Interview

Marzahn-Hellersdorf verhandelt über ein Freibad

Bezirksbürgermeister Stefan Komoß strebt mit Bäderbetrieben bis Jahresende eine Lösung an

– Die zwölf Berliner Bezirke sind so verschieden wie zwölf Großstädte. Jeder Bezirk hat seine eigenen Probleme und Erfolge. Gemeinsam ist ihnen das Ziel, lebenswerte Kieze zu gestalten. Brigitte Schmiemann und Katrin Lange haben die Bezirksbürgermeister nach einer ersten Bilanz für 2013 gefragt. Diesmal berichtet Stefan Komoß (SPD), Bezirksbürgermeister in Marzahn-Hellersdorf, über seine Schwerpunkte. Zu ihnen zählt die Vorbereitung des im September beginnenden historischen Wiederaufbaus des Schlosses Biesdorfs.

Berliner Morgenpost:

Herr Komoß, was sind Schwerpunkte Ihrer Bezirkspolitik, von denen die Bürger Verbesserungen erwarten können?

Stefan Komoß:

Schwerpunkte der Bezirkspolitik sind der laufende Ausbau des CleanTech Business Parks zum größten Berliner Industriepark, die Vorbereitung des ab September beginnenden historischen Wiederaufbaus des Schlosses Biesdorf sowie die Bemühungen um ein Freibad für den Bezirk. Eine ständige Herausforderung für den von der Bevölkerungsentwicklung besonders betroffenen Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist es, immer ausreichende Angebote im Bereich Schule und Kita, aber zunehmend auch für ältere Menschen bereit zu halten.

Viele Berliner klagen über eine zunehmende Verwahrlosung im öffentlichen Raum. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass Grünanlagen und Plätze wieder schöner werden?

Verwahrlosung sehe ich nicht. Wir werden aber auf absehbare Zeit keine Möglichkeit haben, die Mittel für die Pflege von Grünflächen und Plätze zu erhöhen. Deshalb muss sehr sorgfältig darüber nachgedacht werden, wo das Bezirksamt tätig werden kann und wie unter Einbindung von Unternehmen, aber auch bürgerschaftlichen Engagements die Zustände verbessert werden können.

Wie sieht die Verkehrsstrategie für Ihren Bezirk aus? Wird es Parkzonen geben? Sollen Straßen zugunsten von Radfahrern/Fußgängern verkleinert werden?

Das wichtigste Verkehrsprojekt ist der Bau der Tangentiale Verbindung Ost (TVO). Sie entlastet Anwohner im Siedlungsgebiet und unterstützt Unternehmen als schnellere Anbindung an den neuen Flughafen. Parkzonen sind nicht in der Planung, und Straßen werden höchstens im Einzelfall verkleinert.

Mietsteigerungen, Wohnungsmangel – auf der anderen Seite Proteste von Anwohnern bei Neubau-Vorhaben. Wie geht Ihr Bezirk, wie gehen Sie mit diesem Interessenkonflikt um? Wo sehen Sie Wohnungsbaupotenziale in Ihrem Bezirk?

Die Mieten im Bezirk sind im berlinweiten Vergleich noch günstig. Dennoch machen sich viele Mieterinnen und Mieter, vor allem ältere Menschen, Sorgen, ob oder wie lange sie sich ihre Wohnung noch leisten können. Der Bezirk kann zur Stabilisierung von Mieten im wesentlichen Bauland bereitstellen, um den Neubau zu fördern. Das Bezirksamt hat deshalb zehn Standorte ausgewählt, die aus unserer Sicht für Neubau geeignet sind.

Ist die Internationale Gartenausstellung 2017 in den Gärten der Welt des Erholungsparks Marzahn und im Wuhletal gefährdet?

Die IGA ist zum Glück von den finanziellen Auswirkungen des Zensus nicht gefährdet. Sie wird stattfinden und ist eine tolle Chance für attraktive Angebote im Bezirk. Marzahn-Hellersdorf freut sich auf mehr als zwei Millionen Besucherinnen und Besucher aus aller Welt.

Ihr Bezirk ist seit zehn Jahren der einzige in Berlin ohne Bad im Freien. Wird die Kinderplansche im Bürgerpark zu einem Freibad umgebaut?

Mit den Berliner Bäderbetrieben laufen intensive Gespräche, um die Erweiterung des Kinderbads Platsch in Marzahn zu prüfen. Das Ziel ist es, das vorhandene Angebot für Kleinkinder um Bademöglichkeiten für Erwachsene zu erweitern. Ich hoffe, dass wir bis Jahresende eine Klärung über die Umsetzung des Vorhabens erreichen können.

Im Bezirk ist ein Berliner Pilotprojekt angelaufen, mit Testkäufen in Supermärkten, Läden oder Kiosken den Verkauf von Alkohol an Jugendliche unter 18 Jahren einzudämmen. Wie sind die ersten Ergebnisse?

Der Kauf von Alkohol durch Jugendliche unter 18 Jahre ist zu leicht möglich. Es besteht in Supermärkten und Läden, aber auch in der Gesellschaft häufig kein Problembewusstsein für die Gefahren des Alkohols für Jugendliche. Deshalb ist die Handhabung vom Verkauf bis hin zum Ausschank an Jugendliche oft zu lax. Es sind folglich nicht nur die Verkaufsläden, sondern alle Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, den Konsum von Alkohol durch Jugendliche zu verhindern.