Technik

Wenn eine Maschine die Gurken erntet

Prototyp erstmals in Brandenburg im Einsatz

Die Ernte der Spreewaldgurken ist anstrengend und kostenintensiv. Etwa 3500 Saisonarbeiter, meist aus Polen und Rumänien, sind bei Wind und Wetter auf den sogenannten Gurkenfliegern unterwegs. Die Männer und Frauen liegen bäuchlings auf Matratzen, Kissen oder Decken auf den Auslegern dieser Maschinen, die von Traktoren über die Felder gezogen werden. Jetzt soll eine vollmechanische Maschine die Gurkenernte revolutionieren – und den großen Personaleinsatz und damit die hohen Kosten verringern.

Den Prototyp stellte Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Montag im Gurkenhof Frehn im Golßener Ortsteil Steinreich (Dahme-Spreewald) vor. Die Gurkenvollerntemaschine ist nicht ganz neu erfunden worden. Ein Tomatenvollernter wurde in vierjähriger Arbeit umgebaut – Schüttelfrequenz, Spaltabstände und Sortiergüte wurden verändert, wie das Ministerium mitteilte. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim (ATB).

„Mit dem Einsatz der voll mechanisierten Maschine ändert sich die Erntemethode“, erläutert der Inhaber des Agrarbetriebes, Karl-Heinz Frehn. „Bisher bleiben die Gurkenpflanzen im Boden, aber die neue Maschine reißt sie bei der Ernte heraus.“ Das Gemüse wird automatisch abgetrennt. „Die Entwicklungskosten beliefen sich auf etwa 750.000 Euro, davon sind die Hälfte Fördermittel vom Land und von der EU“, sagt Frehn. Er nutzt auf seinen 80 Hektar großen Feldern auch zwölf Gurkenflieger mit 480 Helfern.

„Neben dem Fahrer sind auf dem Gurkenvollernter nur noch zwei Verlesekräfte im Einsatz, die Steine und Erdklumpen von den geernteten Gurken trennen“, sagt Frehn. Während die Gurkenflieger an mehreren Tagen unterwegs sind, um die nachwachsenden Einlegegurken zu ernten, kann die neue Maschine nur einmal fahren. Sie muss also so viele Gurken wie möglich in guter Qualität ernten, um wirtschaftlich zu sein. Deshalb sollen auch neue Sorten gezüchtet werden. Jährlich werden im gesamten Spreewald rund 40.000 Tonnen Gurken von den Feldern geholt.