein-Westfalen) und Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern) angeordnet. Die 200 Beamten aus Brandenburg wurden durch Einsatzkräfte der Polizei aus den vier Bundesländern unterstützt. Auch Beamte des Hauptzollamtes Stralsund unterstützten die groß angelegte Razzia. Die Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft dauern an.

Transfer nach Osteuropa

In Brandenburg sind das Landeskriminalamt und die Neuruppiner Staatsanwaltschaft federführend. Die Durchsuchungen seien so breit angelegt gewesen, weil es Anhaltspunkte auf Fahrzeuge gegeben habe, in denen Teile verbaut gewesen seien, sagte Lodenkämper. In den vergangenen Monaten sind in den Grenzbundesländern immer wieder Diebstähle von Autos und deren Transfer nach Osteuropa in die Schlagzeilen geraten. Damit habe der aktuelle Fund aber nichts zu tun, heißt es bei der Polizei. Laut Polizeipräsidium in Potsdam gab es im vergangenen Jahr 3355 Autodiebstähle in Brandenburg, 2011 waren es 3963. Wie die Ermittler auf die mutmaßliche Bande kamen, will die Polizei nicht sagen. Nur so viel: „Seit Sommer 2012 wird ermittelt.“ Ein großer Teil der Autos und der Einzelteile wurde im Internet verkauft.